Medikamente richtig einnehmen

Der sorgsame Umgang mit Medikamenten unterstützt den Therapieerfolg. Mediziner sprechen auch von Therapietreue oder Compliance. Doch nicht immer nehmen Patienten die verordneten Medikamente entsprechend den Empfehlungen des Arztes oder des Apothekers ein. Immer wieder kommt es zu Fehlern

  • beim Zeitpunkt der Einnahme,
  • bei der Häufigkeit der Einnahme,
  • bei der Dosierung,
  • bei der Dauer der Anwendung.

Viele brechen die Behandlung sogar ohne das Wissen ihres Arztes ab, sprechen Nebenwirkungen nicht an oder nehmen zusätzliche Präparate ein, von denen ihr Arzt nichts weiß. All das gefährdet den Behandlungserfolg – und die Gesundheit des Patienten.

Jährlich werden in Deutschland circa 1,4 Milliarden Arznei­mittel­packungen verkauft. Davon sind etwa 50 Prozent nicht rezeptpflichtig.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Medikamente einnehmen: Behalten Sie den Überblick

Sie müssen mehrere Medikamente einnehmen und haben Sorge, den Überblick zu verlieren? Fragen Sie in der Apotheke nach einer Tablettenbox. Viele sind unterteilt in die einzelnen Wochentage und Tageszeiten. So können Sie Ihre Tabletten für die gesamte Woche vorbereiten. Möglicherweise kann ein Angehöriger Sie dabei unterstützen.

Medikamente: die verschiedenen Darreichungsformen

Viele Arzneimittel werden oral, also über den Mund, eingenommen. Das können

  • Tabletten,
  • Kapseln,
  • Tropfen,
  • Säfte,
  • Granulate, Brausetabletten und Pulver zum Auflösen in Wasser sein.

In welcher Darreichungsform das Medikament Anwendung findet, hängt unter anderem von den Eigenschaften der Wirkstoffe, der Art der Beschwerden, dem Wirkungsort, dem gewünschten Wirkzeitpunkt und der gewünschten Wirkdauer ab.

Möglicherweise vorliegende Begleiterkrankungen beeinflussen die Wahl des verordneten Arzneimittels ebenfalls. Ein Patient mit Schluckbeschwerden tut sich mit Tropfen leichter. Liegt eine Sehbehinderung vor, sind Tabletten einfacher zu dosieren als Tropfen.

Tabletten: sind lange haltbar

Tabletten sind stabil und lange haltbar. Sie enthalten eine festgelegte Wirkstoffmenge, die in der Regel im Magen-Darm-Trakt freigesetzt und aufgenommen wird. Eine Ausnahme sind Kautabletten beziehungsweise Schmelztabletten. Hier wird ein Teil der Wirkstoffe bereits über die Mundschleimhaut aufgenommen.

Kapseln: sind meist magensaftresistent

Liegt eine Magenerkrankung vor und soll der Magen nicht unnötig gereizt werden beziehungsweise ist die Wirkstoffaufnahme über die Magenschleimhaut nicht gewährleistet, kommen häufig magensaftresistente Kapseln zur Anwendung. Diese geben die Wirkstoffe erst im Darm frei. Die Kapselhülle besteht oft aus Gelatine, aber auch aus Cellulose oder Stärke. Im Inneren der Kapsel befindet sich der Wirkstoff – in flüssiger oder fester Form.

Nehmen Sie Medikamente immer nur mit Wasser ein – vorzugsweise zimmerwarm und ohne Kohlensäure. Trinken Sie immer ausreichend Wasser dazu, damit Tabletten und Kapseln nicht in der Speiseröhre hängen bleiben und sich am Wirkort gut auflösen können.

Tropfen: für die orale Einnahme oder die lokale Anwendung

Tropfen lassen sich gut dosieren und leichter einnehmen als Tabletten und Kapseln. Sie werden entweder

  • in ein Glas Wasser,
  • auf ein Stück Würfelzucker
  • oder direkt auf einen Teelöffel oder Messlöffel gegeben und eingenommen. 

