Nikotinvergiftung: Kommt sie tatsächlich vom Rauchen?
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Nikotinvergiftung: Kommt sie tatsächlich vom Rauchen?

Tabakprodukte gelten als Genussmittel, können die Gesundheit jedoch vielfältig gefährden. Der Inhaltsstoff Nikotin zählt zu den Nervengiften, die in erhöhter Einnahmemenge zahlreiche Beschwerden hervorrufen können. Je nach Menge führt Nikotin zu einer Nikotinvergiftung, die entgegen der weitläufigen Meinung nicht nur durch das Rauchen entstehen kann. Der wichtigste Unterschied liegt bei einer Nikotin-Intoxikation zwischen einer akuten und einer chronischen Vergiftung.

Wie entsteht eine Nikotinvergiftung?

Geringe Mengen von Nikotin, beispielsweise durch das Rauchen einer Zigarette, gehen binnen weniger Sekunden in den Körper über und wirken unter anderem im Gehirn. Hier beeinflusst das Nikotin biochemische Prozesse, wodurch unter anderem die Dopamin-Produktion gesteigert wird. Es entsteht zunächst ein Wohlgefühl, das mit einer entspannenden bis beruhigenden Wirkung einhergeht. Der Abbau des Stoffes wird über die Leber und die Blase abgebaut. Ungefähr zwei Stunden nach der Aufnahme durch eine Zigarette ist die Hälfte des Nikotingehaltes wieder aus dem Körper ausgeschieden.

Nikotin hat jedoch einen hohen Gewöhnungseffekt, was bedeutet, dass nach einer gewissen Zeit der Zustand der Entspannung immer langsamer eintritt und die Nikotinmenge gesteigert werden muss, damit die gewünschte Wirkung eintritt. Dabei beginnt das Nikotin auch in anderen Körperregionen Einflüsse auszuüben. Der Magen-Darm-Trakt ist davon ebenso betroffen wie das Herz-Kreislauf-System. Die Blutgefäße werden verengt und die Atemfrequenz erhöht sich. Bei der Aufnahme von zu viel Nikotin kommt es zu Vergiftungserscheinungen, bei denen die stimulierende Wirkung des Nervengiftes ins Negative umschlägt. 

Die Menge schwankt dabei entsprechend der aktuellen Gewöhnung oder Nichtgewöhnung und kann bei einem Nichtraucher bereits nach dem Konsum weniger Zigaretten erfolgen, bei denen jeweils ein Milligramm aus dem enthaltenen Nikotin durch den Körper aufgenommen wird. Je häufiger der Konsum erfolgt, desto mehr Nikotin benötigt der Konsument, um das Wohlgefühl durch das Rauchen zu erhalten.

Kommt eine Nikotinvergiftung immer vom Rauchen?

Langjährige und starke Raucher können eine chronische Nikotinvergiftung entwickeln, da der Körper durch den schnellen Abbauprozess zügig nach neuer Nikotinzufuhr verlangt. Wird diesem Verlangen regelmäßig nachgegeben, schädigt das Nikotin den Körper in vielfältiger Weise: Durchblutungsstörungen, Probleme mit der Lunge und dem Herzen sowie Leber- und Nierenschäden können ebenso durch die chronische Nikotinvergiftung auftreten wie Beeinträchtigungen für das Gehirn und die Geschlechtsorgane.

Akute Vergiftung entsteht durch eine orale Einnahme von Tabakprodukten 

Die akute Nikotinvergiftung erfolgt hingegen nur in seltenen Fällen durch das Rauchen, sondern eher durch die orale Einnahme von Tabakprodukten wie Kautabak oder dem versehentlichen Verzehr von Zigaretten oder Zigarettenstummeln. Besonders Kleinkinder sind von der akuten Nikotinvergiftung gefährdet, wenn Zigaretten oder der gefüllte Aschenbecher in kindliche Reichweite gelangen.

Auch Vergiftung durch Kaugummis, E-Zigaretten und Nikotinpflaster möglich 

Zudem können durch fehlerhaft dosierte E-Zigarettenliquids, den übermäßigen Genuss von Nikotinkaugummis oder die unsachgemäße Nutzung von Nikotinpflastern in Einzelfällen Vergiftungserscheinungen auftreten. Bei Kindern und Erwachsenen kann die unbehandelte Nikotinvergiftung je nach Menge des Giftstoffes im Körper bis zum Tode führen. Hierbei wird eine Menge von 50 bis 60 Milligramm als für Erwachsene mit einem Körpergewicht von 70 kg als tödlich angesehen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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