Was ist ein Lymphödem?
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Was ist ein Lymphödem?

Wenn Ihre Beine oder Arme stark geschwollen sind, Ihre Haut spannt und zunehmend anfällig für Irritationen und Entzündungen ist, könnten das Hinweise auf ein Lymphödem sein. Die chronisch verlaufende Erkrankung ist nicht selten: Schätzungen zufolge sind alleine in Deutschland zwischen 80.000 und über 2 Millionen Menschen betroffen. Dabei ist zwischen verschiedenen Arten von Lymphödemen zu unterscheiden.

Was ist ein Lymphödem aus medizinischer Sicht?

Das Lymphödem ist eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit in den Zellzwischenräumen. Da die Flüssigkeit nicht mehr über die Lymphgefäße abtransportiert wird, staut sie sich im Zwischenzellraum ("Interstitium"). Betroffen sind vor allem die Beine, aber auch die Arme, manchmal auch Gesicht, Hals und Rumpf oder die Genitalien. Die Erkrankung durchläuft mehrere Stadien. Während das Lymphödem zu Beginn noch keine Symptome zeigt, sind die Flüssigkeitsansammlungen im späteren Verlauf sowohl sichtbar als auch tastbar. Zudem werden sie in den meisten Fällen von weiteren Beschwerden begleitet. 

Wer leidet darunter?

Genaue Zahlen über die Häufigkeit von Lymphödemen gibt es nicht. Das liegt unter anderem daran, dass das Lymphödem häufig als Nebendiagnose gestellt oder von den Ärzten gar nicht erkannt wird. Es ist deshalb von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 80.000 bis 2,2 Millionen Menschen betroffen. Wie bei dem mit ähnlichen Symptomen einhergehenden Lipödem (eine chronische Fettverteilungsstörung), handelt es sich bei der überwiegenden Mehrheit um Frauen. In den Industriestaaten weltweit wird die Häufigkeit (Prävalenz) eines Lymphödems auf ungefähr 2 % geschätzt, wobei die Zahl der Betroffenen mit zunehmendem Alter steigt. 

Gibt es unterschiedliche Arten?

Mediziner unterscheiden zwischen primären und sekundären Lymphödemen:

Primäre Lymphödeme sind die Folge von angeborenen Fehlbildungen, Erkrankungen oder Entwicklungsstörungen und mit 1 % aller Fälle sehr selten. Betroffenen fehlen häufig einzelne oder mehrere Lymphgefäße und/oder Lymphknoten oder diese sind verengt und/oder verhärtet.

Inzwischen ist bekannt, dass es mehrere Gene gibt, deren Mutation Lymphödeme zur Folge haben können. Zudem gibt es bestimmte angeborene Erkrankungen wie das Ullrich-Turner-Syndrom (auch Turner-Syndrom genannt), die das Auftreten von Lymphödemen begünstigen.

Oft kann das Lymphgefäßsystem diese Schwächen und Beeinträchtigungen anfangs noch kompensieren, sodass die sicht- und spürbaren Probleme erst nach Jahren auftreten - dann oftmals als Folge einer Überlastung des Systems, zum Beispiel durch einen Sonnenbrand, Verletzungen oder andere Ereignisse von außen. 

Die Mehrheit der Patienten leidet unter sekundären Lymphödemen. Bei dieser Form sind die Lymphabflussbahnen grundsätzlich vorhanden und waren einmal gesund, bis sie als Folge von bestimmten Ereignissen wie plötzlich auftretenden Erkrankungen, Infektionen, Verletzungen, Operationen oder anderer Therapien gestört wurden. Häufig treten sekundäre Lymphödeme infolge einer Chemotherapie oder Brustkrebsoperation auf. Durch die Behandlung können Lymphgefäße beschädigt oder zerstört werden, sodass die Lymphflüssigkeit nicht mehr ungehindert abfließen kann. 

Wichtig ist die Differenzialdiagnose durch einen spezialisierten Arzt, denn teilweise werden Lymphödeme mit anderen Erkrankungen wie zum Beispiel der Venenthrombose oder Lipödemen verwechselt. Eine frühzeitige und richtige Diagnose hilft den Leidensweg zu verkürzen und das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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