Tollwut beim Menschen: Übertragungswege, Symptome, Behandlung
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Tollwut beim Menschen: Übertragungswege, Symptome, Behandlung

Die Tollwut beim Menschen ist in Europa zwar sehr selten geworden, trotzdem kann es zu einer Ansteckung kommen. Vor allem Fledermäuse können das Rabies- oder Lyssavirus übertragen. Reisen in sogenannte Endemiegebiete wie Indien oder China können ebenfalls ein Risiko darstellen.

Wie weit ist die Tollwut beim Menschen verbreitet?

Inzwischen gilt die Tollwut beim Menschen zumindest in Europa als so gut wie ausgerottet. Das liegt daran, dass Haustiere, die nach draußen dürfen, üblicherweise gegen Tollwut geimpft werden und Rotfüchse, die früher Haustiere anstecken konnten, mittlerweile mit Impfködern ebenfalls weitgehend immunisiert wurden. Der eigentliche Wirt für Tollwut sind in Europa Fledermäuse, doch da die Tiere sehr scheu sind, ist die Tollwut beim Menschen durch Ansteckung eher selten, wenn auch nicht unmöglich.

Anders sieht es in Afrika, Südostasien, Indien und China aus. Dort kann Tollwut beim Menschen durchaus vorkommen, da diese dort durch infizierte Hunde oder kranke Nutztiere übertragen werden kann. Da in diesen Gebieten stets mit einer Ansteckung gerechnet werden muss, werden sie Endemiegebiete genannt. Eine Impfung oder rechtzeitige Behandlung kann im Zweifel lebensrettend sein.

Tollwut beim Menschen: Ansteckung erfolgt durch Tiere

Bei der Tollwut handelt es sich um eine sogenannte Zoonose, also eine Krankheit, die von Tier zu Mensch übertragen werden kann. Wildtiere stecken sich zum Beispiel bei Fledermäusen an und übertragen das Virus auf Nutztiere oder Haustiere. Von ihnen kann der Erreger auf den Menschen überspringen und letztendlich entsteht die Tollwut beim Menschen. Üblicherweise gelangt das Virus durch einen Biss in den menschlichen Organismus, doch auch eine Ansteckung über Hautverletzungen im Kontakt mit infiziertem Speichel ist möglich.

Ebenso kann es sein, dass infizierter Speichel an die Schleimhäute gelangt und das Virus auf diese Weise überträgt. Das ist insofern gefährlich, weil auch ein flüchtiger, unbemerkter Kontakt mit infizierten Fledermäusen zu einer Ansteckung führen kann.

Ansteckung von Mensch zu Mensch

Tollwut beim Menschen kann auch durch die Übertragung andere Menschen erfolgen. Bereits vor Auftreten erster Symptome können Infizierte über den Speichel das Virus weitergeben, wenn dieser die Schleimhäute anderer Menschen berührt oder in irgendeiner Weise in Kontakt mit Kratzwunden oder anderen Verletzungen kommt.

Vereinzelt kam es außerdem zu einer Ansteckung mit Tollwut beim Menschen, weil die Organe eines Infizierten verpflanzt wurden. Organempfänger, die nicht gegen Tollwut geimpft waren, steckten sich daraufhin mit der Krankheit an. Dies ist allerdings extrem selten.

Diagnose von Tollwut beim Mensch

Die Diagnose für Tollwut beim Menschen beruht auf Indizien, da ein Ausbruch der Krankheit in der Regel den Tod des Patienten zur Folge hat. Die Ärzte müssen daher bereits beim Verdacht auf Tollwut die Behandlung einleiten. Dieser besteht zum Beispiel, wenn jemand von einem möglicherweise tollwütigen Tier gebissen wurde oder Speichel des Tieres eine Wunde oder die Schleimhaut eines Menschen berührt hat.

Ein Tier gilt als potenziell tollwütig, wenn es aus einem der Endemiegebiete stammt oder wenn es sich um eine Fledermaus handelt. Doch auch in Europa können sich freilaufende Haustiere theoretisch mit Tollwut anstecken, sofern sie nicht dagegen geimpft sind. Betroffene Hunde und Katzen können dann zehn Tage unter Beobachtung gestellt werden, um zu sehen, ob sie Tollwutsymptome zeigen. Dennoch sollte auch hier vorsorglich bereits während des Beobachtungszeitraums beim Menschen mit der Behandlung begonnen werden.

Behandlung von Tollwut: Postexpositionsprophylaxe

Als Behandlungsmethode für Tollwut beim Menschen hat sich die Postexpositionsprophylaxe bewährt. Dies lässt sich etwa mit “Vorbeugung nach möglicher Ansteckung” übersetzen. Es ist wichtig, Bisswunden unverzüglich sorgfältig auszuspülen und mit Seife zu waschen. Danach wird eine sogenannte aktive Impfung durchgeführt.

