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SARS-CoV-2: Alles, was Sie jetzt über das neue Coronavirus wissen müssen
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SARS-CoV-2: Alles, was Sie jetzt über das neue Coronavirus wissen müssen

Die Zahl der Covid-19-Neuinfektionen ist in den letzten Wochen zurückgegangen. Bund und Länder haben sich daher für weitere Lockerungen im öffentlichen Leben entschieden. Wie sich die Lage um die Lungenkrankheit in Deutschland aktuell entwickelt.

Weniger Infektionen, mehr Lockerungen in Deutschland

In den letzten Wochen sind weniger Menschen an Covid-19 erkrankt. Aufgrund der sinkenden Infektionszahlen wurden weitere Lockerungen beschlossen. Trotzdem: Die Kontaktbeschränkungen bleiben weiter bestehen, ebenso die Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Maskenpflicht in bestimmten öffentlichen Bereichen, etwa im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen. Die weitere Ausgestaltung der Lockerungen liegt bei den einzelnen Bundesländern. 

„Bleibt die Zahl der Neuinfektionen weiter niedrig, dann werden die Bundesländer selbständig über die weiteren Schritte zur Normalisierung des Lebens in ihrer Region entscheiden. Treten in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tage auf, ist mit sofortigen regionalen Beschränkungen zu reagieren“, schreibt die Bundesregierung auf ihrer Homepage und betont, dass es nun umso wichtiger sei, die geltenden Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO mahnt zur Vorsicht. Die Lockerungen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus signalisierten in keiner Weise das Ende der Krise. Nothilfekoordinator Michael Ryan betonte, die Rückkehr in eine Art Normalität sei ein langer Weg. Die Lockerungen seien nur mit einem umfangreichen Programm zur Überwachung der Neuansteckungen sinnvoll. Zu schnelle Lockerungen würden das Risiko vieler neuer Ansteckungen bergen.

Hier finden Sie Informationen zu sozialen Kontakten, dem öffentlichen Leben, Schulen, Kitas und Universitäten, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, Geschäften und Gastronomie, Reisen sowie zu den Bestimmungen der einzelnen Bundesländer.

Coronavirus: Antikörpertests kommen

Antikörper-Labortests sind seit kurzem verfügbar. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat im April mehrere bundesweite Antikörper-Studien gestartet, um mehr darüber zu erfahren, wie viele Menschen womöglich schon gegen Covid-19 immun sind. „Die Ergebnisse der Antikörper-Studien sind von großer Bedeutung, um Verlauf und Schwere der Epidemie genauer abschätzen und die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen besser bewerten zu können“, sagt RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler.

Antikörpertests gegen das neuartige Coronavirus helfen herauszufinden, ob die untersuchte Person die Infektion – möglicherweise symptomlos – bereits durchgemacht und Antikörper gegen das Virus gebildet hat. Die derzeit verfügbaren Antikörper-Schnelltests sind in ihrer Aussagekraft sehr unterschiedlich. Von Corona-Selbsttests für zu Hause raten Experten aufgrund der hohen Fehleranfälligkeit ab und warnen zugleich vor einer großen Anzahl an Fälschungen ohne Aussagekraft.

Bereits von Ärzten eingesetzte Antikörpertests müssen, genau wie auch der neue Antikörpertest der Firma Roche, vom Arzt durchgeführt und die entnommene Blutprobe anschließend im Labor ausgewertet werden. Im Mai sollen drei Millionen Covid-19-Antikörpertests der Firma Roche an das deutsche Gesundheitswesen ausgeliefert werden. Roche selbst gibt eine Sensitivität des Tests von 99,8 Prozent an. Eine 100-prozentige Sicherheit ist bei Tests generell nicht zu erreichen, da immer das Risiko besteht, dass verschiedene Einflussfaktoren die Aussagekraft von Antikörpertests verfälschen. Dazu gehört unter anderem ein ungünstiger Testzeitpunkt. Antikörper sind erst zwei bis drei Wochen nach Symptombeginn im Blut nachweisbar.

