Hodenkrebs: Ursachen, Risikofaktoren und Symptome
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Hodenkrebs: Ursachen, Risikofaktoren und Symptome

Hodenkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei jungen Männern. Hodenkrebs beginnt in einem der beiden Hoden und kann sich im weiteren Verlauf auf Nebenhoden und Samenleiter ausdehnen. Bei den meisten Patienten sind die Heilungschancen gut. Hodenkrebs: Ursachen, Risikofaktoren und Symptome.

Was ist Hodenkrebs?

Der Begriff Hodenkrebs beschreibt die Entstehung eines bösartigen Tumors in den Hoden. Die Krebserkrankung tritt bei 95 Prozent der betroffenen Männer nur an einem der beiden Hoden auf. Bei etwa fünf Prozent entsteht ein zweiter Tumor im Gegenhoden. Zwischen der ersten und der zweiten Diagnose liegen meist weniger als fünf Jahre.

Die Tumorart ist abhängig von den Zelltypen, aus denen sich Hodenkrebs entwickelt. Etwa 90 Prozent der Hodentumoren haben ihren Ursprung in Keimzellen, aus denen sich die Spermien bilden. Mediziner sprechen dann von Keimzelltumoren oder germinalen Tumoren. Um welche Tumorart es sich handelt, zeigt eine feingewebliche Untersuchung. Hodenkrebs gehört zu den seltenen Krebserkrankungen. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge erkranken jedes Jahr rund 4.070 Männer an einem bösartigen Hodentumor.

„Trotz dieser Seltenheit ist der Hodentumor bedeutsam, weil er vor allem junge Männer zwischen 25 und 45 Jahren betrifft. In dieser Altersstufe ist er – mit 20 bis 30 Prozent aller Krebsfälle – die häufigste Tumorneuerkrankung des Mannes. Seltener können auch jüngere oder ältere Menschen erkranken. Das Durchschnittsalter der an Hodenkrebs erkrankten Männer liegt bei 38 Jahren.“

Hodenkrebs-Ursachen: Risikofaktoren für Hodenkrebs

Warum sich Hodenkrebs bildet, ist nicht abschließend geklärt. Experten gehen davon aus, dass die Basis für Hodenkrebs bereits vor der Geburt während der Entwicklung im Mutterleib gelegt wird. Ein erhöhtes Hodenkrebs-Risiko haben Männer mit einer Hodenfehllage wie Hodenhochstand, Leistenhoden oder Pendelhoden. Auch die Veranlagung spielt eine Rolle. Männer, in deren Familie engste Verwandte an Hodenkrebs erkrankt sind oder bei denen eine Unfruchtbarkeit diagnostiziert wurde, haben ein erhöhtes Hodenkrebs-Risiko. Umweltfaktoren spielen Krebsexperten zufolge keine Rolle. Daher gibt es kaum Ansätze zur Vorbeugung von Hodenkrebs.

Der Früherkennung kommt daher die bedeutendste Rolle zu. Experten raten Männern, die Hoden regelmäßig selbst abzutasten, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. So ruft beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) junge Männer zwischen 14 und 45 Jahren zum monatlichen „Hodencheck“ auf - am besten im Stehen unter der warmen Dusche oder nach einem warmen Bad. Dann ist die Haut des Hodensacks entspannt und die Hoden sind gut zu fühlen.

Hodenkrebs-Symptome: Was sind die Anzeichen für Hodenkrebs?

Zu den Hodenkrebs-Symptomen gehören:

  • eine einseitige schmerzlose Vergrößerung oder Verhärtung des Hodens
  • ein kleiner, harter, schmerzloser Knoten auf dem Hoden
  • ein Ziehen im Hodenbereich
  • ein Schweregefühl im Hoden

Hoden selbst untersuchen: So funktioniert die Selbstuntersuchung der Hoden

Die DGU rät, die Selbstuntersuchung der Hoden in vier Schritten durchzuführen:

  1. Zuerst Hodensack und Hoden in der geöffneten Handfläche von unten betasten und leicht auf und ab bewegen. Dabei entsteht ein Gefühl für Gewicht und Größe der Hoden.
  2. Dann jeden Hoden einzeln abtasten: Dafür die Hoden zwischen Daumen (oben) sowie Zeige- und Mittelfinger (unten) hin und her rollen. Unebenheit oder Knoten sind so leicht zu spüren.
  3. Tastbar sind auch die Nebenhoden, die wie eine Mütze oben auf und an der Außenseite der Hoden liegen und leicht mit einem auffälligen Befund verwechselt werden können.
  4. Zuletzt noch im Spiegel prüfen, ob eine Schwellung im Bereich des Hodensacks auffällig ist.

