Fußfehlstellungen: Knick-, Senk-, Plattfuß und Co. im Überblick
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Fußfehlstellungen: Knick-, Senk-, Plattfuß und Co. im Überblick

Fußfehlstellungen sind bei Erwachsenen keine Seltenheit, doch auch Kinder können bereits betroffen sein. Verursachen Knick-, Senk-, Spreiz- oder Plattfuß Beschwerden, verschreibt der Orthopäde häufig Schuheinlagen. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Informationen dazu. 

Wie kommt es zu Fußfehlstellungen?

Fußfehlstellungen können angeboren sein oder mit der Zeit erworben werden. Ist Letzteres der Fall, spielen häufig einseitige Belastung des Fußes, zu enge Schuhe, Verletzungen und Übergewicht eine Rolle. Auch Krankheiten wie Arthrose, Rheuma sowie Hirnerkrankungen können die Entwicklung einer Fehlstellung begünstigen. Ein weiterer Grund kann in der persönlichen Veranlagung liegen, etwa wenn ein schwaches Bindegewebe den Halteapparat des Fußes destabilisiert

Welche Folgen sind möglich?

Als Folge einer Fußfehlstellung treten häufig Schmerzen und ein verändertes Gangbild auf. Schwielen, Druckgeschwüre und Hornhaut bilden sich an den besonders belasteten Stellen des Fußes. Mit der Zeit können sich Teile des Fußes verformen. Durch die Fehlstellung überlastete Gelenke in Fuß, Knie und Hüfte verschleißen, was eine Arthrose nach sich ziehen kann. Schmerzen bis hinauf in den Rücken sowie Kopfschmerzen können ebenfalls mit einer Fußfehlstellung zusammenhängen. 

Aber: Nicht jede Fehlstellung des Fußes führt bei Betroffenen auch zu Beschwerden. Dabei ist die Ausprägung der Verformung nicht zwangsläufig ein Indikator. So können Betroffene mit leichten Fehlstellungen Beschwerden aufweisen, während Menschen mit stärkeren Verformungen beschwerdefrei leben – oder umgekehrt. In jedem Fall sollten Betroffene eine Fußfehlstellung orthopädisch abklären lassen, um Folgebeschwerden vorzubeugen oder bestehende Beschwerden zu lindern.

Fußfehlstellungen können Schmerzen in Knöchel, Knie und anderen Gelenken nach sich ziehen. 
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Fußfehlstellungen können Schmerzen in Knöchel, Knie und anderen Gelenken nach sich ziehen. 

Die Diagnostik

Um eine Fußfehlstellung zu diagnostizieren, betrachtet der behandelnde Orthopäde in der Regel zunächst die Form des Fußes, seine Haltung und das Längs- sowie Quergewölbe. Auch eine Beurteilung des Gangbildes, eine Untersuchung auf mögliche Druckstellen, sowie eine Funktionsprüfung tragen zur Diagnose bei.

Zusätzlich hierzu kann der Arzt mithilfe von Farbe oder eines entsprechenden Scanners einen Abdruck des Fußes (Podogramm) erstellen. Stark belastete Bereiche sind hierbei durch eine dunklere Färbung deutlich erkennbar. 

Fußfehlstellungen beheben: Diese Behandlungen sind möglich

Wurde eine Fußfehlstellung diagnostiziert, sind orthopädische Schuheinlagen in der Regel das erste Behandlungsmittel der Wahl. Sie werden im Sanitätshaus individuell angefertigt und angepasst, korrigieren Fehlstellungen und unterstützen den Fuß, um die Beschwerden zu lindern. Tipp: Verschreibt der Orthopäde Schuheinlagen, übernehmen gesetzliche Krankenkassen einen Teil der Kosten. Informieren Sie sich vorab bei Ihrer Kasse, mit welchem Zuschuss Sie rechnen können. 

Abgesehen von orthopädischen Einlagen kann auch Krankengymnastik zu einer Besserung der Beschwerden beitragen. Durch spezielle Übungen sollen hier unter anderem die Muskeln gestärkt werden, um die Gesamthaltung des Fußes zu verbessern.

Bringen Schuheinlagen und Krankengymnastik keine Linderung, hilft nur noch eine Operation. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn die Schmerzen sehr stark sind und sich nicht auf anderem Wege beheben lassen. Der chirurgische Eingriff an den Knochen, Bändern, Muskeln, Sehnen oder Gelenken wird teilweise unter lokaler Betäubung, manchmal aber auch unter Vollnarkose durchgeführt.

Orthopädische Einlagen lindern die Beschwerden durch Fußfehlstellungen.
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Orthopädische Einlagen lindern die Beschwerden durch Fußfehlstellungen.

