Kopfschmerzen: 10 häufige Fragen
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Kopfschmerzen: 10 häufige Fragen

Unter Kopfschmerzen leidet etwa die Hälfte aller erwachsenen Deutschen, so die Deutsche Schmerzliga e.V. Experten unterscheiden über 200 verschiedene Kopfschmerzarten. Kopfschmerzwissen kompakt: Zehn häufig gestellte Fragen zu Kopfschmerzen.

Wie entsteht der Schmerz im Kopf?

Schmerz ist immer ein Warnsignal des Körpers und deutet auf eine Gefahr hin, etwa nach einem Schnitt in den Finger oder bei einer Verbrennung (akuter Schmerz). Die Rezeptoren in der Haut erkennen den Schmerz. Nervenfasern verbinden die Rezeptoren mit dem Rückenmark. Im Rückenmark laufen alle Nervenfasern des Körpers wie Kabelstränge zusammen bis zum Gehirn. Dort wird der Schmerz ausgewertet.

Bei chronischem Schmerz bleiben die Schmerzen über einen längeren Zeitraum hinweg bestehen. Chronische Schmerzen haben meist eine Erkrankung als Ursache, etwa Gelenkverschleiß. Es gibt jedoch auch Formen von chronischen Schmerzen, denen kein Schaden im Körper oder keine andere Grunderkrankung zugrunde liegt. Sie entstehen aufgrund von Störungen im System der Schmerzentstehung, bei der Schmerzweiterleitung oder bei der Schmerzverarbeitung. Zu dieser Art von Schmerzen gehören die meisten Kopfschmerzformen. Mediziner sprechen von sogenannten primären Kopfschmerzen.

Was sind die häufigsten Kopfschmerzarten?

Die häufigsten Kopfschmerzarten sind die beiden primären Kopfschmerzformen Spannungskopfschmerz und Migräne. Cluster-Kopfschmerzen gehören ebenfalls zu den primären Kopfschmerzformen, treten im Vergleich aber deutlich seltener auf.

  • Spannungskopfschmerzen: Betreffen rund ein Drittel der Bevölkerung.
  • Migräne: Betrifft rund zehn Prozent der Erwachsenen.
  • Cluster-Kopfschmerzen: Betreffen rund 0,5 Prozent der Bevölkerung.

Etwa 70 Prozent der deutschen Bevölkerung leidet unter anfallsweisen oder chronischen (immer wiederkehrenden) Kopfschmerzen.

Welche Art von Kopfschmerzen habe ich?

Jede Kopfschmerzart hat eine eigene Schmerzsymptomatik. So zeigen sich die drei häufigsten primären Kopfschmerzarten:

  • Spannungskopfschmerz: Ist dumpf und drückend. Patienten beschreiben diese Kopfschmerzart oft als "Schraubstock", der den Kopf umschließt. Typisch ist, dass die Schmerzen während einer Stressbelastung einsetzen und sich dann langsam steigern. Der Schmerz kann zwischen 30 Minuten bis zu einer Woche anhalten.
  • Migräne: Zeigt sich meist durch einseitige, pochende oder pulsierende Schmerzattacken, die von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Lärm- und Lichtempfindlichkeit treten ebenfalls häufig auf. Der Schmerz kann zwischen vier bis 72 Stunden andauern. Migräne-Kopfschmerzen sind meist einseitig, können im Verlauf des Migräne-Anfalls aber die Kopfseite wechseln. 
  • Cluster-Kopfschmerzen: Sind unerträgliche, bohrende und stechende Schmerzen, die einseitig im Bereich der Augenhöhle und der Schläfe auftreten. Sie sind meist von Tränenfluss oder einer verstopften Nase begleitet. Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit sind weitere mögliche Symptome. Cluster-Kopfschmerz-Attacken dauern meist eine halbe bis zwei Stunden an.

Treten bei Ihnen immer wieder Kopfschmerzen auf, sollten Sie der Ursache auf den Grund gehen und einen Arzt aufsuchen. Ein Allgemeinmediziner oder ein Internist ist eine gute erste Anlaufstelle. Anhand Ihrer Beschreibungen wird er eine erste Einschätzung machen und Sie gegebenenfalls zu einem weiteren Arzt überweisen. Abhängig vom Verdacht kann das ein Neurologe, ein Schmerzmediziner, ein Orthopäden, ein Hals-Nasen-Ohrenarzt, ein Augenarzt oder ein Zahnarzt sein. Denn: Immer wieder haben Kopfschmerzen ihre Ursache in anderen körperlichen Erkrankungen.

Hilfreich ist es, wenn Sie ein Kopfschmerz-Tagebuch führen. Dieses hilft Ihnen und Ihrem Arzt, bestimmte Schmerzmuster zu erkennen und unterstützt die Diagnose.

Welche Schmerzmittel helfen bei Spannungskopfschmerzen?

Bei akuten Spannungskopfschmerzen helfen Erwachsenen meist Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen oder Metamizol. Auch Mischpräparate, die Schmerzmittel und Koffein zur Verstärkung der Wirkung enthalten, werden häufig bei Spannungskopfschmerzen eingesetzt.

Achtung

Bei Kopfschmerzen bei Kindern gelten andere Einnahme- und Dosierungsempfehlungen als bei Erwachsenen. Sprechen Sie immer mit einem Kinderarzt, bevor Sie Ihrem Kind ein Medikament gegen den Kopfschmerz geben. 

Warum können Kopfschmerztabletten Kopfschmerzen machen?