"Es gibt mindestens noch zwei weitere Anbieter, die jetzt auf den Markt kommen, auch gleichzeitig mit der Firma Roche. Es ist relativ schwer, hier in Zahlen zu sprechen. Wir haben auch in unserem Labor verschiedene Teste gegeneinander verglichen. Diese Arbeiten sind gerade am Anfang und auch die Validierungsdaten, die diese Firmen selbst mitliefern, die sind noch in kleinen Zahlen begriffen. Also das ist noch nicht so, dass wir hier vielleicht Kenntnisse haben wie bei Antikörpertesten gegen die großen Infektionskrankheiten, also Hepatitis-Viren oder so. Da kommen wir so schnell nicht hin, dass wir so eine gute Datenkenntnis haben", sagte Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin gegenüber ZDF Info. 

Das Robert Koch-Institut dämpft zu hohe Erwartungen an die Aussagekraft von Antikörpertests. Auch, weil bislang noch unklar ist, welche der als Reaktion auf eine Infektion gebildeten Immunglobuline mit einer möglichen Immunität im Zusammenhang stehen. Außerdem zeigt ein Nachweis von Antikörpern nicht automatisch eine Immunität an. Antikörpertests können zudem nichts darüber aussagen, ob der Getestete noch infektiös ist. Die Entwicklung von Antikörpertests auf SARS-CoV-2 ist noch am Anfang und es gibt nach wie vor eine Menge Fragen und Unsicherheiten rund um diese Tests. Weitere Forschungen zu Antikörpern, Immunität und Reinfektionsrisiken sind notwendig.

Immun nach Covid-19-Infektion?

Bislang ist unklar, ob die Immunität nach überstandener Infektion mit SARS-CoV-2 bei allen Menschen ähnlich robust ist und wie lange sie anhält. Experten gehen davon aus, dass von der Krankheit Covid-19 Genesene ein sehr geringes Risiko haben, sich kurzfristig erneut zu infizieren. Erfahrungen mit anderen Coronaviren-Infektionen (SARS und MERS) weisen auf eine mögliche Immunität von bis zu drei Jahren hin. Um weitere Informationen zur Immunität nach Covid-19 zu erhalten, sind dem Robert Koch-Institut zufolge serologische Längsschnittstudien erforderlich, welche die Immunität der Patienten über einen längeren Zeitraum beobachten.

Eine sichere Immunität nach überstandener Erkrankung gibt es nicht: Immer wieder werden Fälle bekannt, in denen genesene Covid-19-Patienten erneut erkranken. Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO mitteilt, ist eine Immunität nach überwundener Covid-19-Infektion nicht gesichert. Es gebe „aktuell keinen Beweis, dass Menschen, die sich von Covid-19 erholt haben und die Antikörper haben, vor einer zweiten Infektion geschützt sind“.

Gibt es Medikamente gegen Covid-19?

Aktuell kursieren viele Falschmeldungen über angeblich wirksame Arzneimittel gegen das neuartige Coronavirus. Fakt ist: Eine Therapie zur Behandlung einer Infektion mit SARS-CoV-2 gibt es bislang nicht. Die Behandlung von Covid-19 setzt sich aus Maßnahmen zusammen, die den Fokus auf die Symptomlinderung legen und zugleich das Ziel haben, den Körper im Kampf gegen das Virus bestmöglich zu unterstützen. Dazu gehören:

  • Sauerstoffgabe
  • kreislaufunterstützende Arzneimittel
  • Antibiotika zur Behandlung von bakteriellen Begleitinfektionen
  • intensivmedizinische Betreuung bei schweren Verläufen
  • Beatmung in medizinischen Notfällen

Schutz vor Corona: Wann gibt es eine Impfung?

