Um sich vor Parasiten zu schützen, sollten Sie als Tourist am Strand aufpassen und das Schwimmen im Süßwasser meiden, empfiehlt Dr. Wolf Groth. Vor allem an diesen Stellen lauern Schmarotzer wie Würmer, Flöhe und Larven. Wie Sie unliebsames Parasitengepäck vermeiden, erfahren Sie hier.
Parasiten beim Menschen: Was krabbelt, pikst und beißt denn da? •

Parasiten als Urlaubsmitbringsel – ein Experte klärt auf

Um sich vor Parasiten zu schützen, sollten Sie als Tourist am Strand aufpassen und das Schwimmen im Süßwasser meiden, empfiehlt Dr. Wolf Groth. Vor allem an diesen Stellen lauern Schmarotzer wie Würmer, Flöhe und Larven. Wie Sie unliebsames Parasitengepäck vermeiden, erfahren Sie hier.

Wenn Sie im Ausland Urlaub machen, können Sie sich mit Parasiten infizieren, die in Deutschland nicht oder nur ganz selten vorkommen. Diese Warnung gilt nicht nur für Fernreisende – auch am Mittelmeer warten diverse Parasitenarten auf neue Wirte.

Allgemein- und Reisemediziner Dr. Wolf Groth, der seit 2013 am Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin praktiziert, bekommt es in seinem Alltag immer wieder mit Patienten zu tun, die die Parasiten aus dem Urlaub mitbringen. Der Experte weiß, wo Sie als Tourist aufpassen sollten und welche Vorkehrungsmaßnahmen Sie treffen können.

Gelbe Seiten:Gefährliche Parasiten vermuten viele Urlauber nur in touristisch wenig erschlossenen Ländern. Können Menschen auch in den gängigen Urlaubsregionen von Parasiten befallen werden?

Wolf Groth: Das kommt auf den Parasiten an. Bettwanzen kommen zum Beispiel auch in den klassischen europäischen Urlaubsländern in der Mittelmeerregion vor. Und zwar nicht nur in Absteigen, sondern auch in gehobenen Hotels oder Wohnungen, die über Airbnb vermietet werden. Bettwanzen sind zwar nicht gefährlich, lösen aber einen Juckreiz aus und werden in der Kleidung auch gerne mal mit nach Deutschland gebracht. Dann haben Urlauber eine ganze Weile damit zu tun.

Wie können Touristen vermeiden, dass sie Bettwanzen importieren? Die blutsaugenden Wanzen sind nur mit großem Aufwand aus befallenen Wohnungen zu entfernen…

Groth: Sie sollte den Koffer nicht gleich auf dem Hotelbett auspacken und geöffnet dort liegen lassen. Lieber ins Badezimmer damit oder auf einen Stuhl. Und dann sollten sie sich erst einmal gründlich umsehen: Im Bereich der Tapeten oder auf den Matratzen hinterlassen Bettwanzen oft Kotspuren, die mit bloßem Auge zu erkennen sind. Außerdem verströmen die Parasiten einen Geruch, der an Koriander erinnert.

Auch weiter entfernt gelegene Regionen wie Südostasien oder die Karibik sind beliebte Urlaubsziele. Wie sieht es dort aus?

Groth: Die Dominikanische Republik ist ein gutes Beispiel, denn dort können sich Urlauber über die Anopheles-Mücke mit Malaria-Parasiten infizieren, den Plasmodien, was viele Pauschaltouristen gar nicht wissen. Das muss nicht sofort geschehen, sondern kann nach einer gewissen Inkubationszeit auch erst ausbrechen, wenn die Reisenden wieder in Deutschland sind. Wer nach einem solchen Trip an Fieber oder Schüttelfrost leidet, sollte einen Arzt aufsuchen.

Bettwanzen können sehr unangenehmen Juckreiz auf der Haut auslösen.

Bettwanzen können sehr unangenehmen Juckreiz auf der Haut auslösen.

Welche Art von Parasiten befallen Urlauber sonst noch?

Groth: Es gibt eine ganze Reihe von Würmern, die Menschen vor allem in Regionen befallen, die hygienisch prekär sind. Das kann über kontaminierte Nahrungsmittel geschehen oder auch über die Haut. Solche Parasiten kommen in Afrika relativ häufig vor, darunter auch in den touristisch erschlossenen Ländern wie Gambia, Senegal oder Tansania.

