Eine Parkinson-Behanldung ist komplex, da die Erkrankung bei jedem Patienten anders verläuft.
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Parkinson Behandlung: So wird die Schüttellähmung behandelt

Bisher ist eine ursächliche Behandlung der Krankheit Parkinson nicht möglich. Die richtige Therapie hilft jedoch, die Krankheit so lange wie möglich hinauszuzögern und dabei Nebenwirkungen zu vermeiden. Zudem lassen sich die Symptome so bekämpfen, dass sie die Lebensqualität möglichst wenig einschränken.

Behandlung von Parkinson: So komplex wie die Erkrankung selbst

Parkinson ist eine Erkrankung, die viele Lebensbereiche beeinträchtigt und bei jedem Patienten anders verläuft. Entsprechend komplex ist die Behandlung. Als Basis dient eine medikamentöse Therapie mit L-Dopa und weiteren Arzneimitteln. Hinzu kommen weitere Maßnahmen wie Sprach- und Bewegungstraining. In einigen speziellen Fällen ist eine operative Behandlung mit einem "Hirnschrittmacher" angebracht. Jede Therapie muss man ständig dem Krankheitsverlauf, neu hinzukommenden Beschwerden und gegebenenfalls auftretenden Nebenwirkungen anpassen.

Ist Parkinson heilbar?

Bislang ist eine Heilung der Parkinson-Krankheit nicht möglich. Eine ausgewogene Therapiestrategie verlangsamt jedoch den Krankheitsverlauf über Jahre und hält die Symptome gering. Dementsprechend zielt die Behandlung darauf ab, die Beschwerden zu minimieren und Nebenwirkungen auf ein Minimum zu reduzieren.

Parkinson-Behandlung: Medikamente

Bei Parkinson produziert das Gehirn zu wenig von dem für die Signalübertragung zwischen Nervenzellen zuständigen Dopamin. Dementsprechend ist eine Erhöhung des Dopaminspiegels Hauptziel jeder medikamentösen Behandlung. Das geschieht durch Verabreichung der Vorstufe Levodopa (L-Dopa) und eine Verlängerung der Wirkzeit von Dopamin durch Verhinderung seines Abbaus.

Levodopa (L-Dopa) ist das Basispräparat jeder Parkinson-Therapie. Man muss diese Vorstufe verwenden, da Dopamin selbst die Blut-Hirn-Schranke nicht zu überwinden vermag. L-Dopa gelangt mithilfe spezieller Aminosäuretransporter ins Gehirn, das es in Dopamin umwandelt.

Decarboxylasehemmer gibt man in der Regel als Kombinationspräparat zusammen mit L-Dopa. Sie verhindern eine vorzeitige Umwandlung in Dopamin außerhalb des Gehirns. Die Blut-Hirn-Schranke können sie im Gegensatz zu L-Dopa nicht überwinden. Auf diese Weise lässt sich die Menge des Medikaments deutlich reduzieren.

Dopaminagonisten wirken ähnlich wie Dopamin, binden aber nur an bestimmte Dopaminrezeptoren. Sie zeichnen sich durch verlängerte Wirkung aus, sodass man sie teilweise nur einmal am Tag einnehmen muss. Zudem führen sie seltener als L-Dopa zu motorischen Spätkomplikationen.

Monoaminoxidase B-Hemmer (MAO-Hemmer) hemmen ein Enzym, das Dopamin und L-Dopa abbaut. Dadurch lässt sich die Wirkungszeit verlängern. Im Frühstadium von Parkinson reichen MAO-Hemmer oftmals aus, bei fortschreitendem Krankheitsverlauf gibt man sie mit L-Dopa zusammen.

Catechol-O-Methyltransferase-Hemmer (COMT-Hemmer) wirken in Leber und Darm dem Abbau von L-Dopa durch das Enzym COMT entgegen. Zudem haben sie einen ausgleichenden Effekt, wenn nach längerer Therapie mit L-Dopa Schwankungen in der Wirkung auftreten. Zugleich ermöglichen sie eine niedrigere Dosierung des Medikaments.

N-Methyl-D-Aspartat-Antagonisten (NMDA-Antagonisten, Glutamat-Antagonisten) setzt man vor allem zur Behandlung von Überbewegungen (Hyperkinesien) ein. Bei Parkinson überwiegt die Wirkung des Botenstoffes Glutamat gegenüber der des verminderten Dopamins. NDMA-Antagonisten besetzen Glutamat-Rezeptoren und wirken diesem Ungleichgewicht entgegen.

Anticholinergika gehören zu den ersten Parkinson-Medikamenten, die man wegen ihrer Nebenwirkungen heute nur noch eingeschränkt gegen Tremor oder starkes Schwitzen einsetzt. Auch sie wirken einem Ungleichgewicht von Botenstoffen entgegen, indem sie die Rezeptoren des Acetylcholins blockieren.