Trotz intensiver Forschung gibt es noch keinen Impfstoff gegen SARS-CoV-2. Derzeit lassen sich auch keine verlässlichen Aussagen darüber machen, wann es eine Impfung geben wird. Bislang gilt es als unwahrscheinlich, dass dieses Jahr ein einsatzfähiger Impfstoff vorliegt und zugelassen werden kann. In Deutschland hat das Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, die erste klinische Prüfung eines Impfstoffs gegen Covid-19 genehmigt. Die weiteren Entwicklungen bleiben abzuwarten.

„Die Pandemie ist noch nicht vorüber. Jetzt kommt es auf jeden einzelnen an, durch sein Verhalten sich und andere zu schützen. Entscheidend ist, dass wir weiterhin Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Alltagsmasken tragen“, betont Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Covid-19: Ansteckung und Inkubationszeit

Das neuartige Coronavirus trägt den offiziellen Namen "SARS-CoV-2". Die Atemwegserkrankung, die das Virus auslöst, wird als “COVID-19“ bezeichnet. SARS-CoV-2 ist hochansteckend. Es wird vor allem über Tröpfcheninfektion (Sprechen, Husten, Niesen) übertragen, kann aber auch über die Hände in den Mund gelangen (Schmierinfektion). Die Symptome von Covid-19 (COrona VIrus Disease 2019) treten meist nach einer Inkubationszeit von vier bis fünf Tagen auf - können sich aber auch erst nach 14 Tagen zeigen. Ansteckend sind die Betroffenen schon früher: „Basierend auf realen Daten wurde geschätzt, dass Patienten bereits 2,5 Tage vor Symptombeginn infektiös waren“, so das Robert Koch-Institut (RKI).

Wie lange Infizierte ansteckend sind, ist laut dem Robert Koch-Institut (RKI) momentan nicht sicher anzugeben. Abstrichproben vom Rachen deuten bislang darauf hin, dass vermehrungsfähige Viren bis zum vierten Tag nach Symptombeginn nachweisbar sind, in ausgehustetem Sekret bis zum achten Tag nach Beginn der Symptome. Weitere Untersuchungen sind notwendig.

Ansteckungsrisiko: Tröpfchen und Aerosole

Virologen unterscheiden zwischen Tröpfchen und den sehr viel kleineren Aerosolen, die beim Atmen, Sprechen, Husten und Niesen in die Umgebungsluft gelangen. Während sich Tröpfchen recht schnell absetzen, können die leichteren Aerosole mehrere Stunden in der Luft schweben: In einer Studie mit experimentell hergestellten, mit SARS-CoV-2-Viren angereicherten Aerosolen waren vermehrungsfähige Viren bis zu drei Stunden in Aerosol nachweisbar. 

"Wenn ich das alles zusammenfasse, dann ist mein Bauchgefühl: Fast die Hälfte der Übertragung ist Aerosol, fast die andere Hälfte der Übertragung ist Tröpfchen und vielleicht zehn Prozent der Übertragung ist Schmierinfektion oder Kontaktinfektion. Wenn man sagt, irgendetwas klebt an den Händen. Und demgegenüber muss man Alltagsempfehlungen stellen“, sagt Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin gegenüber NDR Info.

Der Virologe stuft es vor allem als gefährlich ein, wenn Menschen dicht an dicht in einem Raum sitzen. Für den Gastronomiebereich empfiehlt er daher, vor allem Außenbereiche zu nutzen: "(…) Der Außenbereich ist zunächst einmal als eine relativ sichere Zone einzustufen. Also Restaurants, die Terrassenbereiche und Außenbereiche haben, die sollten ermutigt werden, gerade diese Bereiche zu nutzen." Für den Aufenthalt im Innenbereich rät Drosten, die Fenster möglichst aufzulassen und die Abstandregeln zu beachten. Sein Tipp: "Das Fenster aufmachen und ins Fenster einen großen Ventilator stellen, der die Luft nach draußen befördert, sodass drinnen ein dezenter Luftstrom entsteht. Das ist eine gute Methode, um einen gewissen Umsatz zu schaffen."

