Pflanzliche Wirkstoffe und Medikamente: Wechselwirkungen sind möglich
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Pflanzliche Wirkstoffe und Medikamente: Wechselwirkungen sind möglich

Pflanzliche Wirkstoffe und Medikamente in Kombination können Wechselwirkungen hervorrufen. Dann wirken die Arzneimittel nicht mehr wie gewünscht. Ein bekanntes Beispiel ist Johanniskraut, das die Wirkung der Anti-Baby-Pille hemmt. Bei welchen pflanzlichen Wirkstoffen Sie aufpassen sollten.

Johanniskraut hemmt die Wirkung der Anti-Baby-Pille:

Johanniskraut wird häufig als sanfte Alternative bei leichten depressiven Verstimmungen eingesetzt. Besonders Frauen sollten mit Johanniskraut vorsichtig sein. Die in der Heilpflanze enthaltenen Wirkstoffe hemmen die Wirkung der Anti-Baby-Pille. Auch bei der Einnahme von Cholesterinsenkern, Herzmedikamenten und Asthmamitteln ist Vorsicht geboten. Der Grund: Johanniskraut aktiviert bestimmte Enzyme in Leber und Darm, die den Abbau der Medikamenten-Wirkstoffe beschleunigen.

Thymian hebt die Wirkung von Hustenstillern auf

Thymian gilt als Geheimtipp bei Husten. Das Heilkraut wirkt schleimlösend und erleichtert das Abhusten von zähem Schleim. Aber Vorsicht: Zusammen mit chemischen Hustenstillern, wie etwa dem Arzneistoff Dextromethorphan, hebt sich die Wirkung beider Wirkstoffe auf. Tipp: Nehmen Sie morgens Thymian und abends den Hustenstiller ein.

Verbraucherschützer warnen:

 Nahrungsergänzungsmittel können nicht nur die Wirkung von Medikamenten beeinflussen, sondern auch die Ergebnisse von Blut- und Urinuntersuchungen verändern. Teilen Sie Ihrem Arzt immer mit, welche Präparate Sie einnehmen. Für Medikamente ist vorgeschrieben, dass diese im "Beipackzettel" über Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Nährstoffen informieren müssen. Das gilt aber nicht für Nahrungs­ergänzungsmittel - auch wenn diese genauso hoch oder sogar noch höher dosiert sind.

Lakritze und Entwässerungsmittel vertragen sich nicht

Ebenfalls angenehm bei Husten ist das Lutschen von Lakritz-Pastillen. Doch auch bei Lakritze können Wechselwirkungen mit Medikamenten auftreten. Patienten, die Entwässerungsmittel (Diuretika) einnehmen, sollten Lakritze nur in sehr geringen Mengen verzehren. Sonst kann es zu einem verstärktem Kaliumverlust kommen, der sich durch Müdigkeit, erhöhten Blutdruck, Muskelschwäche und langsame Reflexe zeigt.

Pflanzliche Wirkstoffe und Medikamente: Ginkgo beeinflusst Blutverdünner

Ein weiteres Beispiel für Wechselwirkungen zwischen pflanzlichen Mitteln und Medikamenten ist die Kombination aus Ginkgo und Blutverdünnern. Ginkgo soll bei Gedächtnisproblemen und Durchblutungsstörungen helfen – beeinflusst aber auch die Fließeigenschaften des Blutes. Wird Ginkgo zusammen mit gerinnungshemmenden Medikamenten eingenommen, kann das die Blutungsneigung erhöhen. Das ist bei anstehenden Operationen ein wichtiges Thema. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Außerdem kann Ginkgo die Wirkung von Schmerzmitteln verstärken, darunter Ibuprofen, Diazepam und Diclofenac.

Zudem sollte Ginkgo nicht mit Medikamenten eingenommen werden, die die Krampfanfälligkeit verändern, beispielsweise Antibiotika, Antidepressiva oder Immunsuppressiva.

