Hallux Valgus: Behandlung, Symptome und Ursache des Ballenzehs
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Hallux Valgus: Behandlung, Symptome und Ursache des Ballenzehs

Die Behandlung eines Hallux valgus, auch Ballenzeh genannt, sieht je nach Alter des Patienten und Grad der Deformation sehr unterschiedlich aus. Erfahren Sie hier, welche Möglichkeiten es gibt, wie ein Hallux valgus überhaupt entsteht und was Sie vorbeugend tun können.

Was ist Hallux valgus?

Der Hallux valgus ist die am häufigsten auftretende Verformung im vorderen Fußbereich. Der große Zeh ist dabei nicht mehr gerade, sondern zeigt schief zu den anderen Zehen, weil das Zehenglied und der Mittelfußknochen falsch ausgerichtet sind. Meist sind Fehlbelastungen die Ursache, zum Beispiel durch ungesundes Schuhwerk. Am häufigsten sind Frauen über 50 Jahren von dieser Fußfehlstellung betroffen.

Ursachen & Risikofaktoren für den Ballenzeh

In den allermeisten Fällen hatten Patienten mit Hallux valgus schon zuvor eine Fußfehlstellung, nämlich einen Spreizfuß. Bei dieser Fußform ist die Belastung im Bereich des Vorderfußes besonders groß. Weitere Faktoren, die die Entstehung eines Ballenzehs begünstigen, sind:

  • zu hohe Schuhe
  • zu enge Schuhe
  • schwaches Bindegewebe
  • Übergewicht

Übergewicht und hohe Absätze verstärken die Belastung, enge Schuhe quetschen die Zehen in eine unnatürliche Form und schwaches Bindegewebe sorgt dafür, dass die Knochen sich leichter verschieben lassen.

In Ausnahmefällen können auch dies Gründe für einen Hallux valgus sein:

  • Rheuma
  • falsch verheilter Knochenbruch
  • angeborene Fehlstellung

Symptome von Hallux valgus

Neben der äußerlich sichtbaren Fehlstellung sind Schmerzen das Hauptsymptom von Hallux valgus. Tendenziell sind die Schmerzen stärker, je extremer die Verformung ist. Pauschalisieren lässt sich das aber nicht. Auch bei nur leichter Schiefstellung können die Beschwerden schon enorm sein und sich auf die folgenden Arten äußern: 

  • Schmerzen, Rötungen und Schwellungen im Bereich des Großzehengrundgelenks. Die Haut ist hier aufgrund der ständigen Reibung häufig gerötet und verdickt, sodass der Eindruck entstehen kann, es hätte sich dort neuer Knochen gebildet (Pseudoexostose). 
  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis) im Großzehengrundgelenk.
  • Schmerzen im Mittelfuß, die Betroffene zu einer Schonhaltung veranlassen. Das Körpergewicht wird zunehmend auf den mittleren und seitlichen Mittelfuß verlagert.
  • Die Schiefstellung der Großzehe kann die kleinen Zehen negativ beeinflussen. Sie werden zusammengeschoben, ein oder mehrere Hammer- oder Krallenzehen können sich bilden.

Die durch Hallux valgus verursachten Schmerzen beschränken sich dabei nicht auf den Fuß allein. Sie können aufgrund der Fehlbelastung über die Beine bis in den Rücken ausstrahlen.

Verlauf und Folgen

Zunächst ist der schiefe Großzeh nur ein kosmetisches Problem. Später kommen Schmerzen hinzu, die immer schlimmer werden, je weiter die Verformung fortschreitet. Durch das veränderte Bewegungsverhalten im Fuß kann es zu Gelenkverschleiß (Arthrose) kommen. Das Großzehengrundgelenk versteift infolgedessen und bildet einen Hallux rigidus aus.

Besonders tückisch: Der Ballenzeh bedingt einen Teufelskreis. Auch bei einer nur geringen Fehlstellung verschiebt sich das muskuläre Gleichgewicht im Fuß. Dadurch wird der Zeh noch stärker in die falsche Richtung gezogen. Je schiefer der Zeh steht, desto stärker werden die Zugkräfte.

