Ein Schwangerschaftsabbruch ist im deutschen Recht § 218 StGB als Straftat definiert. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Abbruch dennoch straflos vorgenommen werden. Wir zeigen auf, wo die gesetzlichen Grenzen liegen.

Wann ist ein Schwangerschaftsabbruch strafbar?

Ein Schwangerschaftsabbruch ist im deutschen Recht § 218 StGB als Straftat definiert. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Abbruch dennoch straflos vorgenommen werden. Wir zeigen auf, wo die gesetzlichen Grenzen liegen.

Die Strafandrohung für einen illegalen Schwangerschaftsabbruch liegt bei drei Jahren Haft. Im besonders schweren Fall, wenn gegen den erklärten Willen der Schwangeren gehandelt wird, können fünf Jahre verhängt werden. Schwangere, die selber ohne ärztliche Genehmigung abtreiben, müssen mit bis zu einem Jahr Haft oder einer Geldstrafe rechnen.    

Strafbarkeit mit fest definierten Ausnahmen

Das Thema Schwangerschaftsabbruch war und ist umstritten, was in Paragraph 218 des Strafgesetzbuches deutlich wird. Der Schwangerschaftsabbruch wird hier nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1993 als rechtswidrig beschrieben (Ausnahmen bestehen bei einer Schwangerschaft nach Vergewaltigung oder Lebensgefahr für die Schwangere), kann aber dennoch in vielen Fällen straffrei erfolgen.

Mit einer Verurteilung müssen nur Personen rechnen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen, der die folgenden Voraussetzungen nicht erfüllt (§218a StGB):  

  • Die Schwangere verlangt den Abbruch und weist dem Arzt durch eine Bescheinigung gemäß § 219 Abs. 2 Satz 2 nach, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff beraten ließ.
  • Der Schwangerschaftsabbruch wird von einem Arzt vorgenommen und seit der Empfängnis sind nicht mehr als zwölf Wochen vergangen.

Hinweis: Die gesetzlich vorgeschriebene Schwangerschaftskonfliktberatung muss in Deutschland von einer staatlich anerkannten Beratungsstelle vorgenommen werden. Diese darf organisatorisch nicht mit den Kliniken verbunden sein, in denen der Abbruch vorgenommen werden könnte. Ziel ist es, finanzielle Interessen der Beratenden am Schwangerschaftsabbruch auszuschließen. Die katholische Kirche stellt keine Bescheinigungen aus, da sie im Abbruch einer Schwangerschaft ein Verbrechen sieht.

Bedeutet die Schwangerschaft eine erhebliche Gesundheitsgefahr für die werdende Mutter, kann der Schwangerschaftsabbruch per Gesetz sogar nach der 12. Woche erfolgen. Gedacht wird dabei vor allem an die psychische Belastung für die Mutter, wenn eine späte Diagnose ergibt, dass das Kind wahrscheinlich mit bleibenden Schäden geboren würde.  

Ebenfalls geregelt ist, dass eine Abtreibung innerhalb der ersten 12 Wochen erfolgen kann, wenn die Schwangerschaft auf ein Gewaltdelikt zurückgeht. Die Kosten des Abbruchs werden in diesem Fall (ebenso wie bei gesundheitlichen Gründen) von der Krankenkasse getragen. Das ist ansonsten nur bei sozialen Härtefällen möglich.  

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Bewerten:
Weitere Inhalte in diesem Themenbereich
Artikel

Schwangerschaftsabbruch: Schuldgefühle und Depressionen nach der Abtreibung

Eine Abtreibung ist nach wie vor für die meisten Menschen ein Tabuthema. Um...

weiterlesen
Schwangerschaftsabbruch: Schuldgefühle und Depressionen nach der Abtreibung