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Medikamente und Suchtrisiko: Wann Medikamentenabhängigkeit droht

Vier bis fünf Prozent aller verordneten Arzneimittel besitzen ein Missbrauchs- und/ oder Abhängigkeitspotenzial – so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Darunter vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel. Doch wann können Medikamente abhängig machen?

Medikamentenabhängigkeit: Was ist das?

Von einer Medikamentenabhängigkeit sprechen Mediziner, wenn innerhalb eines Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien zutreffen:

  • Es besteht der starke Wunsch oder Zwang, psychotrope Substanzen einzunehmen.
  • Es fehlt die Kontrolle bezüglich des Konsumbeginns, der Beendigung und der Menge.
  • Es treten körperliche Entzugssymptome bei Beendigung oder Reduzierung des Medikaments auf oder es werden andere Substanzen konsumiert, um Entzugssymptome zu mildern oder zu vermeiden.
  • Es ist eine Toleranz nachweisbar. Das heißt, die Dosis muss immer weiter erhöht werden, um den gewünschten Wirkeffekt zu erreichen.
  • Der Betroffene vernachlässigt eigene Interessen zugunsten des Substanzkonsums, da die Beschaffung und der Konsum der Substanz immer mehr in den Fokus rücken.
  • Obwohl der Betroffene um die gesundheitlichen Risiken des Substanzgebrauchs weiß, konsumiert er weiter.

Der Abhängigkeit geht in der Regel ein Medikamenten-Missbrauch voraus. Das heißt, die Substanz wird nicht bestimmungsgemäß angewendet und der Konsum fortgesetzt – trotz körperlicher, psychischer oder sozialer Folgeschäden. Nicht jeder Missbrauch führt in die Abhängigkeit.

Welche Medikamente können abhängig machen?

Ein erhöhtes Abhängigkeitspotenzial haben Schlaf- und Beruhigungsmittel, aber auch Schmerzmittel, insbesondere aus der Gruppe der Opioide. Opioide sind Wirkstoffe mit einer morphinartigen Wirkung.

Diese Medikamente können abhängig machen:

  • stark wirksame Schmerzmittel (Opioid-Analgetika)
  • dämpfende Mittel und Schlafmittel (Sedativa und Hypnotika)
  • Entspannungs- und Beruhigungsmittel (Tranquilizer, Benzodiazepine)
  • Aufputschmittel (Stimulanzien, zentral erregende Mittel)

Medikamente, die häufig nicht-bestimmungsgemäß angewendet, aber nicht primär abhängig machen, sind beispielsweise

  • Abführmittel (Laxanzien)
  • Nasentropfen und -sprays
  • Schmerzmittel

Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) sind in Deutschland bis zu 1,5 Millionen Menschen abhängig von Benzodiazepinen. Vor allem ältere Frauen scheinen besonders häufig zu diesen Medikamenten zu greifen. In therapeutischen Dosen kann nach zwei bis vier Monaten eine Abhängigkeit entstehen, in sehr hohen Dosen schon nach etwa vier Wochen. Alle Mittel aus dieser Gruppe sind verschreibungspflichtig. Daher sollte bei der Verschreibung sorgfältig auf die Dauer der Verordnungen geachtet werden.

Warum Medikamente missbräuchlich eingenommen werden

Wie die DHS in ihrem Patientenratgeber „Medikamentensucht“ mitteilt, führen vor allem fünf Motive zu einem Missbrauch beziehungsweise zu einer Abhängigkeit:

  1. Beseitigung (primärer) negativer psychischer Symptome
  2. Beseitigung sekundär bestehender psychischer Probleme
  3. Suche nach euphorisierender Wirkung
  4. direkte Leistungssteigerung
  5. indirekte Leistungssteigerung

Das häufigste Motiv für eine missbräuchliche Medikamenteneinnahme ist den Experten zufolge der Wunsch, negative psychische Symptome wie Schmerzen, Schlafstörungen, Ängste oder Depressionen zu beseitigen.

Abhängig von Tabletten: Symptome der Medikamenten-Sucht

Abhängig von den eingesetzten Wirkstoffen zeigt eine Medikamentenabhängigkeit verschiedene Symptome, die meist dann auftreten, wenn das Medikament abgesetzt wird (Entzugssymptome):

  • labile Stimmungslage (Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, Ängste, Depressionen)
  • Schlafstörungen
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Schwindel
  • Magen-Darm-Probleme
  • Muskelkrämpfe
  • Zittern
  • Nach Absetzen kommen die Symptome, die das Medikament lindern sollte, verstärkt zurück
  • Katerstimmung
  • Schwäche und Erschöpfung
  • Kopfschmerzen

Medikamentenabhängigkeit vorbeugen: Das können Sie tun

Um einer Abhängigkeit von Medikamenten vorzubeugen, ist neben der ärztlichen Betreuung im Rahmen der Therapie auch der bestimmungsgemäße Gebrauch der Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial von großer Wichtigkeit. Einnahmeempfehlungen wie Dosierung und Häufigkeit der Einnahme sollten mit Sorgfalt erfolgen und Abweichungen vermieden werden. Soll das Medikament abgesetzt werden, muss dies in einer langsamen Reduzierung der Dosis erfolgen – sogenanntes Ausschleichen. Wird das Medikament plötzlich abgesetzt, treten Entzugssymptome auf.

Die 4-K-Regel 

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. hat eine sogenannte „4-K-Regel“ für die Verordnung von Schlaf- und Beruhigungsmitteln aufgestellt:

 

  • klare Indikation
  • korrekte Dosierung
  • kurze Anwendung
  • kein abruptes Absetzen

Wichtig ist zudem, zu Arztbesuchen immer eine Übersicht über die Medikamente mitzubringen, die eingenommen werden. So sieht der Arzt, ob der Patient von Kollegen aus anderen Fachrichtungen ebenfalls Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial verschrieben bekommt.

Wenn möglich auf Arzneien verzichten

Zur Prävention gehört auch, nicht jedes Problem medika­men­tös zu behandeln. Häufig lassen sich Beschwerden ohne Arzneien verbessern. Menschen mit Schlafproblemen etwa finden auch in einer guten Schlafhygiene Unterstützung. Entspannungstechniken können helfen, Stress abzubauen und mit belastenden Situationen besser umzugehen. Oftmals treten Schlafstörungen nur kurzzeitig auf, beispielsweise aufgrund einer akut stressigen Lebensphase mit vielen Umbrüchen und Neuerungen. Hier können im ersten Schritt möglicherweise auch pflanzliche Mittel helfen, etwa Tabletten mit Baldrian, Hopfen und Melisse. Beraten Sie sich hierzu mit Ihrem Arzt.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Ann-Kathrin Landzettel
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