Multiple Sklerose: Symptome und Ursachen der Nervenkrankheit
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Multiple Sklerose: Symptome und Ursachen der Nervenkrankheit

Der Volksmund nennt sie die “Krankheit mit den vielen Gesichtern”: Multiple Sklerose. Symptome und Verlauf der Krankheit sind vielfältig und kaum vorhersehbar. Hier finden Sie die wichtigsten Antworten zu Multipler Sklerose, ihren möglichen Ursachen und Auswirkungen.

Was passiert bei Multipler Sklerose (MS)?

Multiple Sklerose ist – neben Epilepsie – die häufigste Erkrankung des Nervensystems. Symptome sind zum Beispiel Sehstörungen, Muskellähmungen oder fehlerhafte Gefühlsempfindungen. Ihr Name, kurz MS, ist eine Kombination aus dem lateinischen “multiplex” (vielfach) und dem griechischen “skleros” (hart). Multiple Sklerose tritt vor allem bei jungen Erwachsenen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, vor dem 10. und nach dem 60. Lebensjahr kommt es nur äußerst selten zu einem ersten Schub der Krankheit. Allerdings erkranken auch Kinder und Jugendliche zunehmend an Multipler Sklerose. In Deutschland leiden schätzungsweise 120.000 Menschen an MS, Frauen sind rund doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Bei der Multiplen Sklerose entzünden sich einzelne Abschnitte der Markscheiden (oder Myelinscheiden), die die Nervenfasern umhüllen – ähnlich wie die Isolierschicht an einem elektrischen Kabel. Die Markscheiden sind mitbeteiligt an der Weiterleitung von Nervenimpulsen, durch ihre Schädigung gelangen die Reize nicht mehr in der nötigen Geschwindigkeit ans Ziel. Die betroffenen Abschnitte werden auch Plaques genannt und können überall im zentralen Nervensystem auftreten. Besonders häufig betroffenen sind das Gehirn, das Rückenmark und die Sehnerven. Ohne die Schutzschicht der Markscheiden können auch die Nervenfasern selbst beschädigt werden. In der Folge werden Nervenreize von den betroffenen Fasern nicht mehr störungsfrei weitergeleitet.

Multiple Sklerose ist nicht heilbar. Die Krankheit verläuft meistens in Schüben und führt erst langfristig zu gravierenden körperlichen Einschränkungen. Jedoch können moderne Therapien die Selbstständigkeit und Lebensfähigkeit bei vielen Betroffenen über eine lange Zeit weitgehend aufrechterhalten.

Welche Symptome treten bei Multipler Sklerose auf?

Die Symptome, die Schwere der Erkrankung sowie ihr Verlauf unterscheiden sich von Patient zu Patient. Viele Multiple-Sklerose-Symptome treten außerdem auch bei anderen Krankheiten auf. Deshalb ist für die Diagnose von Multipler Sklerose eine sorgfältige Prüfung der Nervenfunktionen notwendig, hinzu kommen eine Hirnwasseruntersuchung, eine sogenannte Elektroenzephalografie (EEG) sowie eine Magnetresonanztomografie (MRT).

Die ersten Symptome einer MS-Erkrankung sind in rund einem Drittel aller Fälle Gefühlsstörungen an Armen oder Beinen. Dabei verspüren die Betroffenen ein Taubheitsgefühl oder ein Kribbeln. Oft breiten sich diese Symptome von den Fingern oder Zehenspitzen schrittweise über die Arme beziehungsweise Beine aus.

Etwa jeder fünfte MS-Patient dagegen stellt als erstes Symptom Sehstörungen fest. Beginnend mit Augenschmerzen, sehen Betroffene ihre Umgebung zunehmend wie durch einen Schleier oder Nebel oder nehmen Dinge nur noch verschwommen wahr. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung sind rund drei Viertel aller MS-Patienten von Sehstörungen betroffen.

Ein weiteres mögliches Symptom sind Störungen der Muskelfunktion. Dabei verspüren die Betroffenen Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen, fühlen sich kraftlos und müde und leiden unter Koordinations- sowie Gleichgewichtsstörungen.

Im Verlauf der Erkrankung können zusätzlich auch Störungen bei der Entleerung von Harnröhre oder Darm auftreten, außerdem Depressionen sowie sexuelle Störungen.

Multiple Sklerose: Mögliche Ursachen

Dass es zur Schädigung der Markscheiden im zentralen Nervensystem kommt, liegt an einer Fehlfunktion des Immunsystems. Statt gegen Krankheitserreger richtet sich ein Teil der Abwehrkräfte fälschlicherweise gegen das eigene Körpergewebe.

Wodurch diese Autoimmunreaktion ausgelöst wird, ist noch nicht bekannt. Nach dem bisherigen Forschungsstand scheint ein Bündel verschiedener Ursachen für die Fehlschaltung im Immunsystem und damit für die Erkrankung insgesamt verantwortlich zu sein.

Zum Beispiel scheinen Umwelteinflüsse bei der Entstehung von Multipler Sklerose eine Rolle zu spielen. Die Erkrankung kommt umso häufiger vor, je weiter die Regionen vom Äquator entfernt liegen. Vor allem die kühlen Klimazonen wie Mittel- und Nordeuropa, USA und der Süden Kanadas, Südaustralien und Neuseeland sind betroffen. Und auch innerhalb dieser Regionen gibt es Abstufungen. In Europa kommt MS zudem beispielsweise häufiger vor als etwa in Japan. Den Einfluss der Umwelt belegt auch diese Beobachtung: Wandert man als Kind aus einem besonders betroffenen Gebiet in eine Region mit weniger Fällen aus, sinkt die Erkrankungswahrscheinlichkeit auf die Marke des Ziellandes. Die Eltern des Kindes hingegen, die erst im Erwachsenenalter auswandern, “behalten” das Erkrankungsrisiko der Region, in der sie aufgewachsen sind.

Wissenschaftler vermuten, die Ursache dafür könnte in Erregern liegen, die vor allem in den betroffenen Gebieten vorkommen und die möglicherweise den Strukturen in der Markscheiden-Schicht ähneln. Bei einer frühen Infektion bildet das Immunsystem Antikörper, die sich später gegen das eigene Gewebe richten.

Daneben scheinen erbliche Faktoren eine Rolle zu spielen, denn einzelne ethnische Gruppen sind häufiger betroffen als andere. Zudem besitzt jeder fünfte MS-Patient einen blutsverwandten Angehörigen, der ebenfalls unter MS leidet. Das Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken, liegt bei engen Verwandten von Betroffenen etwa 10- bis 30-fach höher. Dennoch ist Multiple Sklerose keine klassische Erbkrankheit. Sie wird nicht automatisch von den Eltern auf das Kind übertragen und ist auch nicht ansteckend.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

CK
Autor/-in
Christopher Kiel
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