Die Nebenschilddrüsen liegen in enger Nachbarschaft zu der Schilddrüse.
Nebenschilddrüsen

Glandula parathyreoidea: Aufgaben der Nebenschilddrüsen

Die Nebenschilddrüsen (Glandula parathyreoidea) sind, ebenso wie die Schilddrüse, Teil des endokrinen Systems. Wie ihr Name bereits vermuten lässt, liegen die Nebenschilddrüsen in direkter Nachbarschaft zu der Schilddrüse. Die Mehrheit der Menschen besitzt vier Nebenschilddrüsen.

Wo sitzen die Nebenschilddrüsen?

Auch wenn Schilddrüse und Nebenschilddrüsen Nachbarn sind: Die Nebenschilddrüsen, auch Epithelkörperchen genannt, entwickeln sich embryologisch aus völlig anderen Strukturen und übernehmen andere Aufgaben. Jeder der Nebenschilddrüsen ist etwa so groß wie ein Streichholzkopf und wiegt so viel wie ein Pfefferkorn. Die Mehrheit der Menschen hat vier davon. Selten bilden sich mehrere Nebenschilddrüsen. 

Lage der Nebenschilddrüsen: Fehlplatzierungen sind möglich

In der Regel befinden sich zwei Nebenschilddrüsen links und zwei rechts neben der Schilddrüse. Allerdings kann es vorkommen, dass eine Fehlplatzierung stattfindet und die Nebenschilddrüsen hinter der Luftröhre, der Speiseröhre oder zwischen rechter und linker Lunge zu finden sind.

Nebenschilddrüsen regeln den Kalziumstoffwechsel

In den Nebenschilddrüsen wird Parathormon gebildet. Dieses reguliert vor allem den Kalziumspiegel im Blut, hat aber auch Einfluss auf den Phosphat- und den Magnesiumspiegel. Sind die Kalziumwerte im Blut zu niedrig, bilden die Nebenschilddrüsen vermehrt Parathormon, damit der Kalziumspiegel wieder ansteigt. Dadurch fördern sie den Transport des Mineralstoffs aus Knochen, Nieren und Darm.

Die wesentlichen Wirkungen von Parathormon:

  • Knochen: Freisetzung von Kalzium
  • Darm: Verstärkte Resorption von Kalzium aus der Nahrung
  • Niere: Vermehrte Bildung von Vitamin D

Hyperparathyreoidismus: Überfunktion der Nebenschilddrüse

Bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen gerät die Produktion von Parathormon aus dem Gleichgewicht. Hyperparathyreoidismus (HPT) zum Beispiel ist eine Funktionsstörung der Nebenschilddrüsen, bei der zu viel Parathormon gebildet wird. In Folge steigt der Kalziumspiegel im Blut an. Da das Kalzium unter anderem aus den Knochen gezogen wird, ist Knochenschwund (Osteoporose) eine mögliche Folge der Überfunktion der Nebenschilddrüsen.

 Zu den weiteren Symptomen der Nebenschilddrüsen-Überfunktion gehören:

  • Depressionen
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Verstopfung
  • Nierensteine
  • Knochen- und Gelenkschmerzen
  • Magenschleimhautentzündung
  • Magengeschwüre
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Knochenerweichung
  • Knochenbrüche

Der primäre Hyperparathyreoidismus wird durch eine operative Entfernung der vergrößerten Nebenschilddrüse geheilt.

Nebenschilddrüsen-Unterfunktion: Häufigste Ursache sind Operationen am Hals

Bei der Nebenschilddrüsen-Unterfunktion, Hypoparathyreoidismus genannt, funktionieren die Nebenschilddrüsen nicht in ausreichendem Maße. Die Folge ist ein Mangel an Parathormon. Die häufigste Ursache für eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen sind Operationen am Hals – etwa eine Schilddrüsenoperation. Da Schilddrüse und Nebenschilddrüsen eng beieinander liegen, kann es vorkommen, dass die Epithelkörperchen bei operativen Eingriffen Schaden nehmen.

Symptome der Nebenschilddrüsen-Unterfunktion

Eine mögliche Folge der Nebenschilddrüsen-Unterfunktion ist die sogenannte hypokalzämische Tetanie. Dabei kommt es durch den Kalziummangel im Blut zu schmerzhaften Muskelkrämpfen. Typisch sind dabei die sogenannte Pfötchenstellung der Hände sowie die Spitzfußstellung der Füße.

Weitere Symptome des Hypoparathyreoidismus sind:

  • Durchfälle
  • vermehrter Harndrang
  • Atemnot

Unbehandelt kann es zu Organverkalkungen kommen. Zu den Folgen gehören Sehstörungen, Bewegungsstörungen, Störungen des Denkvermögens, epileptische Anfälle, Reizbarkeit sowie depressive Verstimmungen und Funktionsstörungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Nebenschilddrüsen-Unterfunktion behandeln

Die Krämpfe, die aufgrund eines Hypoparathyreoidismus auftreten, können mit der Gabe von Kalzium gelindert werden.  Die Betroffenen müssen zudem lebenslang mit Vitamin D behandelt werden. Ist die Menge an Vitamin D richtig eingestellt, leben die Betroffenen weitgehend beschwerdefrei. Sind bereits Verkalkungen an den Organen aufgetreten, lassen sich diese allerdings nicht mehr rückgängig machen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Ann-Kathrin Landzettel
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