Getreide: Drei Krankheitsbilder •

Weizensensitivität: Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Gehören Sie zu den Menschen, die weder an einer Zöliakie noch an einer Weizenallergie leiden und sich nach dem Verzehr von weizenhaltigen Lebensmitteln dennoch unwohl fühlen? - Dann macht Ihnen unter Umständen eine Weizensensitivität zu schaffen. Dieses Krankheitsbild wurde erstmals in den 80er Jahren beschrieben und rückt zunehmend in den Fokus der Medizin. Die Ursachenforschung steckt noch in den Anfängen und wird von den Fachleuten kontrovers diskutiert. Der Artikel gibt einen Überblick des aktuellen Wissensstandes.

Die Symptome der Weizensensitivität

Ein italienische Studie zum Thema Weizensensitivität hat unter den Teilnehmern eine Häufigkeit von vier Prozent ermittelt. Die Diagnostik dieser Erkrankung ist nicht ganz einfach, denn sie basiert auf einem Ausschlussverfahren. Wenn Sie nicht an einer Zöliakie erkrankt sind und sich keine Hinweise auf eine allergische Reaktion zeigen, liegt die Vermutung nahe, dass Sie an einer Weizensensitivität leiden. Die Symptome dieser Erkrankung treten unmittelbar nach dem Genuss weizenhaltiger Produkte auf:

- Bauchschmerzen
- Durchfälle
- Blähungen
- Verstopfung
- Muskelschmerzen
- Konzentrationsstörungen
- Müdigkeit
- Gelenkschmerzen
- Kopfschmerzen
- Migräne
- Depressionen

Diese Symptome bessern sich oder verschwinden ganz, wenn der an Weizensensitivität leidende Mensch seine Nahrungsgewohnheiten ändert. Dabei scheint es nicht nötig zu sein, ganz auf den Verzehr von Weizen zu verzichten. Die Toleranzschwelle ist individuell verschieden. 

Die Ursachen der Weizensensitivität

Bei jeder Erkrankung stellt sich die Frage nach ihrer Ursache. Erst wenn diese Frage geklärt ist, kann die Medizin sichere Empfehlungen für die Therapie geben. Für die Entstehung der Weizensensitivität gibt es mehrere Erklärungsansätze:

- Gluten
- ATI
- Fodmaps
- Backtechniken und Mehlzusätze

Gluten

Gluten gilt heutzutage als der Hauptangeklagte, wenn es um Unverträglichkeitsreaktionen auf Weizen geht. Das Klebereiweiß macht den Teig elastisch und bringt lockere Brote mit knuspriger Kruste hervor. Tatsächlich ist der Glutengehalt von Weizen heute höher als in früheren Zeiten. In den letzten Jahren haben die Züchter jedoch verstärkt an der Zusammensetzung der Glutenproteine und nicht an der Vergrößerung des Glutenanteils gearbeitet. Möglicherweise kann auch diese Zuchtmanipulation auf Kosten der Verträglichkeit gehen - sichere Forschungsergebnisse liegen nicht vor. 

ATI

Die Uni Mainz ist in Forschungen zur Glutenunverträglichkeit auf einen natürlichen Inhaltsstoff des Weizens gestoßen, der vielleicht mit der Weizensensitivität in Zusammenhang steht: ATI. Die Amylase-Trypsin-Inhibitoren, wie sie mit vollem Namen heißen, dienen dem Weizen als Abwehrmittel gegen Schädlinge. Aber auch im menschlichen Körper können sie Entzündungen auslösen, wie sich im Rahmen der Mainzer Forschungen herausgestellt hat.

Fodmaps

Das Kunstwort Fodmaps steht für kurzkettige Kohlenhydratverbindungen wie Fructose, Laktose und Sorbit. Ein australisches Forscherteam stieß bei der Untersuchung, warum es Patienten gibt, die nicht unter einer Glutenunverträglichkeit leiden und denen es dennoch besser geht, wenn Weizenprodukte reduziert/weggelassen werden, auf die Fodmaps-Zucker. Diese werden von manchen Menschen nicht vollständig aufgenommen und gelangen in den Dickdarm, wo sie fermentieren. So entstehen jene Symptome, die Patienten mit einer Weizensensitivität beschreiben: Blähungen, Schmerzen und Durchfälle. Um die Symptome zu beseitigen, ist es in den meisten Fällen nicht nötig, ganz auf Weizenprodukte zu verzichten. Die Verträglichkeitsschwelle muss individuell ermittelt werden.

Backtechniken und Mehlzusätze 

Es gibt Ernährungswissenschaftler, die auf die veränderte Teigzubereitung hinweisen. Früher wurden Teige in den kleinen Bäckereien ausgiebig geknetet und durften vor dem Backen lange ruhen. Heute muss der ganze Prozess innerhalb weniger Stunden vonstatten gehen. Beschleunigt wird er durch Enzyme und Emulgatoren. Eine Studie der Uni Hohenheim weist nach, dass die Fodmaps-Rate in den Produkten traditionell-handwerklicher Bäckereien kleiner ausfällt.

Therapiemöglichkeiten der Weizensensitivität

- Weizenprodukte bis zur Verträglichkeitsschwelle reduzieren
- auf Urgetreide zurückgreifen (eventuell verträglicher, weil das Gluten anders zusammengesetzt ist)
- Brot und Backwerk aus Bio-Mehl ohne Mehlzusätze bevorzugen
- Brot und Backwerk aus traditionell-handwerklicher Herstellung kaufen oder selber backen

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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