Narzissmus: Was sind die Hintergründe? •

Weiblicher Narzissmus: Symptome der Störung bei Frauen

Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung fällt bei Frauen oft erst spät auf, da die Symptome meist subtiler sind als bei narzisstischen Männern. Lesen Sie hier, wie sich weiblicher Narzissmus äußert, und in welcher Form sich die Symptome von denen bei Männern unterscheiden.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung bei Frauen und Männern: Gemeinsamkeiten

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung kann die unterschiedlichsten Ausprägungen annehmen. Wie sich die Symptome im Detail äußern, hängt auch vom Charakter und den individuellen Lebenserfahrungen jedes Betroffenen ab. Es lassen sich jedoch einige Grundzüge beobachten, die Narzissten gemeinsam sind – sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Insgeheim sind das Selbstwertgefühl und das Selbstbild narzisstischer Persönlichkeiten sehr zerbrechlich. Dies versuchen Narzissten durch eine auf Hochglanz polierte Fassade der Perfektion zu überdecken und nach außen hin ein makelloses Ideal ihrer selbst zu präsentieren. Durch Bestätigung von außen, Lob und Bewunderung durch andere versuchen sie, ihr kaputtes Selbstbild zu heilen. Narzissten sind krankhaft egozentrisch, bei allem, was sie tun, geht es stets nur um sie selbst.

Charismatische Angeber: Männlicher Narzissmus fällt auf

In der Tendenz lässt sich beim Umgang mit dem fragilen Selbstbild aber ein Unterschied zwischen Frauen und Männern mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung erkennen. Männlicher Narzissmus wird auch als offener Narzissmus bezeichnet – die Symptome treten bei dieser Form offen zutage. Die eigene Grandiosität wird betont, ebenso die vermeintliche Unabhängigkeit, Dominanz und das Streben nach Macht.

Männliche Narzissten sind für gewöhnlich aggressiv, arrogant, laut und prahlerisch. Das bedingt sich durch stereotype männliche Rollenbilder – narzisstische Männer wollen besonders männlich sein. Sie lassen sich nicht beirren und lassen Kritik leicht an sich abprallen. Überhaupt nehmen offen-männliche Narzissten die Reaktionen anderer Menschen selten wahr. Sie hören sich am liebsten selbst reden und registrieren wenig von dem, was andere ihnen mitteilen.

Narzisstische Frauen: Symptome sind sehr subtil

Weiblicher Narzissmus wird auch verdeckter Narzissmus genannt. Das liegt daran, dass die Symptome einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung bei Frauen undeutlicher ausfallen als bei typisch männlichen Narzissten. Narzisstische Frauen sind in der Regel überangepasst an ihr Umfeld. Sie nehmen eher eine Opferrolle ein, als mit lautstarker Tatkraft voran zu stürmen. Ihre bohrenden Gefühle der Minderwertigkeit überkompensieren sie häufig mit extremer Leistungsbereitschaft.

Narzisstische Frau will perfekt wirken

Narzisstische Frauen kompensieren ihre Minderwertigkeitsgefühle oft mit Perfektionismus und übertriebenem Leistungsstreben.

Nach außen hin treten sie zwar selbstbewusst auf, doch innerlich fühlen sie sich extrem unsicher, nicht liebenswert und hässlich. Sie reagieren häufig überempfindlich auf Kritik und sind übertrieben dünnhäutig. Im Gegensatz zu offenen Narzissten sind verdeckte Narzissten gute Zuhörer. Allerdings gilt ihr Interesse nicht ihrem Gegenüber als Person. Stattdessen lauern sie ängstlich darauf, ob sich Kritik oder Ablehnung in dem Gesagten verbirgt.

Weibliche Narzissten versuchen mit aller Kraft, weiblichen Rollenklischees zu entsprechen. Sie legen sehr viel Wert auf ihr Äußeres und wollen besonders attraktiv, besonders schlank, fit und perfekt sein. Auf der Suche nach Zuneigung und Anerkennung treten weibliche Narzissten gern auffallend verführerisch auf.

Narzisstische Frau und Schlankheitswahn

Weibliche Narzissten sind oft sehr auf ihr Äußeres fixiert – je schlanker, desto besser.

Begleiterkrankungen bei weiblichem Narzissmus: Essstörungen, Sucht & Co.

Weiblicher Narzissmus bleibt auch deswegen oft lange Zeit unentdeckt, weil er eher von Begleiterkrankungen überdeckt wird als männlicher Narzissmus. Zu den verbreiteten Komorbiditäten einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung zählen:

Zwar können Depressionen, Angststörungen und Süchte auch männliche Narzissten heimsuchen, ihnen gelingt es aber üblicherweise für längere Zeit, ihr übersteigertes Selbstbild nach außen und innen aufrecht zu erhalten.

Narzisstische Frau mit Depressionen

Narzisstische Frauen leiden häufig unter Depressionen und Angststörungen.

Wie verhalten sich narzisstische Frauen in Beziehungen?

Männliche beziehungsweise offene Narzissten tendieren zu vermeidendem Beziehungsverhalten. Das heißt, sie geben sich in einer Partnerschaft nicht auf und setzen alles daran, sich ihre Autonomie und Freiheit zu bewahren. Verdeckte beziehungsweise weibliche Narzissten nehmen hingegen oft die gegensätzliche Rolle ein. Sie neigen zu einem klammernden Beziehungsverhalten, unterwerfen sich und geben sich selbst auf.

Zudem übernehmen sie in ihrer Überangepasstheit häufig die Gefühle ihres Partners. Sie identifizieren sich voll und ganz mit dem Idealbild, das sie sich von ihrem Partner gemacht haben. Diese Ausprägung von Narzissmus kann leicht mit der dependenten (abhängigen) Persönlichkeitsstörung verwechselt werden und weist Gemeinsamkeiten mit dem Beziehungsverhalten von Borderlinern auf. Das erschwert zusätzlich die richtige Diagnose der Störung.

Svenja Hauke
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