Coronavirus SARS-CoV-2: Symptome von Covid-19

Zu den Hauptsymptomen gehören aktuellen Auswertungen zufolge Husten (50 Prozent der Erkrankten), Fieber über 38 Grad (42 Prozent der Erkrankten), Schnupfen (21 Prozent der Erkrankten), Geruchs- und Geschmacksverlust (15 Prozent der Erkrankten). Weitere Corona-Symptome, die bislang bei Betroffenen beobachtet wurden, sind:

  • Abgeschlagenheit
  • Halskratzen
  • Schüttelfrost
  • Gliederschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Atemprobleme wie Kurzatmigkeit
  • selten Übelkeit
  • selten Durchfall

Verlust von Geruch und Geschmack frühes Covid-19-Symptom

Mehrere Studien zeigten bei Covid-19-Betroffenen eine meist plötzlich auftretende Beeinträchtigung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns. In einer europäischen Multicenterstudie aus Belgien beispielsweise waren 88 Prozent der 417 untersuchten Patienten von einer Geschmacksstörung betroffen und 86 Prozent von einer Geruchsstörung. Bei 12 Prozent der Patienten trat dieses Symptom vor den anderen Symptomen auf. Frauen waren häufiger betroffen als Männer. Experten vermuten, dass das Virus die Riechzellen in der Nase schädigt – ohne dass dabei die Nasenschleimhäute anschwellen müssen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt eine niederschwellige Testung aller Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung sowie beim Auftreten akuter respiratorische Symptome jeder Schwere und/oder Verlust von Geruchs-/Geschmackssinn.

Was macht Covid-19 gefährlich? Verlauf der Lungenkrankheit

Je nachdem wie das Immunsystem auf den Erreger reagiert, sind verschiedene Krankheitsverläufe möglich:

  • Viele Betroffene merken nichts von der Infektion.
  • Rund 80 Prozent der Infizierten zeigen Erkältungssymptome, die nach wenigen Tagen wieder abklingen.
  • Bei einem Teil der Infizierten kommt es zu schweren Krankheitsverläufen. Es treten starke Atembeschwerden auf bis hin zu einer schweren Lungenentzündung. Ein Teil der Betroffenen muss intensivmedizinisch betreut und künstlich beatmet werden. 

Acht bis zehn Prozent der in Deutschland gemeldeten an Covid-19 Erkrankten müssen zur Behandlung in ein Krankenhaus. Die Behandlung im Krankenhaus dauert je nach Schwere der Corona-Infektion bis zu sechs Wochen.

„Die Krankheitsverläufe sind unspezifisch, vielfältig und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Daher lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen zum ‚typischen‘ Krankheitsverlauf machen", so das Robert Koch-Institut auf seiner Webseite. Rund 80 Prozent der Erkrankungen seien mild bis moderat. Als „mild“ werden Krankheitsverläufe ohne Zeichen einer Pneumonie (Lungenentzündung) bezeichnet.

SARS-CoV-2: Was macht die Lungenkrankheit mit der Lunge?

Immer wieder sterben Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen an Covid-19. Das Coronavirus ist aus folgendem Grund so gefährlich: Bei manchen Betroffenen wandert das Virus vom Rachen weiter in die Lunge und breitet sich in den Lungenzellen aus. Die Lunge kann sich entzünden. Die Lungenentzündung entwickelt sich meist recht spät im Verlauf der Erkrankung - meist um den zehnten Tag herum. Es kommt zu einem Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut - was der Erkrankte durch eine erschwerte Atmung spürt. Der Mechanismus dahinter: Während bei einem gesunden Menschen der Sauerstoff aus den Lungenbläschen über eine dünne Membran in die Blutbahn gegeben wird, ist dieser Ablauf bei schweren Covid-19-Verläufen aufgrund von virusbedingten Entzündungsreaktionen gestört. Der Abstand zwischen Lungenbläschen und Blutgefäßen wird immer größer und es gelangt immer weniger Blut in die Blutbahn. Atemnot tritt auf. 

