Bulimie vorbeugen: Künftigen Essattacken kann man bereits im Kindesalter entgegenwirken.
Bulimie (Bulimia nervosa) •

Bulimie vorbeugen – geht das?

Jugendmagazine, Social-Media-Kanäle, neue Freunde und vielleicht sogar die erste Diät: Eltern sind häufig besorgt, dass ihr Kind eine Essstörung entwickeln könnte und fragen sich, ob sie Bulimie vorbeugen können. Die Antwort: Das Erkrankungsrisiko lässt sich senken – aber nicht zu 100 Prozent ausschließen.

Bulimie vorbeugen: So werden Kinder stark

Auf genetische und soziokulturelle Risikofaktoren lässt sich kaum Einfluss nehmen. Dennoch gibt es Schutzfaktoren, die sich innerhalb der Familie und im persönlichen Bereich umsetzen lassen und die helfen können, die Entstehung einer Essstörung vorzubeugen.

In der Familie positive Vorbilder leben

Wichtig in der Familie ist, dass positive Vorbilder gelebt werden. Diäten und häufiges Wiegen sollten in der Familie keine Rolle spielen. Dem Kind sollte vermittelt werden: Du bist gut so wie du bist. Ebenfalls wichtig ist, dass das Kind Gefühle zeigen darf – und auch die Familienmitglieder offen über ihre Empfindungen sprechen. Um Konflikte zu lösen ist eine gesunde Streitkultur von großer Bedeutung. So lernt das Kind zum einen, dass seine Meinung wichtig ist und zum anderen, wie es Konflikte lösen kann.

Hobbies pflegen ohne Leistungsdruck

Eine gute soziale Integration unterstützt ein gesundes Essverhalten ebenfalls. Interessen und Hobbies dürfen gepflegt und Kontakte mit Gleichgesinnten geknüpft werden. Es geht darum, Spaß zu haben und die eigenen Stärken zu fördern. Leistungsdruck – auch im schulischen Bereich – kann das Kind verunsichern.

Eine gesunde Esskultur vorleben

Ebenfalls wichtig ist eine entspannte Esskultur: Gemeinsames Kochen und Essen, regelmäßige Mahlzeiten am Tisch, Speisen genießen und Zeit nehmen fördern eine gesunde Einstellung zum Essen. Negativ hingegen wirken sich

  • Essensverbote,
  • der Zwang zum Aufessen,
  • Belohnung beziehungsweise Bestrafung mit Essen aus.

Essstörungen sind multifaktoriell bedingt und haben somit nie nur eine Ursache. Sie entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Aus diesem Grund sollten weder Betroffene noch Angehörige oder Partner sich fragen, ob sie Schuld an der Entstehung der Essstörung haben. Denn die Beschäftigung mit der Schuldfrage hilft im Heilungsprozess nicht weiter. Manche Faktoren können nicht beeinflusst werden oder können zumindest heute nicht mehr verändert werden. Die Suche nach den Ursachen ist dennoch notwendig für die Therapie des Betroffenen, um die Entstehung der Erkrankung zu verstehen und um beeinflussbare Faktoren positiv zu verändern.

Versorgungszentrum Essstörungen ANAD e. V.

Haben Eltern den Verdacht, dass ihr Kind eine Essstörung entwickelt, können sie einen Termin beim Kinderarzt vereinbaren oder Kontakt zu einer Beratungsstelle für Essstörungen suchen. Dort finden Eltern und Betroffene die Unterstützung, die sie brauchen.

Leidet das eigene Kind unter einer Essstörung, ist das für die Familie eine große Belastung und mit vielen Ängsten und Unsicherheiten verbunden. Eltern können ihr Kind zu einer Therapie motivieren. Erfolgreich wird diese aber nur dann sein, wenn das Kind es selbst auch will.

Die Beratung ist oftmals kostenlos und anonym. Jugendliche können sich auch ohne ihre Eltern an eine solche Beratungsstelle wenden.

Essstörung beim Kind: Tipps für Eltern

Eine Essstörung beim Kind ist für die Familie eine große Belastung und viele Eltern sind hilflos und überfordert. Wie sollen sie mit der Erkrankung umgehen und wie sich dem Kind gegenüber verhalten? Folgende Tipps können eine erste Orientierung bieten:

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Ihre Vermutung, ohne Vorwürfe zu machen.
  • Gehen Sie mit Ihrem Kind zum Arzt oder zu einer Beratungsstelle.
  • Auch wenn es schwerfällt: Haben Sie Geduld. Ihr Kind leidet unter der Situation ebenso.
  • Verheimlichen Sie die Essstörung nicht.
  • Machen Sie Ihrem Kind keine Vorwürfe und üben Sie keinen Druck oder Kontrolle aus.
  • Erfüllen Sie keine übertriebenen Sonderwünsche beim Essen.
  • Bieten Sie Ihrem Kind nicht ständig Essen an.

Was in der Theorie einfach klingt, ist in der praktischen Umsetzung eine echte Herausforderung. Daher sollten sich betroffene Eltern der Situation nicht alleine stellen, sondern Hilfe von Expertenseite annehmen. Auch für sie ist der Austausch eine wichtige Hilfe im Umgang mit der Situation.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Ann-Kathrin Landzettel
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