Tropfen können zudem lokal Anwendung finden, etwa am Auge bei einer Bindehautentzündung, im Ohr bei einer Mittelohrentzündung oder in der Nase, um die Nasenschleimhäute abschwellen zu lassen.

Säfte: vor allem bei Husten bekannt

Säfte ermöglichen, genau wie Tropfen, eine Einnahme der Wirkstoffe in flüssiger Form. Vor allem bei Husten sind Säfte bekannt. Meist liegt dem Arzneimittel ein Messlöffel bei, mit dem der Saft eingenommen wird. Der Nachteil von Säften liegt in der meist relativ kurzen Haltbarkeit nach Anbruch der Flasche. Säfte müssen häufig im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Granulate, Brausetabletten und Pulver: werden in Wasser aufgelöst

Medikamente in Pulverform werden in Wasser aufgelöst und getrunken. Der Vorteil ist, dass die Wirkstoffe deutlich schneller vom Körper aufgenommen werden können als in Form einer Tablette, die sich erst noch auflösen muss.

Außerdem sind Granulate, Pulver und Brausetabletten für Kinder gut geeignet, die Kapseln und Tabletten noch nicht schlucken können. Übrigens: Bei Kindern kommen häufig Zäpfchen zur Anwendung. Sie werden rektal eingeführt und die Wirkstoffe können von der Darmschleimhaut aufgenommen und in das Blut weitergegeben werden.

Medikamente müssen nicht immer eingenommen werden. Häufig finden sie direkt auf der Haut oder den Schleimhäuten Anwendung, etwa in Form von Salben, Gelen, Zäpfchen, Pflastern, Sprays oder Inhaliergeräten (Aerosole). Der Vorteil ist, dass äußerlich angewendete Medikamente lokal wirken, also genau an der Stelle, an der der Wirkstoff benötigt wird. Auch Spritzen gehören zu den Möglichkeiten, dem Körper wichtige Wirkstoffe zuzuführen – etwa bei Diabetes mellitus Typ 1.

Medikamente richtig einnehmen: Darauf kommt es an

Entscheidend für eine wirksame und sichere Anwendung von Medikamenten ist ein guter Medikationsplan. Dieser berücksichtigt

  • die Diagnose der Erkrankung,
  • die Verschreibung entsprechender Medikamente,
  • die entsprechende Dosierung,
  • eine ausreichende Anwendungsdauer,
  • eine regelmäßige Einnahme,
  • den richtigen Anwendungszeitpunkt,
  • die Beachtung von Neben- und Wechselwirkungen.

Wann soll ich mein Medikament einnehmen?

Wie das Medikament eingenommen werden muss, sagt Ihnen der Arzt im Rahmen der Behandlung. Der richtige Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme ist dabei von großer Wichtigkeit, damit das Medikament wie gewünscht wirken kann. Beispielsweise gelangen die Wirkstoffe in einem leeren (nüchternen) Magen besonders schnell in den Körper. Wird das Medikament zusammen mit Nahrung aufgenommen, verzögert sich die Aufnahme.

Bestimmte Nahrungsmittel können ein Arzneimittel so beeinflussen, dass es nicht mehr wie gewünscht wirkt. So können Kalzium und Magnesium die Wirkstoffaufnahme von Antibiotika herabsetzen. Zwischen dem Genuss von Milch/Milchprodukten und der Antibiotika-Einnahme sollten mindestens zwei Stunden liegen. Fragen Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach, ob es Lebensmittel gibt, die Sie während des gesamten Anwendungszeitraums oder um den Einnahmezeitpunkt nicht verzehren dürfen.

Wenn Medikamente die Nährstoffaufnahme behindern

Es gibt allerdings auch Medikamente, welche die Aufnahme wichtiger Nährstoffe hemmen. Dann werden wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente nicht richtig verwertet. Beispielsweise hemmt die in zahlreichen Schmerzmitteln enthaltene Acetylsalicylsäure (ASS) die Aufnahme von Kalzium und verschiedenen Vitaminen wie Vitamin C und Folsäure. Arzneimittel gegen Rheumaerkrankung können die Kalziumaufnahme ebenfalls verringern. Dieser Effekt tritt in der Regel allerdings nur bei Behandlungen über einen längeren Zeitraum auf.

