Ursachen von Übergewicht sind vor allem ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel.
Adipositas •

Adipositas-Ursachen: So entsteht starkes Übergewicht

Übergewicht ist weit mehr als „Willensschwäche“. Die Ursachen von Adipositas sind vielfältig. Nicht nur ungesunde Essgewohnheiten und Bewegungsmangel gehören zu den Auslösern. Auch genetische Faktoren sowie psychische Ursachen spielen eine Rolle bei der Entstehung von Fettleibigkeit.

Übergewicht: überall Essen – das verführt

Überernährung spielt eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Übergewicht und Adipositas. Hochkalorische, schnelle Lebensmittel sind heute überall verfügbar und machen es schwer, zu widerstehen:

  • Essen „To Go“ hat sich etabliert.
  • Als Snacks gibt es Kuchen, Schokoriegel, Eis oder auch mal eine Wurst vom Imbiss.
  • In der Kantine locken herzhafte Gerichte von Pizza bis Schnitzel mit Pommes.
  • Abends essen gehen mit Freunden ist ein fester Bestandteil des sozialen Lebens geworden.
  • Fast Food stillt den Hunger zwischendurch.
  • Fertiglebensmittel unterstützen zuhause die schnelle Küche in stressigen Zeiten.

Hier den Überblick zu behalten, wie viele Kilokalorien jeden Tag gegessen werden, ist schwer. Und auch in Getränken steckt jede Menge Energie – im Saft genauso wie in Limonade. Wer Kaffee und Tee mit Zucker süßt, kommt ebenfalls schnell auf eine ordentliche Energiemenge.

Insbesondere der hohe Konsum zuckerhaltiger Getränke kann zu einer positiven Energiebilanz und in der Folge erhöhtem Körpergewicht sowie gesteigerten Krankheitsrisiken führen. Da zuckergesüßte Getränke keinen Sättigungseffekt haben, führt ihr Konsum leicht zu einer insgesamt zu hohen Energiezufuhr. Das erhöhte Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 durch den Verzehr zuckergesüßter Getränke besteht zudem auch unabhängig vom Einfluss auf die Energiebilanz.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Adipositas-Ursachen: zu wenig Bewegung bremst Stoffwechsel aus

So sehr die Aufnahme hochkalorischer Speisen gestiegen ist, so sehr ist der Anteil an Alltagsbewegung gesunken. Viele Menschen verbringen ihren Arbeitstag sitzend am Computer, fahren mit dem Auto nach Hause und verbringen den Abend gemütlich auf der Couch. Experten empfehlen pro Tag 10.000 Schritte zu gehen. Bei einem Orientierungswert von 1.000 Schritten in zehn Minuten wären das 1:40 Stunden Bewegung am Tag. Nur wenige schaffen das. Interessant zu wissen: Nach 500 Schritten haben Sie etwa einen Würfelzucker verbrannt.

Genetische Veranlagungen können eine Ursache von Adipositas sein.

Genetische Veranlagungen können eine Ursache von Adipositas sein.

Übergewicht: Welche Rolle spielen genetische Faktoren?

Auch die genetische Veranlagung spielt bei der Entwicklung von Übergewicht eine Rolle. Medizinern ist bekannt, dass einzelne dominante Gene in seltenen Fällen in der Lage sind, eine Adipositas auszulösen. Öfter aber spielen die Gene bei der Regulierung von Hunger und Sättigung eine Rolle. Zudem gibt es Gene, die darüber entscheiden, ob ein Mensch ein guter oder ein schlechter Nahrungsverwerter ist, also die Energie aus der aufgenommenen Nahrung gut oder schlecht herausziehen kann. Die Forschung hat zudem Gene entdeckt, die die Fettverteilung mit beeinflussen. Es können also verschiedene genetische Einflussgrößen auf das Gewicht einwirken.

Übergewicht und Psyche: Stress- und Frustesser nehmen eher zu

Psychische Faktoren gehören ebenfalls zu den Ursachen von Übergewicht. So neigen viele Menschen dazu, in stressigen, frustrierenden und emotional schweren Situationen vermehrt zu essen. Ein Grund: Unter Stress bildet der Körper das Stresshormon Cortisol, das das Verlangen nach Essen steigert.

Hinzu kommt, dass bei Stress oft keine Zeit bleibt, selbst zu kochen oder sich Zeit für das Essen zu nehmen. Viele essen schnell etwas „zwischen Tür und Angel“, bevor es zum nächsten Termin weitergeht. Schnell soll es gehen und gut schmecken. Viele bleiben am Imbissstand, beim Fast Food-Restaurant oder beim Bäcker stehen.

Wer schnell isst und keine Zeit hat, sein Sättigungsgefühl wahrzunehmen, isst zudem mehr. Interessant zu wissen: Das Sättigungsgefühl tritt nach etwa 15 Minuten ein. Wer hastig sein Essen verschlingt, hat in dieser Zeit bereits Unmengen gegessen, bis er seine Sättigung wahrnimmt. Eine kleinere Portion hätte vielleicht genauso satt gemacht.

Machen Depressionen Übergewicht?

Experten zufolge können auch depressive Verstimmungen das Gewicht in die Höhe treiben. Bei Depressiven ist der Serotoninspiegel niedrig. Serotonin ist ein Botenstoff im Gehirn, der den Appetit beeinflusst. Wenig Serotonin macht mehr Hunger und begünstigt Heißhungerattacken.

Zwischen Adipositas und Depression dreht sich ein Teufelskreis: Adipositas kann zu Depressionen führen, und umgekehrt besteht bei depressiver Stimmungslage die Gefahr einer gesteigerten Nahrungszufuhr.

Diabetesinformationsdienst München am Helmholtz Zentrum München

Zwei Essstörung begünstigen Übergewicht

Übergewicht kann auch die Folge einer Essstörung sein. Bei der Binge-Eating-Störung verschlingen Betroffene innerhalb kurzer Zeit unkontrolliert große Mengen an Essen – bis zu 5.000 Kilokalorien und mehr. Sie können erst dann aufhören, wenn ihr Bauch schmerzt. Gewichtsregulierende Maßnahmen führen sie keine durch. Sie nehmen somit an Gewicht zu.

Eine Gewichtszunahme kann auch bei Bulimia nervosa, kurz Bulimie oder Ess-Brech-Sucht, beobachtet werden. Meist sind die Betroffenen aber normalgewichtig. Sie haben zwar genau wie Binge-Eating-Betroffene Essattacken, doch sie versuchen diese auszugleichen. Sie erbrechen das Essen, nehmen Abführ- und Entwässerungsmittel ein oder betreiben exzessiv Sport. Dennoch kann auch bei ihnen eine Gewichtszunahme stattfinden.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Ann-Kathrin Landzettel
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