Wird Schilddrüsenkrebs im Frühstadium entdeckt, sind die Heilungschancen gut.
Erkrankungen der Schilddrüse •

Schilddrüsenkrebs: Ursachen, Symptome und Behandlung von Schilddrüsentumoren

Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe erkranken in Deutschland jedes Jahr über 7.000 Menschen neu an Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom). Je früher Schilddrüsenkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Bei welchen Symptomen Sie aufmerksam werden sollten und was es mit heißen und kalten Knoten auf sich hat.

Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen gehört Schilddrüsenkrebs zu den eher seltenen Krebsformen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Frauen bei etwa 51 Jahren und bei Männern bei etwa 56 Jahren. Es gibt verschiedene Arten von Schilddrüsenkrebs, die von unterschiedlichen Zellen der Schilddrüse ausgehen.

Die drei Haupttypen von Schilddrüsenkrebs

Die Haupttypen von Schilddrüsenkrebs sind:

  • Differenziertes Schilddrüsenkarzinom (darunter das follikuläre und das papilläre Karzinom)
  • Undifferenziertes/ anaplastisches Schilddrüsenkarzinom
  • Medulläres Schilddrüsenkarzinom

Beim differenziertes Schilddrüsenkarzinomähneln die Tumorzellen noch weitgehend dem normalen Schilddrüsengewebe. Der Grad der Bösartigkeit der Krebszellen ist niedrig. Differenzierte Schilddrüsenkarzinome haben daher gute Heilungschancen. Das papilläre Schilddrüsenkarzinom bildet Tochtergeschwulste vor allem in den Lymphknoten in der Nähe der Schilddrüse. Das follikuläre Schilddrüsenkarzinom entwickelt nur selten Metastasen in den Lymphknoten. Tochtergeschwulste finden sich eher in Lunge und Knochen.

Die undifferenzierten Schilddrüsenkarzinomeähneln dem Schilddrüsengewebe kaum noch und weisen einen hohen Grad an Bösartigkeit auf. Sie wachsen schnell und aggressiv in das umliegende Gewebe ein. Wird die Diagnose undifferenziertes Schilddrüsenkarzinom gestellt, lassen sich meist bereits Metastasen im Körper finden. Neben Knochen und Lunge sind vor allem Leber und Gehirn von den Tochtergeschwulsten betroffen.

Das medulläre Schilddrüsenkarzinombildet sich aus bestimmten Zellen der Schilddrüse, die nicht an der Schilddrüsenhormonbildung beteiligt sind. Diese Zellen werden als C-Zellen bezeichnet. C-Zellen bilden ein Hormon, das für den Kalziumstoffwechsel wichtig ist. Bei dem medullären Schilddrüsenkrebs kommt es sowohl zu Lymphknotenmetastasen als auch zu Fernmetastasen in Knochen, Lunge, Leber und Nebenniere.

Schilddrüsenkrebs: Was sind die Ursachen?

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Schilddrüsenkrebs sind bisher nicht eindeutig geklärt. Bekannt sind verschiedene Risikofaktoren, die das Erkrankungsrisiko erhöhen. Dazu zählt Röntgenstrahlung im Kopf- und Halsbereich. Ein weiterer Faktor ist Vererbung. Es gibt Schilddrüsenkrebsformen, die familiär vererbt werden, zum Beispiel das medulläre Karzinom. Bei etwa 30 Prozent der Menschen, die an einem medullären Karzinom erkranken, handelt es sich um eine familiäre Veranlagung. Bei den familiären Krebsformen liegt häufig zudem das MEN-2-Syndrom vor. MEN steht für multiple endokrine Neoplasie. Bei dieser Erbkrankheit kann es neben der Entwicklung eines medullären Schilddrüsenkarzinoms auch zu meist gutartigen Tumoren des Nebennierenmarks und der Nebenschilddrüsen kommen.

Heiße und kalte Knoten: Ist das Schilddrüsenkrebs?

Und wie sieht es mit knotigen Veränderungen in der Schilddrüse aus, die durch bestimmte Schilddrüsenerkrankungen begünstigt werden? Erhöhen sogenannte "kalte" und "heiße" Knoten in der Schilddrüse das Krebsrisiko? Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe bilden sich im Zuge von Schilddrüsenerkrankungen häufig sogenannte „kalte“ Knoten. "Kalte" Knoten sind knotige Bereiche in der Schilddrüse, die nur gering bis gar nicht stoffwechselaktiv sind. Die Hormonbildung ist entsprechend gering. Diese Knoten werden als „kalt“ bezeichnet, da sie bei der Szintigrafie, einem bildgebenden Untersuchungsverfahren, in den „kalten“ Farbtönen bläulich-violett angezeigt werden. "Kalte" Knoten entarten nur in seltenen Fällen zu einem bösartigen Tumor. Auch bei „heißen“ Knoten, also Knoten in der Schilddrüse, die vermehrt stoffwechselaktiv sind und bei der Szintigrafie orange und rot aufscheinen, kann in fast allen Fällen davon ausgegangen werden, dass sie gutartig sind.