Ist die Behandlung von Hallux Valgus ohne OP möglich?

In jungen Jahren, wenn der Körper noch im Wachstum ist, können Fehlstellungen der Füße noch ohne OP therapiert werden. Korrigiert man Spreizfüße schon im Kindesalter, kommt es erst gar nicht zum Hallux Valgus.

Bei Erwachsenen kann eine nicht-invasive Korrektur versucht werden, wenn eine flexible Deformität vorliegt, der Zeh also noch beweglich ist und sich in seine normale Position zurückbiegen lässt. Ist bereits eine fixierte Deformität eingetreten, lässt sich der Zeh nicht mehr in Normalposition bringen, weshalb Schienen und Co. nicht mehr funktionieren.

Hilfsmittel zur Behandlung ohne OP

Nicht-operative Therapieansätze zur Behandlung von Hallux Vagus können die Schmerzen deutlich lindern und eine Verschlimmerung vermeiden. Mögliche Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus sind:

• besonders geräumige Hallux-Valgus-Schuhe
• Hallux-Valgus-Schiene
• Hallux-Valgus-Bandage
• Hallux-Valgus-Tape
• orthopädische Schuheinlagen
• Schuhpolster

Die Bandage ist eine weichere Alternative zur Schiene. Je nach Ausführung werden diese Stützmechaniken nur nachts oder auch tagsüber getragen.

Beim Tapen soll die Muskelspannung verändert werden. Diese Maßnahme muss von erfahrenen Therapeuten durchgeführt werden und wird nicht von der Krankenkasse bezahlt.

Physiotherapie zur Behandlung und Vorbeugung

Da die Fußmuskulatur eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Ballenzehs spielt, können gezielte Übungen viel bewirken. Zentral sind eine Kräftigung der Muskeln und eine bewusste Verlagerung des Gewichts, um den Vorderfuß zu entlasten.

Wann ist eine Hallux-valgus-OP nötig?

Eine vollständige Korrektur des Hallux valgus ist im Erwachsenenalter oft nur noch mithilfe einer OP möglich. Aufgrund der weiten Verbreitung dieser Fußfehlstellung gibt es mittlerweile bis zu 150 verschiedene Methoden für die Hallux-valgus-OP, wobei sich die einzelnen Verfahren oft nur in Details unterscheiden. 

Nach der operativen Behandlung sind Sie für mindestens vier Wochen arbeitsunfähig; wenn Sie schwere körperliche Arbeiten ausüben, sogar bis zu zehn Wochen. Sport ist für gute zwölf Wochen nicht möglich, eine genaue Einschätzung muss allerdings der behandelnde Arzt treffen. 

Vor allem in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Operation sollte der behandelte Fuß so oft wie möglich hochgelagert werden, um Schwellungen zu verringern. Ein spezieller Vorfußentlastungsschuh ermöglicht eine weitestgehend normale Mobilität. Er sorgt für eine Gewichtsverlagerung auf die Ferse, verhindert den normalen Abrollvorgang des Fußes und sorgt so dafür, dass der Vorfuß ruhiggestellt wird.

In einigen Fällen ist das von Hallux valgus betroffene Großzehengrundgelenk bereits derart stark geschädigt, dass eine Korrekturoperation nicht mehr möglich ist. In diesen Fällen ist eine Gelenkversteifung (Arthrodese) die letzte Option. Infolgedessen ist die normale Funktion des Gelenks zwar nicht länger gegeben, es wird aber zumindest eine Schmerzfreiheit und erneute Belastbarkeit erreicht.

Obwohl die Eingriffe meist unproblematisch verlaufen, ist eine Hallux-valgus-OP aus rein kosmetischen Gründen nicht zu empfehlen. Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt oder Podologe sein, die Experten auf diesem Gebiet sind Fußchirurgen und Orthopäden.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

SM
Autor/-in
Sascha Müller
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