Skorbut wird durch einen akuten Vitamin-C-Mangel ausgelöst. Während die Krankheit heute Seltenheitswert hat, raffte sie bis Anfang des 20. Jahrhunderts unzählige Menschen dahin. Lesen Sie hier, welche Symptome die berüchtigte Seefahrerkrankheit hat und wie man sie behandelt.

Vitamin-C-Mangel: Alles zur Seefahrerkrankheit Skorbut

Skorbut wird durch einen akuten Vitamin-C-Mangel ausgelöst. Während die Krankheit heute Seltenheitswert hat, raffte sie bis Anfang des 20. Jahrhunderts unzählige Menschen dahin. Lesen Sie hier, welche Symptome die berüchtigte Seefahrerkrankheit hat und wie man sie behandelt.

Mögliche Ursachen eines Vitamin-C-Mangels

Ein schwerer Mangel an Vitamin C kommt in Deutschland nur selten vor. Wenn, dann sind Ursachen in der Ernährung begründet: Die betroffene Person nimmt zu wenig des Vitamins zu sich. Das kann auch dann passieren, wenn man regelmäßig Obst und Gemüse isst – zum Beispiel, wenn die Lebensmittel sehr lange gelagert oder ausgiebig gekocht wurden. Beides führt zum Zerfall des Vitamins im Essen. 

Außerdem gibt es diverse Faktoren, die dazu führen, dass der Tagesbedarf an Vitamin C erhöht ist. Dazu gehören:

  • Diabetes
  • Rauchen
  • Einnahme der Antibabypille
  • Schwangerschaft
  • Medikamente wie Aspirin und Antibiotika
  • hohe Stressbelastung
  • starke Belastung mit zellschädigenden Einflüssen wie UV-Strahlung, Abgase, Gifte

Symptome der Mangelerkrankung

Nach etwa zwei bis vier Monaten macht sich der Vitaminmangel körperlich bemerkbar. Wenn man sich anschaut, welche Funktion Vitamin C im menschlichen Körper hat, sind die Symptome nicht verwunderlich. Zu Beginn äußert sich Skorbut noch relativ unspezifisch:

  • Anfälligkeit für Infekte
  • Abgeschlagenheit
  • Muskelschwäche und -schmerzen

Bleibt der Vitamin-C-Mangel länger bestehen, verschärfen sich die Probleme:

  • Blutungen unter der Haut, auch um die Haarwurzeln herum
  • Blutung der Schleimhäute, insbesondere Zahnfleischbluten
  • selten auch Organblutungen
  • in schweren Fällen Blutungen in Auge und Gehirn
  • gestörte Wundheilung
  • Hautprobleme
  • Ödeme 
  • geschwollenes, entzündetes Zahnfleisch
  • Zahnlockerung und -ausfall
  • Schmerzen in Armen, Beinen und Gelenken
  • Depression
  • Fieber

Typisch für die Blutungen: Sie sind pünktchenförmig (sogenannte Petechien), aber über große Flächen verteilt.

Bleibt der Skorbut lange unbehandelt, kann es zu einer gefährlichen Herzschwäche kommen, die im schlimmsten Fall tödlich endet.

Um absolut sicher zu sein, ob die Symptome wirklich von Skorbut herrühren, muss der Vitamin-C-Spiegel im Blut überprüft werden. Hierzu ist ein Besuch beim Arzt notwendig. Der Arzt kann zudem einen Mangel an weiteren Vitaminen feststellen.

Möller-Barlow-Syndrom: Skorbut bei Kindern

Das Möller-Barlow-Syndrom, auch Infantiler Skorbut genannt, betrifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder bis zwei Jahre. Oft tritt die Krankheit zusammen mit einem Vitamin-D-Mangelauf. Ursache ist eine auch hier eine zu geringe Versorgung über die Nahrung – zum Beispiel, weil die Kinder mit Kuhmilchprodukten gefüttert werden. Die Tiermilch enthält viel weniger Vitamin C als die natürliche Muttermilch.

Bei Kinder-Skorbut äußert sich der Mangel etwas anders als bei Erwachsenen:

  • Probleme bei der Knochenbildung: Die Knochen wirken oft ein bis zwei Jahre jünger als das Kind.
  • Wachstumsstörungen
  • "Hampelmann-Syndrom": plötzliches Zusammenzucken bei kleinsten Berührungen
  • Froschhaltung der Beine

Therapie bei Skorbut

Üblicherweise reicht eine Ernährungsumstellung völlig aus, um Skorbut zu behandeln. Im akuten Ernstfall ist eine ergänzende Versorgung mit Tabletten oder Infusionenmöglich. Nach einigen Tagen normalisiert sich der Vitamin-C-Haushalt. Bis die Symptome vollständig verschwinden, kann es allerdings einige Wochen dauern.

Den täglichen Vitamin-C-Bedarf zu decken, ist nicht schwer

An dieser Stelle muss man anmerken: Schon 10 Milligramm Vitamin C pro Tag reichen aus, um nicht an Skorbut zu erkranken. Zum Vergleich: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DEG) empfiehlt für Erwachsene etwa 100 Milligramm. 100 Milligramm Vitamin C entsprechen einer Orange. Zumindest den minimalen Vitaminbedarf zu decken, ist also gar nicht so schwer – und mit passenden Lebensmitteln, die Vitamin C enthalten, deutlich günstiger als mit Nahrungsergänzungsmitteln.

Zwischen optimaler Versorgung und gefährlichem Mangel besteht also eine Menge Spielraum. Laut der DGE kommen in industrialisierten Ländern Vitamin-C-Mangelzustände praktisch nicht mehr vor. 

Warum wird Skorbut als „Seefahrerkrankheit“ bezeichnet?

Skorbut tritt immer dann auf, wenn es dauerhaft an frischen Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln fehlt. Das war vor allem auf langen Schiffsreisen im 16. und 17. Jahrhundert der Fall. Denn nach einigen Wochen waren nur noch Zwieback und Pökelfleisch einigermaßen genießbar – frisches Fleisch, Obst und Gemüse verdarb gerade bei tropischen Temperaturen binnen kurzer Zeit. Seefahrten wie die erste Weltumseglung von Ferdinand Magellan oder die Indienfahrt von Vasco da Gama konnten aber viele Monate dauern. Im Fall von Vasco da Gamas Reise auf dem Seeweg nach Indien im Jahr 1498 starben 100 von 160 Besatzungsmitgliedern an Skorbut. 

Seeleute waren nicht die einzigen Skorbutpatienten: Auch bei langen Belagerungen, in Gefangenenlagern, bei Arktisexpeditionen oder in den europäischen Slums der industriellen Revolution wurden die Mangelerscheinungen immer wieder beobachtet. Bis ins 18. Jahrhundert hinein konnte man sich allerdings nicht erklären, was die Ursache ist. 

Ein Pionier in der Skorbutprävention war Captain James Cook, der in den 1760er und 1770er Jahren auf Anraten des schottischen Arztes James Lind Sauerkraut und Zitronensaft mit auf große Fahrt nahm. Nachdem er diese Ernährungsmaßnahmen durchsetzte, starb auf seinen Südseefahrten kein einziger Seemann mehr an der Mangelkrankheit.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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