Essattacken und Erbrechen: Bulimie betrifft auch Männer.
Bulimie (Bulimia nervosa) •

Bulimie beim Mann

Über alle Essstörungen hinweg sind junge Mädchen und Frauen öfter betroffen als Jungen und Männer. Trotzdem: Auch Männer können eine Bulimie entwickeln– und der Leidensdruck ist für sie ebenso groß. Bei Männern ist die Ess-Brech-Sucht allerdings ein noch größeres Tabu als bei Frauen - was die Behandlung erschwert.

Bulimie bei Männern: ein Tabu

Nur wenige Männer mit einer Essstörung suchen Hilfe. Essstörungen gelten als "Frauenkrankheit". Vielen betroffenen Männern fällt es daher schwer, die Essstörung zuzugeben. Bei ihnen ist die Hemmschwelle relativ hoch, eine Behandlung zu beginnen. Sie fühlen sich unmännlich, weil sie an einer Essstörung leiden. Viele beginnen nie eine Therapie, andere erst sehr spät. Zudem fällt es vielen Männern schwer, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie möchten stark sein und es alleine schaffen.

Hinzu kommt, dass Essstörungen bei Männern unterschätzt und seltener erkannt werden. Experten gehen daher von einer hohen Dunkelziffer aus.

Betrachtet man einen bestimmten Zeitpunkt oder den Zeitraum eines Jahres, leiden von 1.000 Männern im Alter von 13 bis 24 Jahren ein bis drei an einer Bulimie (Punktprävalenz bzw. 12-Monats-Prävalenz). Wird der Zeitraum des gesamten bisherigen Lebens betrachtet, sind etwa ein bis fünf von 1.000 Männern betroffen (Lebenszeitprävalenz). Über den Zeitraum eines Jahres rechnet man mit 12 bis 20 Neuerkrankungen bei 100.000 betrachteten Frauen und ein bis zwei Neuerkrankungen bei 100.000 betrachteten Männern.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Essstörungen bei Männern: Oft mit Muskelaufbau verbunden

Die Essstörung selbst zeigt sich bei Männern ähnlich wie bei Frauen. Experten haben aber festgestellt, dass Männer deutlich seltener Abführmittel zur Gewichtsregulierung einnehmen als Frauen. Allerdings ist die Häufigkeit von Suizidversuchen bei Männern höher.

Ein weiterer Geschlechterunterschied liegt der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. zufolge in der sexuellen Orientierung: Unter den männlichen Betroffenen seien Homo- und Bisexualität häufiger anzutreffen als bei Frauen.

Essstörungen hängen zudem mit dem gesellschaftlichen Schönheitsideal zusammen. Männer mit einer Essstörung waren häufig übergewichtig und geraten dann in das andere Extrem. Essstörungen bei Männern sind zudem häufig mit exzessivem Sport und intensivem Muskeltraining verbunden. Oftmals werden leistungssteigernde Substanzen eingenommen.

Die auslösenden Faktoren ähneln denen von Frauen: Ängste bezüglich der Sexualität, persönliche Stressfaktoren wie beruflicher Stress oder eine Trennung sowie sozio-kulturelle Einflüsse wie das gesellschaftliche Schönheitsideal gehören zu den bedeutenden Einflussgrößen. Es kommt vor, dass selbstzerstörerisches Verhalten und Persönlichkeitsstörungen die Essstörung begleiten. Auch Depressionen und Alkoholabhängigkeit können mit der Essstörung auftreten.

Bulimie beim Mann: Diese Berufsgruppen erhöhen das Risiko

Das Risiko für Männer an Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating zu erkranken, ist in Berufsgruppen erhöht, in denen der soziale Druck groß ist, einem bestimmten Körperbild zu entsprechen. Dazu gehören unter anderem Sportler, Balletttänzer und Models.

Bulimie beim Mann: Behandlung und Therapie

Männer mit einer Essstörung, die sich für eine Behandlung entschieden haben, brechen die Therapie häufig ab. Ein Faktor ist, dass viele Angebote auf Frauen zugeschnitten sind. Viele Männer tun sich schwer, in Gruppenangeboten gemeinsam mit dem anderen Geschlecht ihre Probleme offen anzusprechen. Doch auch in Einzel-Therapiestunden fühlen sich Männer häufig unwohl. Mittlerweile gibt es immer mehr Therapieangebote, die sich gezielt an Männer richten.

Wie bei Frauen setzt die Therapie bei Männern an einer positiveren Wahrnehmung des eigenen Körpers an. Es geht vorrangig darum, das verzerrt wahrgenommene Körperbild zu verändern. Des Weiteren wird normales Essverhalten erlernt und eine selbstbewusstere Lebensführung gefördert.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Ann-Kathrin Landzettel
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