Hat die Lungenentzündung die Lunge so stark beschädigt, dass es zu Wasseransammlungen in den Lungenbläschen kommt, kann es passieren, dass der Körper trotz künstlicher Beatmung keinen Sauerstoff mehr aufnehmen kann. Dann muss eine externe Maschine (ECMO), durch die das Blut geleitet und mit Sauerstoff angereichert wird, die Sauerstoffversorgung übernehmen.

Covid-19: Wann droht ein Multiorganversagen?

In der Zeit der Beatmung muss es dem Immunsystem gelingen, das Virus zu bekämpfen und die Lungenentzündung zu überstehen. Da das Immunsystem in dieser Phase stark gefordert ist, kann es passieren, dass es überreagiert. Dann bildet es nicht nur in einer zu großen Menge Abwehrstoffe, sondern richtet sich auch gegen den eigenen Körper. Diese Überreaktion hat eine Schädigung der Blutgefäßwände zur Folge. Immer mehr Flüssigkeit gelangt in umliegendes Gewebe und fehlt im Kreislauf. Die Durchblutung des Körpers kann nicht mehr aufrechterhalten werden und Organe nehmen Schaden. Es droht ein Multiorganversagen. Dann muss die intensivmedizinische Behandlung mit einer Vielzahl verschiedener Maßnahmen und Medikamente zusätzlich unterstützt werden. Das Sterblichkeitsrisiko ist sehr hoch.

Covid-19: Welche Personen gehören zur Risikogruppe?

Zur Risikogruppe für schwere Covid-19-Verläufe gehören laut dem Robert Koch-Institut:

  • Ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für schweren Verlauf ab etwa 50–60 Jahren)
  • Raucher
  • stark übergewichtige Menschen
  • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (beispielsweise koronare Herzerkrankung und Bluthochdruck)
  • Personen mit chronischen Erkrankungen der Lunge (beispielsweise COPD)
  • Personen mit chronischen Lebererkrankungen
  • Personen mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Personen mit einer Krebserkrankung
  • Personen mit geschwächtem Immunsystem (beispielsweise aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr beeinflussen und herabsetzen können, wie zum Beispiel Cortison)

Aber: „Schwere Verläufe können auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung auftreten und werden auch bei jüngeren Patienten beobachtet“, so die RKI-Experten.

Covid-19: Langzeitfolgen nach intensivmedizinischer Behandlung

Ungewiss ist bislang, wie es für geheilte Covid-19-Betroffene nach der Entlassung aus der intensivmedizinischen Betreuung weitergeht. Einige Studien zeigen neurologische Symptome und Erkrankungen, die darauf schließen lassen, dass unter anderem neurologische Langzeitfolgen möglich sind. Andere Untersuchungen deuten darauf hin, dass SARS-CoV-2-Viren neuroinvasive Eigenschaften besitzen, die das zentrale Nervensystem schädigen und damit zum Lungenversagen beitragen könnten. Auch die oben beschriebenen Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns könnten auf neurologische Störungen zurückzuführen sein.

Immer öfter wird zudem über verschiedene Herz-Kreislauf-Komplikationen und -Folgeerkrankungen berichtet: "Man sagt, dass vielleicht 20 Prozent der erwachsenen Patienten nach Auswertung neuerer Zahlen primär eine Herz-Mitbetroffenheit haben bei dieser Erkrankung, egal, ob die Lunge dabei ist oder nicht. Es kommt immer wieder Neues an Informationen dazu. Eine neue Grundauffassung ist auch, dass das Blutgerinnungssystem betroffen ist", sagt Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin im Podcast von NDR Info.

