Der Begriff Orthorexie beziehungsweise Orthorexia nervosa bezeichnet eine Form der Essstörung, bei der die Betroffenen auf gesundes Essen fixiert sind. Sie verspüren den krankhaften Zwang, sich gesund zu ernähren. Subjektiv als ungesund eingestufte Lebensmittel werden strikt gemieden. Die Nahrungsauswahl ist entsprechend begrenzt.
Unterformen gestörten Essverhaltens •

Was ist Orthorexie? Wenn gesundes Essen zum Wahn wird

Der Begriff Orthorexie beziehungsweise Orthorexia nervosa bezeichnet eine Form der Essstörung, bei der die Betroffenen auf gesundes Essen fixiert sind. Sie verspüren den krankhaften Zwang, sich gesund zu ernähren. Subjektiv als ungesund eingestufte Lebensmittel werden strikt gemieden. Die Nahrungsauswahl ist entsprechend begrenzt.

Selbst auferlegte Regeln

Sie nehmen schon lange keine Milchprodukte mehr zu sich und verzichten vollkommen auf Weizen? Fleisch ist sowieso tabu, und auch Soja haben Sie von Ihrem Speiseplan gestrichen? Obst und Gemüse gibt es ausschließlich in Bioqualität oder gar nur aus dem eigenen Garten? Erkennen Sie sich in diesen starren Regeln wieder, liegt bei Ihnen möglicherweise eine Essstörung vor. Orthorektiker legen so strenge Maßstäbe an ihre Ernährung an, dass der Effekt schließlich ins Gegenteil der angestrebten Gesundheit umschlagen kann: Mangelerscheinungen und Untergewicht machen dem Körper zu schaffen, Stoffwechsel und Hormonausschüttungen laufen auf Sparflamme.

Krankheit oder Störung – was ist Orthorexie?

Bei Orthorexie handelt es sich um eine verhaltenspsychologische Ernährungsstörung. Als Krankheit ist die Bündelung von Symptomen bislang jedoch nicht offiziell anerkannt. Auch dass es sich um eine echte Zwangsstörung handelt, bezweifeln manche Forscher: Menschen, die an Zwangsstörungen leiden, wissen oftmals, dass ihr Verhalten irrational ist. Das ist bei Orthorektikern nicht der Fall: Sie sind grundsätzlich überzeugt davon, dass ihr Weg der richtige ist, und wollen nichts daran ändern – selbst, wenn sie dafür Einschränkungen in Kauf nehmen müssen. Viele essen nur noch selbst zubereitete Speisen und ziehen sich aus gesellschaftlichen Anlässen zurück, die mit Essen verbunden sind. Ärztlicherseits kann Orthorexia nervosa als Teilsymptom einer Essstörung eingestuft werden oder als Vorstufe einer Magersucht.

Übergänge sind fließend

Sich gesund und ausgewogen zu ernähren, ist wichtig und richtig. Doch gesund und ausgewogen ist der Speiseplan eines Menschen, der an der Ernährungsstörung leidet, schon lange nicht mehr. Bei der Überlegung, was Orthorexie ist, muss grundsätzlich das Gesamtbild betrachtet werden: Haben Sie ein regelrecht schlechtes Gewissen, wenn Sie etwas essen, wovon Sie denken, dass es nicht gut für Sie ist? Leisten Sie sich keine kleinen Sünden, weil Sie Angst vor einem Kontrollverlust haben? Dann sollten Sie aufmerksam werden. Ein Besuch beim Arzt wäre hier anzuraten – Experten für Essstörungen finden Sie unter diesem Text gelistet.

Beschränkung und Isolation

Bei der Frage, was Orthorexie ist, darf man nicht allein beim Speiseplan der Betroffenen stehen bleiben: Die Auswirkungen der Störung reichen viel weiter. Orthorektiker lehnen zum Beispiel jede Einladung zum Essen ab, wenn sie nicht sicher sein können, dass sie nur das vorgesetzt bekommen, was sie auch selbst verarbeiten würden. Und da die wenigsten Menschen sich einem so strengen Reglement unterwerfen, bleiben die Betroffenen lieber zu Hause. Restaurantbesuche sind undenkbar.

Wer an dieser Ernährungsstörung leidet, vereinsamt leicht, weil er sich selbst aus dem Freundeskreis herauszieht. Gleichzeitig wirkt hier aber auch noch eine andere Kraft: Da sie selbst von ihren Ansichten völlig überzeugt sind, entwickeln Betroffene leicht ein Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen Menschen, die auf gesunde Ernährung nicht so viel Wert legen. Hinzu kommt in vielen Fällen ein missionarischer Eifer, der für viele Freunde und Verwandte schwer auszuhalten ist. Bei der Definition, was Orthorexie ist, muss man also immer auch die Vereinsamung mit einbeziehen, die sogar einer Depression Vorschub leisten kann. Die vermeintlich gesunde Ernährung kann zu Mangelerscheinungen, Müdigkeit und Erschöpfung sowie Konzentrationsschwierigkeiten führen und den Körper auszehren.

Welche Menschen sind besonders gefährdet?

Was ist Orthorexie? Hinsichtlich der Antwort kristallisieren sich einige bestimmte Punkte heraus: In einer Welt der Lebensmittelskandale und nachgewiesenermaßen ungesunden Industriemahlzeiten versuchen Orthorektiker, die Kontrolle zu behalten. Doch dieses Gefühl von Rückbesinnung auf die Natur geht oft auch Hand in Hand mit der Macht über den eigenen Körper – ähnlich wie bei Magersucht: Auch hier werden die erlaubten Lebensmittel immer weiter reduziert.

In Studien hat sich gezeigt, dass rund ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland von Symptomen betroffen ist, die der Orthorexie zugerechnet werden. Der überwiegende Teil dieser Menschen sind junge Frauen, die die Einschränkungen häufig auch vornehmen, um eine schlanke Figur zu erlangen oder zu halten. Bei einer Studie zu dem Thema, was Orthorexie ist und wen sie betrifft, wurden vor allem auch Veganer näher betrachtet. Dabei stellte sich heraus, dass das Risiko vom Motiv abhängt: Wer sich aus ethischen Gründen für den Verzicht auf tierische Produkte entscheidet, hat kein erhöhtes Risiko, die Ernährungsstörung zu entwickeln. Wer Veganer wird, um abzunehmen, hat dagegen eine deutlich gesteigerte Wahrscheinlichkeit.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Svenja Hauke
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