Medikamente und Grapefruitsaft: ein Risiko

Grapefruitsaft ist dafür bekannt, mit vielen Medikamenten Wechselwirkungen einzugehen. Grapefruitsaft kann beispielsweise die Wirkung von Arzneistoffen verstärken – um bis zu 70 Prozent. Mediziner raten, während der Einnahme von Medikamenten komplett auf Grapefruitsaft, Grapefruits und Grapefruitzubereitungen zu verzichten. Ein zeitlicher Abstand zwischen Safttrinken und Medikamenteneinnahme nutzt nichts: Grapefruits beeinflussen bestimmte Abbau- und Aufbaumechanismen im Darm über 24 Stunden bis mehrere Tage hinweg. Vorsicht geboten ist auch bei Cranberrys. Cranberrysaft kann die Wirkung von Schmerzmitteln, Blutverdünnern und Diabetes-Medikamenten beeinflussen.

Vorsicht bei Echinacea und Medikamenten

Echinacea (Sonnenhut) soll Erkältungen vorbeugen und das Immunsystem stärken. Doch die Heilpflanze kann die Aufnahme und Wirkung zahlreicher Medikamente beeinflussen. Deshalb sollten Sie vor der Einnahme von Echinacea immer Ihren Arzt nach möglichen Wechselwirkungen befragen.

Ginseng schwächt Blutgerinner

Ginseng ist eine bekannte Heilpflanze bei Müdigkeit und Erschöpfung. Riskant kann die Einnahme allerdings sein mit blutgerinnenden Arzneimitteln. Deren Wirkung kann abgeschwächt werden. Möglich ist zudem, dass Ginseng den Blutzuckerspiegel senkt. Diabetiker, die blutzuckersenkende Medikamente einnehmen müssen, riskieren, dass der Blutzuckerspiegel abfällt. Auch die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten kann durch Ginseng abgeschwächt werden.

Spinat verträgt sich nicht mit Eisentabletten

Spinat gilt als eisenreiches Gemüse. Viele Patienten, die einen geringen Eisenspiegel im Blut haben, essen daher gerne von dem grünen Gemüse. Aber Achtung: Spinat und Eisenpräparate sind keine gute Kombination: Oxalsäurehaltige Lebensmittel wie Spinat – sowie Rhabarber und Schwarztee – hemmen die Aufnahme von Eisen. Müssen Sie Eisentabletten einnehmen, halten Sie immer einen Abstand von zwei bis drei Stunden zwischen der Einnahme und dem Verzehr der Lebensmittel ein. Tipp: Orangensaft fördert durch das enthaltene Vitamin C die Eisenaufnahme.

Verstopfung? Sennesblätter und Herzmedikamente sind kritisch

Wer unter Verstopfung leidet, dem sind Sennesblätter möglicherweise bekannt. Das pflanzliche Abführmittel verträgt sich allerdings nicht mit dem Arzneistoff Digitoxin, der bei Herzschwäche verordnet wird. Der Grund: Sennesblätter – und Abführmittel im Allgemeinen – können bei häufiger Anwendung stark in den Salz- und Wasserhaushalt des Körpers eingreifen. Verliert der Körper zu viel Kalium, wirkt der Herzwirkstoff stärker.

Salat hemmt Wirkung von Blütverdünnern

Wechselwirkungen sind auch möglich zwischen Salat und Medikamenten: Salat ist reich an Vitamin K. Doch Vitamin K verträgt sich nicht mit Gerinnungshemmern. Diese sogenannten Antikoagulantien müssen Patienten nach einer Operation, einem Herzinfarkt oder einer Thrombose einnehmen. Vitamin K setzt die Wirkung der Blutverdünner herab und es kommt zu einer verstärkten Gerinnungsneigung. Vorsicht geboten ist auch bei grünem Gemüse wie Brokkoli, Spinat, Spargel, Erbsen, Mangold, Kohl und weiteren grünen Gemüsesorten.

Wechselwirkungen bei pflanzlichen Wirkstoffen

Eine ausführliche Übersicht über pflanzliche Wirkstoffe und mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten finden Verbraucher in dem Ratgeber „Was Nahrungsergänzungsmittel verschweigen dürfen“ der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel
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