Skoliose: Ursache, Symptome und Therapie
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Skoliose: Ursache, Symptome und Therapie

Mit Skoliose bezeichnet man eine dauerhafte seitliche Abweichung der Wirbelsäule von der Längsachse. Diese kann Wirbel in jeder Höhe betreffen und führt zu unnatürlichen Belastungen von Wirbelkörpern, Bandscheiben und zugehörigem Bewegungsapparat. Mildere Formen verursachen kaum Beschwerden, stärkere Abweichungen teils erhebliche Rückenschmerzen, sodass eine Behandlung notwendig wird.

Kyphose, Lordose, Skoliose - Was ist das?

Krümmungen der Wirbelsäule sind normal und notwendig. In einem gesunden Rücken bilden die Wirbelkörper bei frontaler Aufsicht eine gerade Linie. Schaut man sich die Angelegenheit von der Seite an, so erkennt man im Brustwirbel- und Kreuzbeinbereich eine Wölbung nach hinten, im Hals- und Lendenwirbelbereich eine nach vorne. Im ersteren Falle spricht man anatomisch von einer Kyphose, im Zweiteren von einer Lordose. 

Die sich daraus ergebende doppelt S-förmige Struktur sorgt zusammen mit den flexiblen Bandscheiben und einem ausgeklügelten Bandapparat dafür, dass die Wirbelsäule beim Gehen elastisch federt. Rückenmuskulatur, Bänder und Sehnen sind so angeordnet, dass sie diesen Aufbau unterstützen. Rückenmark und davon abgehende Spinalnerven sind dabei optimal geschützt.

Kritisch wird dieses Zusammenspiel, sobald diese Wölbungen von der Norm abweichen. Das ist im Alter der Fall, wenn durch Osteoporose keilartig verformte Wirbelkörper die Brustkyphose verstärken und so zum Buckel vieler Frauen nach der Menopause beitragen. Ebenso kritisch sind Abweichungen von der geraden Linie nach den Seiten. Eine solche seitliche Verbiegung bezeichnet man als Skoliose.

Durch solche Fehlstellungen drehen sich Wirbelkörper ein Stück weit um die eigene Achse. Das belastet Knochen, Muskeln und Nerven an nicht dafür vorgesehenen Stellen. Je nach Ort spricht man von einer thorakalen Skoliose im Brustbereich, einer lumbalen Skoliose der Lendenwirbel oder einer thorakolumbalen Form in Brust- und Lendenwirbelsäule.

Welche Ursachen führen zu Skoliose?

Skoliosen sind in bis zu 90 Prozent der Fälle idiopathisch, das heißt ohne feststellbare Ursache, in rund zehn Prozent sekundär (symptomatisch) mit bekannter Genese.

Die sogenannte Säuglingsskoliose ist keine echte Skoliose, sondern eine Fehlhaltung und bildet sich meistens ohne Behandlung zurück. Später spricht man je nach Altersklasse von einer infantilen, juvenilen und adoleszenten primären Skoliose.

Mit dem Alter steigt das Körpergewicht und damit die Belastung der Wirbelsäule, sodass Abweichungen immer mehr zum gesundheitlichen Problem werden. Ursachen sekundärer Skoliosen sind 

- Fehlbildungen der Wirbelkörper wie Keil- oder Schmetterlingswirbel (osteopathische Skoliose) ,
- Muskelerkrankungen, darunter Muskeldystrophien (myopathische Skoliose),
- Nervenschäden, beispielsweise Polyomyelitis (neuropathische Skoliose),
- Erkrankungen des Bindegewebes wie das Marfan-Syndrom,
- Stoffwechselerkrankungen, die das Skelettsystem beeinflussen, wie zum Beispiel Rachitis.

Welche Symptome treten bei Skoliose auf?

Schaut man sich einen gerade stehenden Patienten von hinten an, liegen die Mitten von Kopf und Becken in der Vertikalen oft nicht exakt übereinander. Geringe Abweichungen von der geraden Ideallinie sind eher die Regel als die Ausnahme. Sie sind nur vom Fachmann auszumachen und führen selten zu Beeinträchtigungen. 

Skoliose-Diagnose durch Untersuchung des Rückens auf Beweglichkeit

Orthopäden diagnostizieren Skoliose durch Untersuchung des Rückens und seiner Beweglichkeit. Beim Vorbeugen fallen hochstehende Rippen (Rippenbuckel) und vorstehende Muskeln im Lendenbereich (Lendenwulst) auf. Endgültigen Aufschluss gibt eine Frontalansicht der Wirbelsäule im Röntgenbild. Darin lassen sich Deformationen und Rotationen von Wirbelkörpern feststellen.

Beschwerden bei Skoliose

Hauptsächliche Beschwerden bei Skoliosen sind Rückenschmerzen. Sie kommen durch deformationsbedingte Belastungen im System aus Knochen, Muskeln, Sehnen und Bändern zustande. Je nach Lokalisierung und Ausprägung treten keine bis schwerwiegende Symptome auf.

Skoliosen im Bereich der Brustwirbel führen vielfach zu unterschiedlichen Schulterhöhen. Bisweilen steht eines der Schulterblätter stärker ab als das andere. Schmerzen sind selten, und zu weiteren Beeinträchtigungen kommt es nur bei ausgeprägten Formen.

Im Lendenbereich ist die Belastung der Wirbelkörper durch das darauf lastende Körpergewicht höher, sodass Beschwerden häufig bereits im jugendlichen Alter auftreten. Oftmals steht das Becken schief. Zu Rückenschmerzen führen vor allem längeres Sitzen oder Stehen in leicht gebückter Haltung.

Schreitet die Skoliose weit fort und kommen Knochenschwund oder andere Komplikationen hinzu, können in seltenen Fällen funktionelle Beeinträchtigungen von Herz, Lunge, Niere und Magen-Darm-Trakt auftreten.

Wie wird Skoliose behandelt?

Die Behandlung einer Skoliose richtet sich nach Beschwerden, Ursachen und Ausmaß der Fehlstellung.

Leichte Formen, die der Patient nicht als belastend empfindet, therapiert man nur in jungen Jahren, um eine Verschlechterung des Zustandes im Alter zu verhindern. So lange der Bewegungsapparat im Wachstum ist, sind Korrekturen relativ leicht möglich. Das geschieht durch Physiotherapie und ein speziell angefertigtes Skoliose-Korsett, das die Fehlstellung zu kompensieren hilft.

Lebenslange konservative und symptomatische Skoliose-Therapie

Ältere Patienten müssen lebenslang eine konservative und symptomatische Therapie beibehalten. Sie ändert nichts an den Ursachen, aber lindert die Beschwerden. Wichtig sind vor allem Physiotherapie und Krankengymnastik, die den Bewegungsapparat stärken und die gesundheitlichen Beeinträchtigungen minimieren. 

In schweren Skoliose-Fällen kommen chirurgische Verfahren zum Einsatz

In schweren Fällen mit erheblichen körperlichen Einschränkungen kommen chirurgische Verfahren zum Einsatz, bei denen man durch Korrekturen an Bandscheiben und Wirbelkörpern die Fehlhaltung normalisiert. Eine gezielte Versteifung von Wirbeln mit implantierten Schrauben und Stangen bessert die Schmerzen und erhöht die Beweglichkeit des Rückens.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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