Parkinson-Behandlung: Nebenwirkungen der Medikamente

Vor allem bei zu hoher Dosierung von L-Dopa kommt es zu Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Verdauungsstörungen und Depressionen. Daher muss die Therapie mit einer niedrigen Dosis begonnen und diese langsam schrittweise erhöht werden. Tritt der gewünschte therapeutische Effekt ein, wird die Dosierung beibehalten.

Nach langjähriger Behandlung machen den Patienten Wirkungsfluktuationen zu schaffen. Innerhalb weniger Minuten treten Unbeweglichkeit oder Zittern auf, gleich darauf normale Beweglichkeit, der nach kurzer Zeit Hyperkinesien (Bewegungsstörungn) folgen. Solche Effekte lassen sich durch Retardpräparate eindämmen, die ihre Wirkstoffe über einen längeren Zeitraum abgeben. Ansonsten müssen Parkinson-Patienten je nach Schwere der Erkrankung ihre Medikamente bis zu fünfmal täglich einnehmen.

Muss man im Laufe der Behandlung die Dosierung von L-Dopa steigern, treten zusehends Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Herz-Kreislauf-Probleme und psychische Störungen auf.

Patienten werden ängstlich, depressiv, verweigern die Nahrungsaufnahme und halluzinieren. Das erschwert die Therapie zusehends.

Parkinson-Behandlung ohne Medikamente: Physikalische Therapie

Die physikalische Therapie hat bei der Behandlung von Parkinson einen hohen Stellenwert. Physiotherapie und Ergotherapie helfen, verbliebene Fähigkeiten bestmöglich einzusetzen. Individuell zusammengestellte Behandlungspläne enthalten Gang- und Bewegungstraining sowie Kraft- und Dehnungsübungen. Maßnahmen zu Verbesserung und Erhalt des Gleichgewichtes verhindern Stürze. In fortgeschritteneren Stadien kommen das Erlernen des Umgangs mit Rollator oder Rollstuhl hinzu. Einschränkungen von Mimik und Sprache lassen sich durch Training von Gesichtsmuskulatur und Logopädie bessern.

Patienten mit Schluckstörungen erhalten eine logopädische Schlucktherapie. Therapieprogramme wie das Lee-Silverman-Traning (LSVT) LOUD helfen bei der Verbesserung von Stimmlautstärke und Tonumfang und damit dem Erhalt der Kommunikationsfähigkeit. Bei vielen Patienten unterstützt Therapie mit Musik, Tanz, Kunst und/oder Theater die Motorik, Stimme und soziale Teilhabe. Solche Maßnahmen tragen zur Erhaltung von Mobilität und Selbständigkeit bei und sind ebenfalls äußerst wichtig für den psychischen Zustand eines Patienten.

Hirnschrittmacher bei der Behandlung von Parkinson

Bei einigen Patienten lassen sich Tremor, überschießende Beweglichkeit und motorische Fluktuationen medikamentös nicht behandeln. In solchen Fällen ist eine tiefe Hirnstimulation (THS) mit einem "Hirnschrittmacher" zu erwägen. Dazu erhält der Patient zwei Elektroden in Bereiche des Gehirns, deren Funktion bei Parkinson eingeschränkt ist. Ein unter die Haut unterhalb des Schlüsselbeins eingesetztes Gerät sendet elektrische Impulse, die dieses Hirnareal stimulieren und die Symptome bessern.

Komplementäre Parkinson-Behandlung und Naturheilkunde

Keine rein alternativmedizinische Behandlung von Parkinson ist nach heutigem Kenntnisstand vertretbar. Inzwischen liegen jedoch zahlreiche klinische Daten vor, die ergänzende komplementärmedizinische Verfahren zur Minderung von Beschwerden und Nebenwirkungen sinnvoll erscheinen lassen.

 Akupunktur bei Parkinson 

Akupunktur spielt in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) schon lange eine wichtige Rolle. Eine koreanische Studie hat Veröffentlichungen zu diesem Thema analysiert und geht davon aus, dass sie in vielen Fällen die Symptomatik von Parkinson zu bessern vermag.

RTMS zur Parkinson-Behandlung 

Repetitive transkranielle Magnetstimulation (RTMS). Darunter versteht man eine wiederholte Magnetfeldtherapie des Kopfes. Mehrere Studien beschreiben diese als wirksam gegen motorische Symptome. Die S3-Leitlinie empfiehlt sie ausdrücklich zur Behandlung von Depressionen.

Phytotherapie

Zahlreiche Studien diskutieren pflanzliche Medikamente wie Ginseng, Ginkgo-Extrakt, Curcuma, Resveratrol und Cannabis. Auch wenn die bisher vorliegenden Daten weiterer wissenschaftlicher Untermauerung bedürfen, dürften solche komplementärmedizinischen Methoden zusehends an Bedeutung gewinnen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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