Covid-19: Sterberate in Deutschland

Laut Robert Koch-Institut liegt die Sterberate in Deutschland aktuell bei 4,5 Prozent (Stand 17. Mai 2020). Aktuell gibt es in Deutschland 174.355 laborbestätigte Fälle. 153.400 Menschen sind genesen, 7.914 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Die meisten COVID-19-Fälle (67 Prozent) sind zwischen 15 und 59 Jahre alt. Insgesamt sind Frauen (52 Prozent) und Männer (48 Prozent) annähernd gleich häufig betroffen. 86 Prozent der Todesfälle und 19 Prozent aller Corona-Fälle sind 70 Jahre oder älter. Bislang sind dem RKI drei Covid-19-Todesfälle bei unter 20-Jährigen übermittelt worden. Die verstorbenen Personen waren im Alter zwischen drei und 18 Jahren und hatten Vorerkrankungen.

Das RKI stuft die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland weiterhin als hoch ein, für Risikogruppen als sehr hoch. Die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe nimmt mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zu. Professor Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Instituts, bat in einer Pressekonferenz des RKI: „Wenn Sie rausgehen, bitte halten Sie die Abstandsregeln ein. Nehmen Sie die Krankheit ernst. Wir alle haben es in der Hand, die Pandemie zu beeinflussen – zum Positiven. Und weiter: "Wir können noch nicht von einer Eindämmung sprechen. Wir sprechen von positiven Tendenzen und wir müssen weiter daran arbeiten, dass diese auch positiv bleiben.“

Gibt es in Deutschland genug Intensivbetten?

Seit dem 16. April 2020 ist die Meldung der Bettenkapazität für alle intensivbettenführenden Krankenhäuser verpflichtend. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv-und Notfallmedizin (DIVI) führt gemeinsam mit dem RKI das DIVI-Intensivregister, das intensivmedizinisch behandelte COVID-19-Patienten sowie die Bettenkapazitäten auf Intensivstationen von allen Krankenhäusern in Deutschland erfasst. Am 17. Mai 2020 wurden 32.236 Intensivbetten registriert, wovon 19.944 belegt und 12.292 frei sind.

Schützt mich ein Mundschutz vor einer Corona-Infektion?

Viele besorgte Bürgerinnen und Bürger fragen sich, wie viel Schutz der selbstgenähte Mundschutz bietet. Bislang gibt es keine hinreichenden Belege dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, deutlich verringert. Allerdings hilft der Mund-Nasen-Schutz dabei, den Virenausstoß von Erkrankten in die Umgebungsluft zu reduzieren. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin sagte dazu gegenüber dem NDR: "Bei diesen Masken (einfache Masken, selbstgenähte Masken – Anmerkung der Redaktion) ist es eben so, da gibt es keine wissenschaftliche Evidenz für einen Nutzen für den Selbstschutz. Es gibt wohl aber Anfangsevidenzen, die sind nicht sehr virusspezifisch bisher gewesen, für den Fremdschutz. Aber das setzt natürlich voraus, dass eben wirklich jeder, jeder, jeder in der Gesellschaft, im öffentlichen Leben diese Masken tragen muss.“

Das Robert Koch-Institut schreibt zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes: "Das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung kann ein zusätzlicher Baustein sein, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Covid-19 in der Bevölkerung zu reduzieren – allerdings nur, wenn weiterhin Abstand (mind. 1,5 Meter) von anderen Personen, Husten- und Niesregeln und eine gute Händehygiene eingehalten werden."

BfR: Selbstgenähte Masken vor dem ersten Tragen waschen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät, selbstgenähte Community-Masken vor dem ersten Tragen zu waschen, da Textilien „eine Vielzahl von chemischen Substanzen enthalten“ können. Es ist möglich, dass nach der Herstellung Rückstände der Chemikalien auf den Textilien verbleiben, „die beim Tragen freigesetzt werden können“. Neue Textilien sollten vor dem ersten Tragen gewaschen werden, gerade wenn „sie als selbstgemachte Behelfsmaske mit Mund und Nase in Berührung kommen“.