Dabei spritzt der Arzt auf der Gegenseite der Wunde oder Eintrittstelle des Virus’ einen Impfstoff, der unschädlich gemachte Lyssaviren enthält. Sie lösen zwar keine Tollwut aus, regen aber das Immunsystem dazu an, Antikörper zu produzieren. Auf diese Weise kann das Virus bekämpft werden, bevor die Krankheit ausbricht. In der Regel wird die aktive Impfung nach drei, sieben, 14 und 28 Tagen wiederholt, um sicherzugehen, dass wirklich alle Lyssaviren bekämpft wurden.

 Seit der Rotfuchs mit Impfködern gegen Tollwut immunisiert wird, ist die Krankheit in Europa so gut wie ausgerottet.
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Seit der Rotfuchs mit Impfködern gegen Tollwut immunisiert wird, ist die Krankheit in Europa so gut wie ausgerottet.

Passive Impfung verhindert Tollwut beim Menschen

Darüber hinaus kann bis zu sieben Tage nach der Ansteckung eine passive Impfung durchgeführt werden. Dies wird bei Menschen gemacht, die nicht gegen Tollwut geimpft waren, als sie sich möglicherweise mit dem Virus angesteckt hatten. Hierbei bekommen Betroffene bereits fertige Antikörper gegen Tollwut gespritzt. Dieses sogenannte Rabies-Immunglobulin wird meist in die Nähe der Eintrittsstelle injiziert. Auf keinen Fall darf die passive Impfung später als sieben Tage nach der wahrscheinlichen Ansteckung erfolgen – der Krankheitsverlauf könnte dadurch nicht abgebrochen, sondern beschleunigt werden.

Tollwut-Symptome beim Mensch nach einem Ausbruch

Die Inkubationszeit, das heißt, der Zeitraum zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Tollwut beim Menschen, beträgt im Durchschnitt drei bis acht Wochen. Es können sich in Ausnahmefällen jedoch schon nach neun Tagen oder früher erste Symptome zeigen, gelegentlich dauert es bis zum Ausbruch allerdings auch bis zu mehreren Jahren. Am Anfang sind die Symptome sehr unspezifisch, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und manchmal Fieber kommen vor.

Außerdem kann der Bereich um die Bisswunde herum jucken, brennen und sehr schmerzempfindlich sein. Anschließend lässt sich die Tollwut beim Menschen in zwei verschiedene Ausprägungen unterscheiden. Am häufigsten ist mit etwa 80 Prozent die enzephalitische Form, mit 20 Prozent ist die paralytische Form viel seltener.

Enzephalitische und paralytische Tollwut beim Mensch: Unterschied

Die enzephalitische Tollwut wird auch “wilde Wut” genannt. Hierbei sind Hyperaktivität, Krämpfe im Schlundbereich, Angst vor Wasser (Hydrophobie) und Angst vor Luftzug (Aerophobie) typische Symptome. Zusätzlich können Halluzinationen, Kampflust, Verwirrtheit phasenweise auftreten. Der bekannte Schaum vor dem Mund entsteht durch übermäßigen Speichelfluss in Kombination mit einer Verkrampfung der Schluck- und Atemmuskulatur.

Die paralytische Tollwut gilt auch als “stille Wut” und äußert sich durch Muskelschwäche bis hin zu kompletter Lähmung der Arme, Beine und im Gesicht. Eine atypische Form mit Nervenschmerzen, Zuckungen und Krämpfen ist sehr selten. Tollwutpatienten fallen schließlich infolge einer Atemlähmung ins Koma und sterben, im Regelfall bereits spätestens sieben Tage nach den ersten Symptomen.

Verschiedene Tollwut-Viren

Das Robert-Koch-Institut unterscheidet bis zu 15 unterschiedliche Arten der Gattung Lyssavirus, das für Tollwut verantwortlich ist. In Europa sind aus dieser Gattung – wenn überhaupt – das Rabiesvirus und etwa fünf Virusarten, die durch Fledermäuse übertragen werden können, verbreitet. Das Rabiesvirus kann ebenfalls bei Fledermäusen vorkommen und tritt auch in Asien und Amerika in Erscheinung. Diese Virusform ist in der Regel der Auslöser, wenn Wild- und Haustiere Tollwut übertragen haben. Die anderen Virenarten werden, mit Ausnahme des Ikoma-Virus, das bei afrikanischen Zibetkatzen entdeckt wurde, ebenfalls von Fledermäusen verbreitet.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

SM
Autor/-in
Sascha Müller
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