Was Sie selbst tun können

Erworbenen Fußfehlstellungen lässt sich gut vorbeugen, doch auch bereits bestehende Beschwerden können Sie selbst lindern, etwa durch die folgenden Maßnahmen:

  • Laufen Sie häufiger barfuß und wechseln Sie zwischen verschiedenen Schuhen. 
  • Wackeln Sie zwischendurch immer mal wieder mit den Zehen, spannen Sie die Füße an und entspannen Sie sie wieder und lassen Sie die Füße kreisen. Das trainiert die Fußmuskulatur, stärkt die Sehnen und Bänder, sodass sie den Fuß besser stützen können.
  • Übergewicht kann vorhandene Fußfehlstellungen wie einen Plattfuß verschlimmern. Eine Gewichtsreduktion lindert die Beschwerden daher gegebenenfalls.

Welche Fußfehlstellungen sind möglich?

Fußfehlstellungen können sich in verschiedenen Ausprägungen bemerkbar machen. Dazu gehören die Folgenden:

  • Knickfuß: Bei dieser Fußfehlstellung knickt der Knöchel nach innen weg. Häufig tritt das Phänomen in Verbindung mit einem Senk- oder Plattfuß auf, wobei man von einem Knick-Senkfuß beziehungsweise Knick-Senk-Spreizfuß spricht. Bei Betroffenen fehlt dem Fuß hier zusätzlich ein ausgeprägtes Längsgewölbe. Ein Knickfuß kann sowohl angeboren als auch erworben sein.
  • Senkfuß und Plattfuß: Beim Senkfuß ist das Fußlängsgewölbe abgeflacht, der größte Teil des Fußes liegt beim Stehen und Gehen am Boden auf. Der Plattfuß wiederum ist eine ausgeprägte Form des Senkfußes. Hier liegt die gesamte Fußsohle bei Belastung am Boden auf. Zwar ist ein Plattfuß oft bei Kleinkindern zu beobachten, hier allerdings vollkommen normal. Besteht das Phänomen bis ins Erwachsenenalter weiter, ist von einer erworbenen Fußfehlstellung auszugehen.
  • Spreizfuß: Ist das Quergewölbe des Fußes beeinträchtigt, sprechen Ärzte von einem Spreizfuß. Der vordere Teil liegt komplett auf dem Boden auf, sodass der Mittelfußknochen überlastet wird. Der Spreizfuß gehört zu den erworbenen Fußfehlstellungen. Unbehandelt trägt diese Fehlstellung zur Entstehung eines Hallux valgus bei.
  • Hohlfuß: Beim Hohlfuß ist das Fußgewölbe sehr stark ausgeprägt und der Fußrücken (Spann) erhöht. Je nachdem, ob der Fußballen oder die Ferse stärker belastet wird, sprechen Ärzte von einem Ballen- beziehungsweise Hackenhohlfuß. Bei Betroffenen knickt meist das Fersenbein (Calcaneus) und infolgedessen das gesamte Sprunggelenk nach außen. Die Fußfehlstellung kann sowohl angeboren als auch erworben sein.
Einige Fußfehlstellungen sind bei Babys und kleinen Kindern normal und verwachsen sich. Besteht die Verformung des Fußes bei Erwachsenen weiter, ist ein Gang zum Arzt sinnvoll. 
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Einige Fußfehlstellungen sind bei Babys und kleinen Kindern normal und verwachsen sich. Besteht die Verformung des Fußes bei Erwachsenen weiter, ist ein Gang zum Arzt sinnvoll. 

  • Spitzfuß: Ein Spitzfuß gehört zu den erworbenen Fußfehlstellungen und kann infolge verschiedener Erkrankungen und Verletzungen auftreten. Bei Betroffenen ist die Ferse erhöht und kann nicht mehr auf den Boden abgesenkt werden. Der Fuß lässt sich nicht mehr abrollen. Ursache hierfür ist eine verkürzte Wadenmuskulatur. 
  • Sichelfuß: Der Sichelfuß ist die häufigste Fußfehlstellung und kann sowohl angeboren als auch erworben sein. Der Vorfuß ist im Vergleich zum Rückfuß nach innen gedreht, sodass die Fußinnenseite wie zu einer “Sichel” gebogen erscheint.
  • Hallux valgus: Beim Hallux valgus (auch: Ballenzeh) ist der Großzehenbereich verformt. Der Ballen weicht im Großzehengrundgelenk seitlich vom restlichen Fuß ab, während die Großzehe nach innen wandert. Es handelt sich hierbei um eine erworbene Fußfehlstellung.
  • Hallux rigidus: Versteift sich die Großzehe im Grundgelenk und ist die Abrollbewegung des Fußes zunehmend eingeschränkt, spricht man von Hallux rigidus. Es handelt sich zumeist um eine erworbene, arthrotische Erkrankung des Fußes. Auch eine erbliche Disposition ist möglich.
  • Klumpfuß: Beim Klumpfuß handelt es sich um eine angeborene Fußfehlstellung. Der Vorfuß ist nach innen gedreht, während die Ferse hochsteht. Betroffene können den Fuß häufig nur auf dem Fußaußenrand oder sogar lediglich auf dem Fußrücken aufsetzen.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

CK
Autor/-in
Christopher Kiel
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