Schilddrüse regelmäßig abtasten und bei Veränderungen zum Arzt

Wer weiß, dass er eine Schilddrüsenerkrankung hat, sollte den Halsbereich regelmäßig auf Veränderungen wie Schwellungen oder knotige Veränderungen abtasten. Einmal im Jahr ist es zudem ratsam, beim Arzt eine Tast- sowie eine Ultraschalluntersuchung durchführen zu lassen. Gibt es in der Familie bereits Mitglieder, die an Schilddrüsenkrebs oder am MEN-2-Syndrom erkrankt sind, wird empfohlen, ebenfalls regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen durchzuführen. Auch die Durchführung einer Genanalyse ist möglich. Wer gesund ist und keine Erkrankung der Schilddrüse hat, kann seinen Hals ebenfalls immer wieder mal abtasten.

Schilddrüsenkrebs: Symptome, bei denen Sie hellhörig werden sollten

Wie die Deutsche Krebsgesellschaft mitteilt, gehört ein rasch wachsender Knoten in der Schilddrüse zu den wichtigsten Warnzeichen für Schilddrüsenkrebs. Aufmerksam werden sollten Sie, wenn ein lange bestehender Kropf plötzlich wächst und sich ganz oder teilweise verhärtet anfühlt.

Neben den tastbaren Veränderungen im Halsbereich gibt es noch weitere Symptome, die auf Schilddrüsenkrebs hindeuten.  Dazu gehören:

  • Schluckbeschwerden
  • ein Druckgefühl im Halsbereich
  • Hustenreiz
  • Heiserkeit
  • möglicherweise Luftnot

Bei diesen Symptomen sollten Betroffene zeitnah zu einem Arzt gehen.

Schilddrüsenkrebs diagnostizieren: Das macht der Arzt

Verschiedene Untersuchungen helfen dem Arzt, den Verdacht Schilddrüsenkrebs auszuräumen oder zu bestätigen:

  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Gibt Informationen über die Beschaffenheit und Größe der Schilddrüse sowie Veränderungen im Gewebe.
  • Szintigrafie: Die Szintigrafie ist ein bildgebendes Verfahren, das mit Hilfe von radioaktiven Stoffen arbeitet. Radioaktives Jod wird verabreicht, welches sich hauptsächlich im Schilddrüsengewebe anreichert. So lassen sich Veränderungen feststellen und das Stoffwechselverhalten des Knotens ablesen.
  • Gewebeentnahme: Hierbei werden mit einer feinen Nadel Gewebeproben aus dem verdächtigen Bereich der Schilddrüse entnommen und unter dem Mikroskop ausgewertet.
  • Blutproben: Das Blut verrät eine Menge über den Zustand der Schilddrüse. In ihm befinden sich unter anderem Schilddrüsenhormone und TSH.
  • Röntgenuntersuchung: Bei der Röntgenuntersuchung wie der Kernspintomografie (MRT) wird die Größe des Tumors ermittelt und nach Metastasen gesucht.

Heilungschancen: Wird Schilddrüsenkrebs früh erkannt, sind die Prognosen gut

Wird das Schilddrüsenkarzinom frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen in den meisten Fällen gut. So besteht laut der Deutschen Krebshilfe beispielsweise eine hundertprozentige Heilungschance, wenn im Vorstadium der familiären Krebserkrankung des medullären Schilddrüsenkarzinoms die Schilddrüse vollständig entfernt wird.

Behandlung von Schilddrüsenkrebs: Diese Therapien gibt es

Stellt der Arzt die Diagnose Schilddrüsenkrebs, gilt es herauszufinden, wie groß der Tumor ist, wo er genau sitzt, aus welcher Zellart er besteht und ob sich möglicherweise bereits Metastasen (Tochtergeschwülste) gebildet haben. Abhängig von den Ergebnissen, der aktuellen Gesundheitssituation und möglicherweise bestehenden anderen Erkrankungen wird die Therapie von Schilddrüsenkrebs geplant.

Therapiemöglichkeiten von Schilddrüsenkarzinomen sind:

  • Operation
  • Radiojodtherapie
  • Bestrahlung
  • Chemotherapie (medikamentöse Therapie)
  • Einnahme von Tyrosinkinase-Inhibitatoren (medikamentöse Therapie)

Jeder Patient hat die Möglichkeit, sich eine Zweitmeinung von einem anderen Arzt einzuholen, was die Behandlungsempfehlung angeht. Das Ziel der Behandlung von Schilddrüsenkrebs ist, den Tumor zu heilen oder zumindest sein Wachstum einzudämmen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Ann-Kathrin Landzettel
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