Wird das Corona-Virus über Oberflächen übertragen?

Auch wenn das Risiko einer Infektion über Oberflächen von Expertenseite als eher gering eingeschätzt wird, schließt das Robert Koch-Institut einen solchen Übertragungsweg nicht aus: „Eine Übertragung durch kontaminierte Oberflächen ist insbesondere in der unmittelbaren Umgebung des Infizierten nicht auszuschließen, da vermehrungsfähige SARS-CoV-2-Viren unter bestimmten Umständen in der Umwelt nachgewiesen werden können.“

Bekannt sind solche Übertragungen bislang aber nicht. Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mitteilt, können Coronaviren durch direktes Niesen oder Husten einer infizierten Person auf Oberflächen gelangen und eine Zeit lang überleben. Eine Schmierinfektion einer weiteren Person erscheint dann möglich, wenn das Virus kurz danach über die Hände auf die Schleimhäute des Mund- und Rachenraumes oder die Augen übertragen wird. "Um sich vor Virusübertragungen über kontaminierte Oberflächen zu schützen, ist es wichtig, die allgemeinen Regeln der Hygiene des Alltags wie regelmäßiges Händewaschen und Fernhalten der Hände aus dem Gesicht zu beachten“, so das BfR.

Kann das Coronavirus über Lebensmittel übertragen werden?

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sind besorgt, was Einkäufe im Supermarkt betrifft. "Kann ich mich über Lebensmittel mit Corona infizieren?", fragen sich viele. Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge gibt es bislang keine Fälle, "bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen auf anderem Weg, etwa über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Auch für andere Coronaviren sind keine Berichte über Infektionen durch Lebensmittel oder den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt. Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, sind allerdings durch Schmierinfektionen denkbar. Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich."

Kann das Corona-Virus über Trinkwasser übertragen werden?

Laut dem Umweltbundesamt (UBA) ist das Leitungswasser in Deutschland sehr gut gegen alle Viren, also auch gegen das neuartige Coronavirus, geschützt und kann bedenkenlos getrunken werden. Eine Übertragung des neuartigen Corona-Virus über die öffentliche Trinkwasserversorgung gilt nach derzeitigem Kenntnisstand als höchst unwahrscheinlich. Trinkwasser gehört hierzulande zu den am besten überwachten Lebensmitteln.

Wie kann man sich vor dem neuen Coronavirus schützen?

Laut Robert Koch-Institut erfolgt die hauptsächliche Übertragung des neuen Corona-Virus über Tröpfchen, die beim Husten und Niesen entstehen und beim Gegenüber über die Schleimhäute der Nase, des Mundes und gegebenenfalls der Augen aufgenommen werden. Die wichtigsten Schutzmaßnahmen sind daher:

  • Selbstisolierung bei Erkrankung
  • eine gute Händehygiene
  • das Einhalten von Husten- und Niesregeln
  • das Abstandhalten (mindestens 1,5 Meter)

Das betonen auch die Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Weitere Empfehlungen, um das Risiko einer Ansteckung zu senken, sind:

  • Benutzen Sie Taschentücher immer nur einmal.
  • Verzichten Sie auf Händeschütteln.
  • Greifen Sie sich möglichst nicht ins Gesicht.
  • Reduzierung Sie soziale Kontakte im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich so weit wie möglich, um Infektionen zu vermeiden.
  • Reduzieren Sie jegliche Reisetätigkeiten.
  • Bleiben Sie weitgehend zuhause.
  • Halten Sie sich an die Regelungen zum Tragen eines Nasen-Mund-Schutzes.

Corona-Pandemie: Wie geht es weiter?

