Die Angst vor einer Gewichtszunahme erschwert die Behandlung von Bulimia nervosa.
Bulimie (Bulimia nervosa) •

Bulimie behandeln: Therapie der Ess-Brech-Sucht

Bulimie ist eine Essstörung, die zu den psychischen Krankheiten gehört. Sie wird sowohl auf körperlicher als auch auf seelischer Ebene behandelt. Erfolgreich kann die Bulimie-Therapie nur dann sein, wenn die Betroffenen bereit sind, die Essstörung aufzugeben. Die Angst zuzunehmen, erschwert die Behandlung der Bulimie.

Behandlung der Bulimie: Betroffene müssen es wollen

Die Entscheidung, sich bei einer vorliegenden Bulimie fachkundige Hilfe zu suchen, ist bereits ein sehr wichtiger Schritt auf dem Weg zur Genesung. Ohne eine Therapie kann die sogenannte Ess-Brech-Sucht weitreichende Folgen haben. Doch obwohl Betroffene unter der Essstörung leiden, tun sie sich schwer, diese zu behandeln. Der Grund: Die Therapie hat als Ziel sowohl eine Gewichtszunahme als auch eine Änderung des Essverhaltens. Da die Angst zuzunehmen bei den Betroffenen sehr stark ausgeprägt ist, erschwert das die Behandlung.

Während die meisten Betroffenen hoch motiviert sind, im Bereich der Essanfälle etwas zu ändern, ist die Bereitschaft zum Abbau des restriktiven Essverhaltens und der einen Essanfall kompensierenden Strategien (z.B. selbstinduziertes Erbrechen, Laxanzien-Abusus) nicht selten begrenzt. (…) Auch die Bereitschaft, mit der Essstörung einhergehende Gedanken und Gefühle offen zum Ausdruck zu bringen, ist zu Beginn der Behandlung – und zum Teil auch im gesamten Therapieprozess – ambivalent oder sogar sehr gering ausgeprägt.

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.: Ratgeber Essstörungen. Suchtmedizinische Reihe, Band 3.

Bulimie-Therapie: Ein Team von Spezialisten hilft

Um Bulimie zu behandeln, ist ein Team von Spezialisten notwendig. Ärzte, Psychotherapeuten und Ernährungsberater ergänzen und unterstützen sich gegenseitig. Durch das häufige Erbrechen können körperliche Schäden die Folge sein, zum Beispiel:

  • Magenerweiterungen
  • Magenruptur
  • Entzündungen der Speiseröhre
  • Herzprobleme
  • Nierenschäden

In solchen Fällen erfolgt die Therapie stationär in einer Klinik. Falls vorhanden, müssen auch Untergewicht und Mangelerscheinungen ausgeglichen werden. Oftmals kann Bulimie jedoch auch ambulant behandelt werden.

Zurück zu einem normalen Essverhalten

In der Therapie geht es in erster Linie darum, dass Betroffene wieder zu einem normalen Essverhalten zurückfinden. Dafür wird ein Essensplan erstellt, damit wieder mindestens drei regelmäßige Mahlzeiten am Tag eingenommen werden – ohne Heißhungerattacken oder Erbrechen. In der Klinik werden die Patienten oft in die Zubereitung des Essens eingebunden, damit sie den Umgang mit Lebensmitteln wieder positiv erleben können.

Viele Betroffene haben falsche Vorstellungen davon, was gesunde Ernährung bedeutet. In der Ernährungsberatung wird darauf geachtet, dass der Essensplan abwechslungsreich, ausgewogen und wirklich gesund ist. Auch das Führen eines Ernährungstagebuchs kann eine Hilfe sein, da Betroffene so ihr Essverhalten besser nachvollziehen können.

Ebenso werden emotionale und situative Auslöser der Essanfälle untersucht, um Strategien zu entwickeln, diesen vorzubeugen. Zudem lernen die Betroffenen, die als „verboten“ eingestuften Lebensmittel wieder in den Speiseplan mit aufzunehmen.

Bulimie behandeln: Verhaltenstherapie

Da Bulimie vielfältige Ursachen haben kann, ist es wichtig, die konkreten Gründe für die Essstörung herauszufinden. Typische Persönlichkeitsmerkmale von Menschen mit Bulimie sind zum Beispiel ein geringes Selbstwertgefühl und große Unsicherheit. Betroffene setzen sich selbst unter hohen Leistungsdruck. Auch tritt Bulimie oft in Verbindung mit Depressionen auf. Unter Umständen kann der Arzt begleitend Antidepressiva verordnen. 

Bulimie-Therapie: Ein realistisches Selbstbild entwickeln

In der Therapie geht es zudem darum, ein realistischeres Selbstbild zu entwickeln und die Schönheitsideale der Gesellschaft zu hinterfragen. Ebenfalls wichtig für die Behandlung ist es,  zu ergründen, was im Einzelfall die Essattacken hervorruft. Meist sind das belastende Situationen, für die in der Therapie alternative Verhaltensweisen gefunden werden können. Es gilt, Ängste abzubauen und das Selbstwertgefühl zu steigern.

Bei einer stationären Therapie können neben Einzel- und Gruppengesprächen auch weitere Ansätze wie zum Beispiel Bewegungs- oder Musiktherapie eine Hilfe sein, um innere Anspannung abzubauen und ein besseres Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln.

Bulimie besiegen - geht das?

Es ist möglich, die Bulimie erfolgreich zu behandeln und das Rückfallrisiko zu senken. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf Genesung. Unter Therapie verbessert sich das Leben vieler Bulimiker. Dennoch kann es bei der Ess-Bruch-Sucht Rückfälle geben. Umso wichtiger ist die psychologische Betreuung und die langfristige Veränderung von Verhaltensmustern. Auch eine Selbsthilfegruppe kann Betroffene langfristig unterstützen. Der entscheidende Schritt aber ist, sich fachkundige Hilfe zu suchen.

Aktuelle Untersuchungen zeigen eine Lebenszeitprävalenz von 1 bis 3% im deutschsprachigen Raum. Dabei liegt das Verhältnis von Frauen zu Männern bei 3:1. Die Erkrankung beginnt meist in der Adoleszenz und kann bei 1.1 bis 5.8% der Betroffenen über die Lebensspanne hinweg zum Tod führen.

Experten-Netzwerk Essstörungen Schweiz (ENES)

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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