Folgen von Bluthochdruck: "Nierenschwäche und Gefäßerkrankungen bis hin zur Demenz"
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Folgen von Bluthochdruck: "Nierenschwäche und Gefäßerkrankungen bis hin zur Demenz"

Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie an Bluthochdruck leiden. Kardiologe Prof. Dr. Michael Böhm erklärt, wann es gefährlich wird und was gegen die Krankheit unternommen werden sollte.

Fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland leidet an Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt. Dadurch steigt das Risiko für zahlreiche weitere Erkrankungen. Prof. Dr. Michael Böhm ist Direktor der Klinik für Innere Medizin am Universitätsklinikum des Saarlandes und beschäftigt sich seit Jahren mit allen Aspekten des Bluthochdrucks.

Gelbe Seiten: Ab welchem Wert haben Menschen einen zu hohen Blutdruck? Gilt die alte Faustregel „Lebensjahre plus 100“ noch?

Michael Böhm: Nein, diese Rechnung ist völlig veraltet. Ab einem Wert von 140 und drüber spricht man altersunabhängig von der arteriellen Hypertonie. Dann ist der Blutdruck des arteriellen Gefäßsystems chronisch erhöht. Zwischen 130 und 139 ist der Blutdruck hoch normal, also ein wenig zu hoch, aber mit geringerem Gefahrenpotenzial. Blutdruckwerte unter 130 gelten als normal. Die neuen amerikanischen Leitlinien haben den Bluthochdruck noch strenger festgesetzt, als Wert über 130 mmHg. Dies könnte sich auch in den europäischen Leitlinien finden, die im September 2018 publiziert werden.

Gelbe Seiten: Warum ist Hypertonie überhaupt gefährlich? Was sind die Folgen von Bluthochdruck?

Böhm: Wer an Bluthochdruck leidet, verzeichnet oft auch andere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Hyperlipidämie – ein Zustand, bei dem der Cholesterinwert im Blut erhöht ist. Einige Erkrankte leiden auch an Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit. Gefährlich macht den Bluthochdruck vor allem, dass er bei vielen Patienten schon lange besteht und entweder nicht entdeckt oder nicht behandelt wird. 

Gelbe Seiten: Welche konkreten Folgen kann Bluthochdruck denn auf andere Organe haben?

Böhm: Langfristiger Bluthochdruck führt zu einer Nierenschwäche. Auch Augen und das Gehirn können betroffen sein. Hier kann es zu einer Abnahme des Sehvermögens, aber vor allem auch zu Schlaganfällen oder zur Erkrankung der kleinen Gefäße kommen, die sogenannte Mikroangiopathie. Das kann bis hin zur Demenz führen. Die Folgen von Bluthochdruck sind zudem ein erhöhtes Risiko für Herzmuskelschwäche und Herzinfarkte.

Gelbe Seiten: Können Menschen denn überhaupt irgendwie merken, dass sie unter Bluthochdruck leiden?

Böhm: In der Regel fällt die Erkrankung bei Routineuntersuchungen auf, wenn der Arzt den Blutdruck misst. Das passiert auch bei Operationen oder betriebsärztlichen Untersuchungen. Die Symptomatik ist dezent und sehr variabel, das können zum Beispiel häufige Kopfschmerzen oder auch Schwindel und Übelkeit sein. Im schlimmsten Fall merken Patienten das erst, wenn der Schlaganfall oder ein anderes kardiovaskuläres Ereignis eintritt.

Gelbe Seiten: Viele Menschen verbinden einen roten Kopf auch mit Bluthochdruck...

Böhm: Patienten mit Hypertonie sehen zwar oft rot aus im Gesicht und sind dick, aber das muss nicht durch den Bluthochdruck begründet sein.

Gelbe Seiten: Sie deuten es bereits an – Übergewicht scheint ein Risikofaktor für Bluthochdruck zu sein. Welche Menschen sind darüber hinaus noch besonders gefährdet?

Böhm: Bluthochdruck kann vererbbar sein, es kann also zu einer familiären Häufung kommen. Zu den Risikofaktoren zählen zudem erhöhter Alkoholgenuss, exzessive Salzzufuhr, Übergewicht und vor allem mangelnde Bewegung. Es ist möglich, den Blutdruck durch körperliches Training zu senken.

Gelbe Seiten: Ab welchem Alter sollte man denn seinen Blutdruck kontrollieren?

Böhm: Auch in jungen Jahren ist es sinnvoll, bei Routineuntersuchungen auf den Blutdruck zu schauen. Vor allem wenn Übergewicht vorliegt. Ab 40 sollte man den Blutdruck dann auf jeden Fall regelmäßig im Blick behalten, denn die Häufigkeit der Hypertonie steigt mit dem Lebensalter an.

Gelbe Seiten: Oft werden ACE-Hemmer als Blutdrucksenker empfohlen. Diesen Medikamenten werden jedoch einige Nebenwirkungen nachgesagt.

Böhm: Die Nebenwirkungen sind in der Regel zu vernachlässigen, wenn ein Blutdruck wirklich hoch ist. Es gibt drei Medikamentengruppen, die empfohlen werden: ACE-Hemmer, Kalziumantagonisten und Diuretika. Wenn der Bluthochdruck mit einem Mittel nicht in den Griff zu bekommen ist, beginnt der Arzt mit einer Kombinationstherapie. Alle diese Mittel haben grundsätzlich eine exzellente Verträglichkeit. Durch die Auswahl gut wirksamer Medikamente gibt es für die weitaus meisten Patienten ein verträgliches Mittel. Die meisten Menschen, die ihre Medikamente nicht nehmen, tun dies aus Angst vor Nebenwirkungen. Doch genau das kostet im Durchschnitt die meisten Menschenleben.

Gelbe Seiten: Gibt es neben der verschreibungspflichtigen Medizin noch Dinge, die vorbeugend oder therapeutisch gegen Bluthochdruck helfen?

Böhm: Neben den genannten Dingen wie der Reduzierung des Alkoholgenusses und mehr Bewegung sollte auch der Salzkonsum eingedämmt werden. Generell sollte die Ernährung auf den Lebensmitteln basieren, die landläufig als gesund gelten. Alles, was auf pflanzlicher Basis an Medikamenten frei angeboten wird, hat keine belegte Wirkung und ist in der Regel nicht ausreichend geprüft.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Profilbild von Prof. Dr. Michael Böhm
Autor/-in
Prof. Dr. Michael Böhm

Prof. Dr. Michael Böhm forscht seit Jahren zum Thema Bluthochdruck.

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