Macht Milch Krebs?
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Macht Milch Krebs?

Milch ist ein viel diskutiertes Lebensmittel. Während das Kuhprodukt für die einen als Gesundheitsrisiko verpönt ist, ist es für andere eine wichtige Kalzium- und Eiweißquelle. Doch was stimmt? Macht Milch Krebs? Ein Überblick über die Studienlage.

Milchkonsum: Verbraucher sind verunsichert

Beim Thema Milch gehen Expertenmeinungen und Studienergebnisse auseinander. Das führt zu Verunsicherung auf Seiten der Verbraucher. Sind Milch und daraus gewonnene Milchprodukte wirklich krebserregend? Vor allem Frauen haben in Hinblick auf das in diesem Zusammenhang häufig diskutierte Brustkrebsrisiko Sorgen. Und wie sieht es mit Darmkrebs aus?

Macht Milch Krebs? Die Theorie der Forscher

Krebsforscher vermuten seit mehreren Jahren, dass Milch und Milchprodukte sowie Fleisch Erreger enthalten, die sich in bestimmten Geweben wie Darm und Brust ansiedeln und dort zu chronisch-entzündlichen Reaktionen führen. Diese Entzündungen sollen die Krebsentstehung fördern. Die Besiedelung mit diesen Erregern aus Kuhmilch und aus Rindfleisch, „Bovine Milk and Meat Factors" genannt, kurz BMMF, soll vor allem im Rahmen einer frühkindlichen Infektion erfolgen. Zum Ausbruch der Krebskrankheit käme es Jahrzehnte später.

Krebsrisiko Milch: aktuelle Untersuchungen

Wissenschaftler um Harald zur Hausen haben diese auf epidemiologischen Beobachtungen basierende Hypothese mit einer Studie unterfüttert. Hierfür untersuchten die Wissenschaftler Blutseren von hunderten von europäischen Milchkühen sowie zusätzlich zahlreiche Proben von kommerziell erhältlicher Milch und Milchprodukten aus Supermärkten. Außerdem analysierten sie hunderte Blutproben von gesunden Menschen und Darmkrebs-Patienten. Wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) mitteilt, konnten die Forscher Darmgewebebereiche identifizieren, welche von den Erregern besiedelt sind und wo sich chronische Entzündungen gebildet haben.

Das Fazit der Forscher: Die BMMFs seien als indirekte Karzinogene anzusehen. Darunter versteht man Krankheitserreger, die nicht selbst direkt in krebsfördernde molekulare Prozesse der Zelle eingreifen, sondern eine - zumeist entzündliche - krebsfördernde Umgebung schaffen. Bekanntestes Beispiel ist die chronische Infektion mit Hepatitis C-Viren im Zusammenhang mit Leberkrebs. Den Experten zufolge ist die Natur dieser Erreger bislang nicht eindeutig definiert. Sie stellen eine neue Klasse von Erregern dar, die in ihren Charakteristika zwischen Viren und Bakterien liegen.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Das DKFZ geht davon aus, dass Erwachsene einen Immunschutz gegen die Erreger haben. Sie vermuten, dass sich vor allem Säuglinge infizieren, die frühzeitig zugefüttert bekommen. Ihr Immunsystem ist noch nicht ausgereift. Und nicht nur das: Bei früher Infektion von Säuglingen könne sich eine Immuntoleranz gegen die BMMF entwickeln. Der Rat der Krebsexperten lautet daher: Säuglinge keinesfalls früh mit Kuhmilchprodukten füttern. Erst ab einem Alter von zwölf Monaten sei das Baby wahrscheinlich immunkompetent und könne viele Erreger abwehren.

Bedeuten BMMFs im Darm automatisch Darmkrebs?

Das DKFZ geht nach aktuellem Wissenstand davon aus, dass eine Infektion mit BMMFs nicht automatisch zu Darmkrebs führt. Allerdings sei der Anteil, den BMMF-Infektionen am gesamten Darmkrebsrisiko hätten, offensichtlich hoch. Er lasse sich aber nicht exakt beziffern. Die Experten prüfen derzeit, ob bei Darmkrebspatienten die Menge an nachweisbarem BMMF Protein mit dem Überleben der Patienten korreliert. Wenn ja, wäre Personen mit hohem BMMF-Level anzuraten, die Angebote zur Darmkrebsfrüherkennung besonders sorgfältig wahrzunehmen.

Stellungnahme der DGE zur aktuellen Studienlage

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) versucht in ihrer Stellungsnahme zur aktuellen Krebs-Milch-Studie zu beruhigen: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Max Rubner-Institut (MRI) kämen zu dem Ergebnis, dass eine Bewertung möglicher Gefahren durch sogenannte BMMF als potentielle Krebsrisikofaktoren aufgrund unzureichender Datenlage derzeit nicht möglich sei.

Die vorliegenden Ergebnisse aus epidemiologischen Beobachtungen könnten als vorläufige Hinweise auf einen gegebenenfalls indirekten Zusammenhang zwischen dem Konsum verschiedener boviner (vom Rind stammender) Lebensmittel und dem Auftreten einiger Krebsarten beim Menschen interpretiert werden. Ein ursächlicher Zusammenhang (direkte Kausalität) bestehe nicht. Der vermutete Zusammenhang zwischen BMMF und dem Auftreten von Krebserkrankungen beim Menschen solle weiter erforscht werden.

 

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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