Wie lange muss ich das Medikament nehmen?

Ebenso wichtig für die Behandlung ist, dass der vereinbarte Behandlungszeitraum eingehalten wird. Viele Patienten setzen das Präparat ab, wenn sie Nebenwirkungen bei sich beobachten oder sich die Beschwerden verbessern. Doch vorzeitiges Abbrechen der Behandlung kann zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen. Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt, bevor Sie ein Medikament absetzen.

Darf ich die Dosierung ändern?

Auch die Dosierung des Arzneimittels darf nicht eigenmächtig angepasst werden. Viele Betroffene mit Bluthochdruck beispielsweise neigen immer wieder dazu, die Blutdrucksenker in Eigenregie zu dosieren. Davor warnen Mediziner.

Medikamente: der Unterschied

  • Einfache apothekenpflichtige Medikamente: Sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Sie sind für die kurz­fristige Anwendung bei leichteren Beschwerden oder Erkran­kungen gedacht, die die Behandlung durch einen Arzt nicht voraussetzen.
  • Verschreibungspflichtige Medikamente: Können nur durch einen Arzt verschrieben werden und bedürfen einer ärztlichen Betreuung. Sie unterliegen erhöhten Sicherheits­anforderungen, da sie auch bei bestimmungs­gemäßem Gebrauch eine Gesundheits­gefährdung darstellen können.
  • Freiverkäufliche Medikamente: Sind auch außerhalb der Apotheke erhältlich. Dazu zählen unter anderem Stärkungsmittel, Tees und pflanzliche Medi­ka­mente.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Bei Nahrungs­ergänzungs­mitteln handelt es sich um Produkte, die dazu bestimmt sind, dem Körper Nährstoffe zuzuführen. Sie befinden sich dabei häufig in einem Grenzbereich zwischen einem Medikament und einem Lebensmittel.
  • Medizinprodukte: Sie werden für medizinisch-therapeutische oder diagnos­tische Zwecke verwendet. Im Unterschied zu einem Medikament wirkt ein Medizinprodukt vor allem auf physikalischem Weg. Zu den Medizinprodukten gehören beispielsweise Produkte zur Injektion, wie sie unter anderem von Diabetespatienten gebraucht werden.

Medikamente aus dem Internet: Darauf sollten Sie achten

Wer Medikamente aus dem Internet beziehen möchte, findet in den Tipps der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) einen guten Ratgeber, um gefälschten Medikamenten aus dem Weg zu gehen:

  • Medikamente sollten nur von Apotheken bezogen werden, die über eine Erlaubnis für den Versandhandel in Deutschland verfügen.
  • Zugelassene Versandapotheken sind mit dem Sicherheitslogo des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) gekennzeichnet. Klicken Sie dabei auf das Logo, um die Echtheit zu überprüfen. Sie werden automatisch zu dem entsprechenden Registereintrag der entsprechenden Apotheke beim DIMDI weitergeleitet.
  • Verbirgt sich hinter der deutschen Bestell-Hotline eine ausländische Firma, ist aufgrund des geltenden Arzneimittelrechts in Deutschland Vorsicht geboten. Dies gilt nicht für zugelassene Versandapotheken im Ausland.
  • Rezeptpflichtige Medikamente vor Ort bleiben auch im Internet rezeptpflichtig. Sollten Sie also ein verschreibungspflichtiges Medikament aus dem Internet beziehen wollen, müssen Sie das von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ausgestellte Rezept im Original der Versandapotheke zusenden.
  • Die Beratungspflicht besteht auch für Versandapotheken. Eine Hotline muss per Gesetz mit deutschsprachigem pharmazeutischem Personal besetzt sein.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Ann-Kathrin Landzettel
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