Ein klassischer Vertreter bei Strandurlaubern ist der sogenannte "Hautmaulwurf", ein Hakenwurm, der in auch in Asien, Südamerika oder der Karibik zu finden ist. Dieser Parasit wandert unter der Haut, erlangt aber keinen Anschluss an den Körperkreislauf, dringt also auch nicht in Organe ein und stirbt irgendwann ab. Doch die gewanderten Gänge sind deutlich sichtbar und auch der Juckreiz ist erheblich.

Gibt es Hygieneregeln oder andere Verhaltensmaßnahmen, die sie Urlaubern in den eben genannten Regionen ans Herz legen würden?

Groth: Sollten Hunde an dem besuchten Strand herumlaufen, wäre ich vorsichtig, da die Übertragung mit dem Hakenwurm oft über den Kot der Tiere stattfindet. Die Larven bohren sich durch die Haut, die Betroffenen bekommen das oft gar nicht mit. In solchen Fällen also besser auf ein Handtuch setzen und mit Sandalen durch den Sand laufen.

Außerdem würde ich auf rohen Fisch, Meeresfrüchte und auf alles andere verzichten, was nicht gar gekocht ist. Des Weiteren sollten Urlauber Süßgewässer in fernen Ländern, insbesondere in Afrika, meiden, da dort noch ganz andere Parasiten lauern.

Welche zum Beispiel?

Groth: Saugwurmlarven vom Pärchenegel etwa, die Bilharziose verursachen. Auch die bohren sich unbemerkt durch den Körper, die Patienten merken das oft erst Wochen später, wenn sie mit Fieber oder sogar Blut im Urin oder Stuhl zu uns kommen. Überraschenderweise haben sich vor einigen Jahren sogar auf Korsika einige Menschen damit infiziert, die im Fluss Cavu gebadet hatten. Vermutlich wurde der Parasit durch Einwanderer eingeschleppt, die ihn unbemerkt im Körper trugen.

Was hat es mit der auch als "Orientbeule" bekannten Leishmaniose auf sich?

Groth: Das ist eine Erkrankung, bei der sich Geschwüre auf der Haut bilden. Die Erreger sind kleine Parasiten, die Leishmanien, die von Sandmücken übertragen werden. Anders als der Name es vermuten lässt, kommen diese Sandmücken aber nicht am Strand vor und leider auch nicht nur im Nahen Osten, sondern auch im Mittelmeerraum.

Gerade aus Mallorca sind einige Fälle bekannt geworden. Die Erkrankung ist zwar behandelbar, verheilt aber meistens narbig. Da die Sandmücken sehr schlecht fliegen können und sich meist springend fortbewegen, sind Touristen vom ersten Stock an aufwärts auf ihren Hotelbalkonen sicher vor den Plagegeistern.

Und wie sieht es mit Sandflöhen aus?

Groth: Diese kleinen Parasiten sind für die Sandflohkrankheit verantwortlich. Sie leben an Stränden in tropischen Gebieten und kommen meist über die Füße in die Haut, wo sie ihre Eier legen. Das ist zwar unangenehm, aber gut behandelbar.

Dann gingen vor kurzem ein Fall durch die Presse, bei denen ein Mensch vom Ratten-Lungenwurm befallen wurde und dadurch gestorben ist…

Groth: Auch dieser Parasit kann Menschen befallen – das kommt allerdings äußerst selten vor. Betroffene infizieren sich meist über den Genuss von Schnecken oder Krabben, wenn diese Rattenkot fressen. Dann geht es dann auch mal ins Eingemachte, da dieser Wurm das zentrale Nervensystem befallen kann mit den Folgen einer Hirnentzündung. In der Karibik kommt dieser Schädling unter anderem vor, zum Beispiel auf Kuba und der Dominikanischen Republik. Bei mir ist allerdings noch kein Patient mit dem Ratten-Lungenwurm vorstellig geworden.

Ist bei Ihnen denn ein anderer seltener oder kurioser Fall in Erinnerung geblieben?

Groth: Wir hatten kürzlich einen Patienten hier, der an Gnathostomiasis litt, einer Wurmerkrankung, die vor allem in Südostasien auftritt. Die Larven des Wurmes Gnathostoma wandern unter der Haut und verursachen dadurch wandernde Schwellungen am ganzen Körper. Sie können auch in Organe und ins Gehirn vordringen. Die Larven werden in erster Linie durch den Genuss von Reptilien, Fröschen und nicht ausreichend gegarten Süßwasserfischen übertragen. Wer in Asien unterwegs ist, sollte sich überlegen, ob er Schlange oder Krokodil probiert.

Reisemediziner Dr. Wolf Groth
Dr. Wolf Groth
Experte

Dr. Groth ist Allgemein- und Reisemediziner. Er praktiziert seit 2013 am Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin.

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