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin beschreibt die aktuelle Situation gegenüber NDR Info als "Tanz mit dem Tiger": "Es gibt dieses Konzept in der Pandemieforschung von 'The hammer and the dance'. Also zunächst mal mit einem Hammer draufhauen - weil man nicht weiß, an welchen Stellen man die Infektion unterbrechen kann, unterbricht man sie überall, indem man einfach sagt, keiner geht raus, Kontaktsperre - das ist der Hammer. Den haben wir offenbar hinter uns. Dann kommt der Tanz mit dem Tiger, mit dieser Epidemie, wo man versucht, das Ganze unter Kontrolle zu halten, aber nicht komplett einzusperren, weil dann andere Dinge leiden, wie die Wirtschaft. In dieser Tanzphase sind wir. Jetzt wollen wir davon ausgehen, dass wir nicht zurückmüssen zum Hammer, in den totalen Lockdown, sondern dass wir Stückchen für Stückchen herausfinden, wo man dem Tiger ein bisschen mehr die Leine lösen kann, ohne dass er gleich über einen herfällt. Das ist die Grundidee." 

Bundeskanzlerin Angela Merkel„Die Corona-Pandemie ist in der Tat eine gewaltige Herausforderung und wir stellen fest, dass alle Mitgliedsstaaten betroffen sind. (...) Überall sind vor allen Dingen die wirtschaftlichen Folgen natürlich von großer Dramatik. Deshalb wird es darauf ankommen, in den nächsten Wochen und Monaten zu zeigen, dass wir zusammengehören, dass wir die Schäden, die wirtschaftlichen Folgen dieser Krise aufarbeiten werden und dass wir alles erreichen wollen, damit Europa in dieser Situation zusammenwächst.“

Hier finden Sie Informationen zu sozialen Kontakten, dem öffentlichen Leben, Schulen, Kitas und Universitäten, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, Geschäften und Gastronomie, Reisen sowie zu den Bestimmungen der einzelnen Bundesländer.

Verdacht auf Corona-Infektion: Was tun?

Personen, die persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen telefonisch mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung setzen, einen Arzt anrufen oder die 116117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst wählen - und zu Hause bleiben.

Personen, die sich in einem vom Robert Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebiet aufgehalten haben oder in Regionen, in denen Covid-19-Fälle bekannt geworden sind, sollten unnötige Kontakte vermeiden und möglichst zu Hause bleiben. Zeigen sich innerhalb von 14 Tagen Covid-19-Symptome, sollte telefonisch Kontakt zum Hausarzt hergestellt werden. 

Achtung: Rufen Sie bei Verdacht auf Covid-19 immer bei Ihrem Hausarzt oder beim ärztlichen Bereitschaftsdienst an. Auf keinen Fall sollten Sie ohne Ankündigung eine Arztpraxis aufsuchen. Tritt starke Atemnot auf, rufen Sie den Notruf unter 112 an.

Muss ich für eine Krankschreibung zum Arzt?

Aktuell können sich Arbeitnehmer beim Arzt bis zum 31. Mai telefonisch eine Bescheinigung auf Arbeitsunfähigkeit (AU) für bis zu sieben Tage ausstellen lassen, wenn sie Beschwerden mit den oberen Atemwege haben. Der Krankenschein kann per Post zugestellt (Portokosten sind möglich) oder von einer bevollmächtigten Person in der Arztpraxis abgeholt werden.

Ab dem 1. Juni ist dann wieder eine körperliche Untersuchung beim Arzt für eine Krankschreibung notwendig. Sollten die Infektionszahlen wieder deutlich steigen, sind neue Sonderregelungen zur Krankschreibung möglich. Wenden Sie sich bei Fragen immer an Ihre behandelnde Arztpraxis und erkundigen Sie sich, wie Ihr Arzt Ihr Anliegen handhabt. 

Wo bekomme ich weitere Informationen zum neuen Coronavirus?

Wie sich das Virus weiterentwickelt und wie stark es sich noch ausbreitet, bleibt abzuwarten. Hier finden Sie wichtige Links mit aktuellen Informationen zu den weiteren Entwicklungen:

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Ann-Kathrin Landzettel
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
Ann-Kathrin Landzettel
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