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Expertenrat: Braucht es Hygienespüler gegen Corona-Viren und andere Keime?
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Expertenrat: Braucht es Hygienespüler gegen Corona-Viren und andere Keime?

Hygienespüler für die Wäsche sind seit der Corona-Pandemie in Haushalten vermehrt zu finden. Saubere Wäsche und einen Schutz vor krankmachenden Keimen wünschen sich die Verbraucher. Doch wie wirksam sind die Desinfektionsmittel für die Kleidung? Tristan Jorde vom Fachbereich Umwelt und Produktsicherheit der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) ist Hygienespülern gegenüber kritisch.

Gelbe Seiten: Herr Jorde, gerade in Zeiten der Corona-Pandemie werden vermehrt Hygienespüler und Desinfektionsmittel gekauft. Bieten diese Produkte tatsächlich einen Schutz vor Covid-19?

Tristan Jorde: Sie sind schlicht überflüssig. Egal ob zur Corona-Vorbeugung, in Haushalten mit Corona-Kranken oder bei anderen Erkrankungen: Es braucht keine Hygienespüler. Der massenhafte Einsatz von Hygienespülern ist genauso wie die Verwendung von anderen Desinfektionsmitteln kritisch zu beurteilen. Die Mittel bieten keinen Vorteil. Im Gegenteil: Für die Gesundheit, die Haut, das Abwasser und die Umwelt sind diese Mittel schädlich. Das Corona-Virus hat wie viele andere Viren eine Fetthülle. Mit Wasser und Seife für die Hände sowie einem normalen Vollwaschmittel für die Wäsche zerstören Sie diese Fettschicht und das Virus stirbt ab. Vollwaschmittel enthalten zudem Bleichmittel, die eine antivirale Wirkung haben.

Viele Verbraucher sind besorgt, dass bei 40 Grad die Wäsche nicht richtig sauber wird. Aus Angst vor krankmachenden Keimen wie Bakterien und Viren greifen sie zu Hygienespülern. Überleben Krankheitserreger eine Wäsche bei niedrigen Temperaturen?

Sie müssen bedenken, dass zum Wäschewaschen weit mehr gehört als die Waschtemperatur. Sie haben Strömungen durch das Wasser, Reibung durch das Schleudern, Reinigung durch die im Waschpulver enthaltenen Tenside und Bleichmittel sowie ein keimabtötendes basisches Milieu. In Summe ist die Waschmaschine für Krankheitserreger daher ein ziemlich ungemütlicher Ort. Nach dem Waschen sollten Sie die Wäsche gut trocknen lassen. Bakterien und Viren vermehren sich auf trockenen Oberflächen schlecht und sterben ab. Trocknen Sie die Wäsche in der Sonne haben Sie durch das UV-Licht einen zusätzlichen keimtötenden Effekt.

Welche Risiken bergen Hygienespüler und Desinfektionsmittel für die Gesundheit?

Desinfektionsmittel sind, egal ob in einem Hygienespüler, als Handdesinfektion oder für die Flächendesinfektion vor allem im medizinischen Bereich wichtig. Im Privathaushalt schaden sie mehr als dass sie nutzen. Sie wirken reizend auf die Atemwege, begünstigen Allergien, trocknen die Haut stark aus, schaden der Umwelt und begünstigen die Bildung von Resistenzen. Das Problem sehen Sie in Krankenhäusern: Jedes Jahr sterben zwischen 25.000 und 30.000 Menschen an einer Infektion mit multiresistenten Krankenhauskeimen wie beispielsweise MRSA. Bakterien wie Staphylococcus aureus sind unempfindlich gegenüber vielen Desinfektionsmitteln und Antibiotika geworden. Wenn in privaten Haushalten ständig solche Mittel zum Einsatz kommen, ist das ein echtes Risiko was die Bildung von Resistenzen angeht und auch für die Gesundheit nicht förderlich. Desinfektionsmittel müssen genau wie Antibiotika mit Bedacht angewendet werden. Gibt es im Privathaushalt Krankheitsfälle, ist es ausreichend, wenn Sie die Wäsche bei 60 Grad waschen, das Waschmittel höher dosieren und auf eine gute Hände- und Küchenhygiene, Abstand sowie eine entsprechende Husten- und Niesetikette achten.

Welche Waschmittel sind für saubere Wäsche wirklich notwendig?

Sie brauchen höchstens drei Waschmittel: Ein Colorwaschmittel für bunte Wäsche, ein Vollwaschmittel für weiße Wäsche und ein Feinwaschmittel für empfindliche Stoffe – alles möglichst duftstoffarm. Auf alles andere können Sie verzichten. Alternativ können Sie dafür auch ein „Baukastensystem“ als Waschmittel nehmen. Auch Entkalker für die Waschmaschine brauchen Sie nicht. Waschmitteln sind Entkalker zugesetzt. Weichspüler und Wäscheparfum sind ebenfalls überflüssig. Sie duften zwar möglicherweise gut, schaden der Umwelt aber zusätzlich und erhöhen das Allergierisiko. Zudem raten wir, generell Kompaktwaschmittel zu kaufen, da Großpackungen Füllstoffe zugesetzt sind und Flüssigwaschmittel weniger gut waschen.

Viele Verbraucher sind unsicher bei der Dosierung des Waschmittels. Wie viel Waschmittel braucht es für hygienisch saubere Wäsche?

Abhängig ist die Menge des Waschmittels zum einen davon, wie verschmutzt die Wäsche ist. Zum anderen ist der Härtegrad des Wassers eine wichtige Messgröße. Je härter das Wasser ist, desto mehr Waschpulver empfehlen die Hersteller. Den Härtegrad des Wassers können Sie bei Ihrem lokalen Wasserwerk erfragen. Auf der Rückseite der Waschmittelpackung finden Sie die entsprechenden Dosierempfehlungen. 

Haben Sie Hygienetipps für die Handwäsche? Wie wird die Wäsche sauber?

Für die Handwäsche gilt das gleiche wie für die Maschinenwäsche. Nutzen Sie möglichst warmes Wasser, geben Sie ein Tensid (Waschmittel oder Seife) hinzu, lassen Sie die Wäsche einweichen und kneten Sie diese gut durch. Um die Haut zu schonen, sollten Sie Handschuhe anziehen. Wichtig ist außerdem, dass Sie die Kleidung nach der Handwäsche gründlich in klarem Wasser ausspülen, um Waschmittelreste zu entfernen.

Was hilft, wenn die Waschmaschine stinkt?

Der unangenehme Geruch in der Waschmaschine hat seinen Ursprung meist in den weniger gut durchströmten Bereichen der Waschmaschine. Oftmals sammelt sich Wasser im Isoliergummi der Waschmaschinentür oder im Flusensieb. Bakterien können sich dort leicht vermehren und es fängt an zu stinken. Gesundheitskritisch ist das in den meisten Fällen nicht, aber unangenehm für die Nase. Reinigen Sie diese Stellen regelmäßig und trocknen Sie diese nach dem Waschgang gut ab. Spezielle Waschmaschinenreiniger sind nicht notwendig. Bei Bedarf können Sie bei starker Geruchsbildung eine Leermaschine bei höherer Temperatur laufen lassen.

Vielen Dank Herr Jorde für das Gespräch.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.
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Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
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ist Experte im Fachbereich Umwelt und Produktsicherheit der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH).
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