Pflegestufe beantragen: Wann welche Leistungen aus der Pflegeversicherung möglich sind
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Pflegestufe beantragen: Wann welche Leistungen aus der Pflegeversicherung möglich sind

Welche Leistungen stehen einem Pflegebedürftigen zu? Um dies zu erfahren, müssen Sie eine Pflegestufe beantragen. Je nachdem, wie zeitaufwendig die Pflege des Betroffenen ist, wird eine von drei Stufen festgelegt. Von dieser Einstufung hängt es ab, wie hoch die monatlichen Auszahlungen für die Versorgung des Pflegebedürftigen sind.

Die Pflegestufe bestimmt den Leistungsbezug

Wenn Sie oder ein Angehöriger pflegebedürftig geworden sind, besteht in der Regel Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung. Damit diese Leistungen gewährt werden, müssen Sie eine sogenannte Pflegestufe beantragen. Auf Basis eines Gutachtens wird dann entschieden, wie hoch die Leistungen sind, die der Bedürftige in Anspruch nehmen kann, bzw. ob überhaupt Leistungen gewährt werden. Man unterscheidet je nach nötigem Zeitaufwand für die Versorgung des Pflegebedürftigen zwischen drei verschiedenen Pflegestufen.

Pflegestufe 1: Erheblich Pflegebedürftige

Die Pflegestufe 1 liegt vor, wenn ein Betroffener mindestens einmal am Tag Hilfe bei mindestens zwei täglichen Aufgaben oder Verrichtungen aus einem oder mehreren Grundpflegebereichen braucht. Diese Grundpflegebereiche umfassen Ernährung, Mobilität und Körperpflege. Für Pflegestufe 1 muss der Pflegebedürftige außerdem mehrmals in der Woche Hilfe bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten benötigen. Insgesamt beträgt der Pflegeaufwand pro Tag durchschnittlich mindestens 90 Minuten. Mehr als 45 Minuten davon entfallen auf die Grundpflege. Wenn Angehörige die Pflege eigenständig organisieren, stehen ihnen dafür monatlich 235 Euro zu. Nimmt man dagegen die Leistungen eines ambulanten Pflegedienstes in Anspruch, werden maximal 450 Euro pro Monat zugezahlt.

Pflegestufe 2: Schwerpflegebedürftige

Wer die Pflegestufe 2 in Anspruch nimmt, gilt als Schwerpflegebedürftiger. Wenn Sie diese Pflegestufe beantragen, muss gegeben sein, dass der Betroffene mindestens dreimal am Tag zu verschiedenen Zeiten Hilfe in den Bereichen der Grundpflege benötigt. Dazu kommt auch hier die mehrmals in der Woche anfallende Unterstützung bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. Der Zeitaufwand ist wesentlich höher als bei Pflegestufe 1: Pro Tag muss die für die Pflege aufgewendete Zeit mindestens drei Stunden betragen, davon entfallen minimal zwei Stunden auf die Grundpflege. Für die eigenständige Pflege werden monatlich 440 Euro zugezahlt, für einen ambulanten Pflegedienst maximal 1.100 Euro.

Pflegestufe 3: Schwerstpflegebedürftige

Unter die Pflegestufe 3 fallen Schwerstpflegebedürftige. Dabei handelt es sich um Menschen mit einem so hohen Pflegebedarf, dass sie rund um die Uhr zu jeder Zeit betreut werden müssen. Auch hier kommt mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung hinzu. Der Zeitaufwand beträgt bei diesen Pflegebedürftigen im Tagesdurchschnitt mindestens fünf Stunden, von denen mindestens vier Stunden auf Körperpflege, Mobilität und Ernährung, also die Bereiche der Grundpflege, entfallen. Die Vergütung beträgt für die selbst organisierte Pflege 700 Euro monatlich. Für ambulante Pflege werden maximal 1.550 Euro zuerkannt.

In außergewöhnlich schweren Fällen der Pflegestufe 3 können Betroffene oder ihre Angehörigen auch eine Härtefallregelung in Anspruch nehmen. Sie können zum Beispiel höhere Leistungen beantragen, wenn der Pflegebedürftige täglich mindestens sechs Stunden Hilfe bei der Grundpflege benötigt, davon mindestens dreimal in der Nacht. Auch Pflegeleistungen, die nur von mehreren Pflegekräften gleichzeitig erbracht werden können, fallen unter die Härtefallregelung.

Pflegestufe beantragen: So gehen Sie vor

Möchten Sie für sich selbst oder für einen Angehörigen eine Pflegestufe beantragen, muss sichergestellt sein, dass der Pflegebedarf mindestens die Kriterien der Stufe 1 erfüllt. Ob das der Fall ist und Sie demnach Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen können, stellt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) im Zuge eines Pflegegutachtens fest. Damit Pflegeleistungen überhaupt genehmigt werden können, muss die Vorversicherungszeit erfüllt sein – das bedeutet, dass der Pflegebedürftige innerhalb der letzten zehn Jahre mindestens zwei Jahre lang in einer Pflegeversicherung versichert gewesen sein muss.

Am besten treffen Sie die Entscheidung, eine Pflegestufe zu beantragen, zusammen mit dem Pflegebedürftigen und den behandelnden Ärzten. Wichtig ist es, medizinische Dokumente, die den Antrag unterstützen können, parat zu haben, wenn Sie eine Pflegestufe beantragen. Dazu gehören zum Beispiel ärztliche Gutachten oder Röntgenbilder, die die Pflegebedürftigkeit des Patienten unterstreichen.

Dann füllen Sie einen Antrag auf Erteilung einer Pflegestufe aus – die entsprechenden Formulare gibt es online auf der Website der entsprechenden Pflegekasse herunterzuladen. Nach Abschicken des Antrags wird die Kasse den MDK beauftragen, ein Pflegegutachten zu erstellen.

Das Pflegegutachten

Noch bevor der MDK einen Gutachter vorbeischickt, ist es sinnvoll, über einige Wochen hinweg ein Pflegetagebuch zu führen, in dem Sie den Alltag des Pflegebedürftigen dokumentieren und festhalten, welche Leistungen und Tätigkeiten im täglichen Umgang anfallen. Besonders wichtig ist es, den Zeitaufwand exakt beziffern zu können. Diese Aufzeichnungen können Ihnen während des eigentlichen Begutachtungstermins helfen, ein objektives Bild der Lage zu zeichnen. Während des Gutachtertermins sollten Sie großen Wert darauf legen, die Situation möglichst realitätsnah zu präsentieren. Wenn sich der Pflegebedürftige aufgrund der besonderen Besuchssituation motivierter zeigt als gewöhnlich, zeugt das zwar von gutem Willen, kann die Beurteilung aber verfälschen und am Ende dazu führen, dass er oder sie in eine niedrigere Pflegestufe eingeteilt wird oder sogar gar keine Leistungen beziehen darf. Hier kann ein Pflegetagebuch helfen, ein objektives Bild zu erzeugen.

Der Gutachter erstellt auf Basis des Termins ein Pflegegutachten, das an die jeweilige Pflegekasse übermittelt wird. Diese entscheidet dann, welche Pflegestufe dem Versicherten zusteht. Der Bescheid erfolgt schriftlich. Wird die Pflegestufe abgelehnt, haben Sie vier Wochen Zeit, dagegen Widerspruch einzulegen. In bestimmten Fällen können bei pflegebedürftigen Menschen, denen keine Pflegestufe zuerkannt wurde, auch Hilfeleistungen durch das Sozialamt gewährt werden.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

SM
Autor/-in
Sascha Müller
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