Diagnose Hodenkrebs: Recht auf eine zweite Meinung

Ertastet der Mann beim Hodencheck Veränderungen, sollte ein Arzt diese schnellstmöglich untersuchen. Der Urologe ist der geeignete Ansprechpartner. Mit Hilfe einer Tast- und Ultraschalluntersuchung sowie einer Blutuntersuchung kann er den Verdacht auf Hodenkrebs abklären. Das Blut wird dabei auf bestimmte Tumormarker und Hormonwerte, etwa Testosteron, untersucht. Eine endgültige Sicherheit erhält der Arzt durch die Untersuchung einer Gewebeprobe.

Männer, die die Diagnose Hodenkrebs erhalten haben, haben das Recht auf eine zweite Meinung. Sie sollten ihren behandelnden Arzt bitten, diese einzuholen. Dem Arzt steht hierfür das Zweitmeinungsnetzwerk Hodentumoren zur Verfügung. Über das Onlineportal können Ärzte die Patientendaten und ihre eigene Therapieplanung anonymisiert an eines der mehr als 30 angeschlossenen Zweitmeinungszentren übermitteln. Eine Rückmeldung liegt nach wenigen Tagen vor.

In vielen Fällen profitiert der Patient von dem Einholen einer Zweitmeinung. Sie führt bei etwa 40 Prozent der Fälle zu einer Änderung des Therapiekonzepts. Grundsätzlich können Patienten auch selbst ihre Daten unter www.zweitmeinung-online.de hochladen oder sich an eine Person oder einen Arzt ihres Vertrauens wenden, der sie unterstützt.

Hodenkrebs behandeln: Wie heilbar ist Hodenkrebs?

Bestätigt sich der Verdacht und stellt der Arzt die Diagnose Hodenkrebs, sind Untersuchungen wie eine Computertomografie notwendig, um feststellen zu können, ob der Hodenkrebs bereits gestreut und Metastasen an anderen Körperstellen gebildet hat. Liegen alle Ergebnisse vor, kann der Arzt den Tumor in ein Stadium einteilen. Auf dieser Grundlage erfolgt dann die Hodenkrebs-Behandlung – idealerweise in einem spezialisierten Hodenkrebszentrum. Adressen können betroffene Männer ebenfalls über https://hodentumor.zweitmeinung-online.de/ erfragen.

Die Operation des Hodentumors gehört zum wichtigsten Behandlungsschritt. Dabei soll das befallene Gewebe vollständig entfernt werden. Nach der Operation gibt es meist drei Wege:

Wait-and-see: Arzt und Patient warten ab und beobachten. Die Hoden werden in engmaschigen Untersuchungen kontrolliert, sodass neue Veränderungen frühzeitig erkannt werden.

Bestrahlung: Die Radiotherapie hat das Ziel, Tumorzellen zu zerstören. Die Strahlentherapie hat den Vorteil, dass die Strahlung direkt an der vom Krebs befallenen Körperstelle eingesetzt werden kann. So können verbliebene Krebszellen angegriffen werden.

Chemotherapie: Die Chemotherapie wirkt systemisch, also im gesamten Körper. Krebszelltötende Medikamente, sogenannte Zytostatika, werden über die Vene oder oral verabreicht. Die Chemotherapie ist für den Körper belastender als die Strahlentherapie. Aber sie hat den Vorteil, dass sie Krebszellen im gesamten Körper erreichen kann.

„Im Frühstadium wird Hodenkrebs praktisch immer geheilt. Selbst in fortgeschrittenen Stadien besteht eine gute Heilungschance. 96 Prozent der erkrankten Männer werden wieder gesund und können ihrer Arbeit nachgehen. Tumoren der Hoden sind daher eine außerordentlich seltene Todesursache. Im Jahr 2008 verstarben in Deutschland laut International Agency for Research on Cancer (IARC) 210 Männer an Hodenkrebs. Die Erkrankung verursacht hierzulande etwa 0,3 Prozent aller Todesfälle durch Krebs bei Männern.“

— Deutsche Krebsgesellschaft e.V.

Hodenkrebs und Fruchtbarkeit: Bin ich nach der Therapie noch zeugungsfähig?

Vor der Therapie ist es wichtig, dass die betroffenen Männer eine ausführliche Beratung zu möglichen Auswirkungen der verschiedenen Therapiemaßnahmen auf ihre Zeugungsfähigkeit erhalten. Wird nur ein Hoden entfernt, bleibt die Zeugungsfähigkeit in der Regel erhalten beziehungsweise stellt sich nach abgeschlossener Therapie wieder ein. Behandlungen wie Chemotherapie und Bestrahlung hingegen können die Zeugungsfähigkeit herabsetzen oder möglicherweise ganz einschränken. Vor der Therapie haben Männer die Möglichkeit, ihren Samen einfrieren zu lassen (Sperma-Kryokonservierung). Auch hierzu sollten sich Männer beraten lassen

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

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