Wer über einen längeren Zeitraum hinweg Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen einnimmt, muss damit rechnen, dass diese Kopfschmerzen verursachen. Mediziner sprechen von Medikamentenübergebrauchskopfschmerz. Doch welcher Mechanismus steckt dahinter? Patienten, die immer wieder unter starken Kopfschmerzen leiden, neigen häufig dazu, aus Angst vor neuen Schmerzattacken, ihre Schmerzmittel zu oft und in einer zu hohen Dosierung einzunehmen. Der Körper gewöhnt sich an die Schmerzmittel und reagiert bei Weglassen mit der Entzugserscheinung Kopfschmerz.

Dieser sogenannte Medikamenten- beziehungsweise Entzugskopfschmerz fühlt sich meist genauso an wie der ursprüngliche Kopfschmerz. Patienten können nicht zwischen den eigentlichen Kopfschmerzen und den durch Schmerzmittel verursachten Kopfschmerzen unterscheiden. Sie merken daher oft nicht, dass sie bereits im Teufelskreis Schmerzmittel-Kopfschmerz angelangt sind und immer schneller und regelmäßiger zu Schmerzmitteln greifen. Gehen Sie bei immer wieder auftretenden Kopfschmerzen zu einem Arzt.

Mein Kind hat Kopfschmerzen – was soll ich tun?

Kopfschmerzen bei Kindern müssen anders behandelt werden wie die von Erwachsenen. Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) beispielsweise sind für Kinder unter dem 12. Lebensjahr nicht geeignet. Auch andere Schmerzmittel müssen mit Vorsicht und in einer deutlich geringeren Dosis angewendet werden. Daher gilt: Gehen Sie immer zum Arzt, wenn Ihr Kind Kopfschmerzen hat. Dieser kann ernste Erkrankungen ausschließen und Ihrem Kind ein Präparat verschreiben, das geeignet ist. Erfragen Sie die genaue Dosierung und was Sie bei der Medikamentengabe beachten müssen.

Ich bin schwanger und habe Kopfschmerzen – darf ich Schmerzmittel nehmen?

Viele Schmerzmittel sind für Schwangere und Stillende ungeeignet – und können dem ungeborenen Kind oder dem Säugling schaden. Schwangere und stillende Frauen sollten sich daher immer mit Ihrem Frauenarzt abstimmen, welche Schmerzmittel sie in welcher Häufigkeit und Dosierung einnehmen dürfen. Am besten ist es natürlich, wenn während der Schwangerschaft und Stillzeit so wenig Medikamente wie möglich eingenommen werden.

Haben Sie Kopfschmerzen während der Schwangerschaft und Stillzeit, versuchen Sie es gerne auch mit Hausmitteln wie Tees. Fragen Sie Ihren Frauenarzt, welche Teesorten Ihnen in Ihrem Fall helfen können. Ernähren Sie sich gesund mit reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. So ist Ihr Körper gut mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Achten Sie zudem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Bewegung an der frischen Luft.

Was ist eine Aura bei Kopfschmerzen?

Etwa 20 Prozent der Migräne-Betroffenen kennen die sogenannte Aura. Diese geht einem Migräneanfall voraus und zeigt sich durch unterschiedliche Symptome wie Sehstörungen, Lichtblitze und Taubheitsgefühle. Die Aura dauert meistens etwa fünf bis 60 Minuten an. Ein häufiges Symptom der Aura ist eine Sehstörung, Flimmerskotom genannt. Dabei geht in der Regel von einem Punkt im Blickfeld ein Flimmern aus und vergrößert sich langsam. Treten diese Auren ohne eine bekannte Migräne neu auf, kann es sich auch um eine andere Erkrankung handeln. Eine ärztliche Untersuchung ist dann zwingend notwendig.

Wann muss ich mit Kopfschmerzen zum Arzt?

Gehen Sie mit Kopfschmerzen immer zum Arzt, wenn:

  • Sie an mehr als zehn Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leiden.
  • Sie öfter als zehnmal im Monat Schmerzmittel einnehmen oder immer höhere Dosen brauchen.
  • Sie zusätzlich zu den Kopfschmerzen einen steifen Nacken und/oder Fieber haben.
  • Ihre Kopfschmerzen stärker werden, häufiger auftreten oder sich die Schmerzart ändert.
  • Ihr Kopfschmerz aufgrund einer Kopfverletzung entstanden ist.
  • zu den Kopfschmerzen Krankheitszeichen hinzukommen, die die Funktion Ihrer Augen, Ohren, Nase oder Ihres Halses beeinträchtigen.
  • zu den Kopfschmerzen starke Übelkeit hinzukommt.
Achtung

Bei Kopfschmerzen bei Kindern gelten andere Einnahme- und Dosierungsempfehlungen als bei Erwachsenen. Sprechen Sie immer mit einem Kinderarzt, bevor Sie Ihrem Kind ein Medikament gegen den Kopfschmerz geben. 

Gibt es eine Kopfschmerz-Diät?

Eine spezielle Kopfschmerz-Diät, die zuverlässig Kopfschmerzen oder Kopfschmerz-Attacken vorbeugen kann, gibt es nicht. Allerdings unterstützt eine gesunde Ernährung mit frischem Obst und Gemüse, Nüssen, pflanzlichen Ölen, Vollkornprodukten und mageren Milchprodukten die Gesundheit im Allgemeinen und versorgt den Körper mit wichtigen Nährstoffen. Eine gesunde Ernährung kann Kopfschmerzen dadurch günstig beeinflussen. Vor allem Spannungskopfschmerzen lassen sich durch einen gesunden Lebensstil lindern.

Bei Migräne und Cluster-Kopfschmerzen kennen die meisten Betroffenen zudem bestimmte Trigger, welche die Kopfschmerz-Attacken begünstigen. Das können Alkohol, Schokolade und Käse sein. Werden diese Trigger vermieden, sinkt das Risiko für eine Schmerz-Attacke.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

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