Fettansammlungen am Bauch sind ein Kennzeichen von Adipositas (Fettleibigkeit).
Adipositas •

Adipositas: Ist Fettleibigkeit eine Essstörung?

Adipositas, auch Fettleibigkeit oder Fettsucht genannt, beschreibt starkes Übergewicht, bedingt durch eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper. Gesundheitlich riskant ist vor allem Bauchfett. Starkes Übergewicht selbst ist keine Essstörung – kann aber die Folge einer Essstörung sein.

Ist Übergewicht eine Essstörung?

Adipositas ist keine Essstörung. Allerdings kann die übermäßige Fettansammlung im Körper die Folge einer Essstörung sein. So sind Betroffene einer Binge-Eating-Störung häufig adipös. Sie haben wiederkehrende Essanfälle, bei denen sie 5.000 Kilokalorien und mehr innerhalb kurzer Zeit verschlingen. In Folge der Binge-Eating-Störung nehmen sie immer mehr an Gewicht zu.

Menschen mit einer Binge-Eating-Störung ergreifen nach den Essanfällen keine Maßnahmen, um wieder abzunehmen. Deshalb sind sie sehr oft leicht oder stark übergewichtig. Das heißt aber nicht, dass alle Menschen mit Übergewicht an Binge Eating leiden. Von denen, die an Abnehmprogrammen teilnehmen, haben rund 15 bis 30 Prozent diese Störung.

Bundesgesundheitsministerium

Wann ist man adipös?

Übergewicht fängt mit einem Body-Mass-Indix (BMI) von 25 an. Von Adipositas (Fettleibigkeit) sprechen Mediziner dann, wenn der BMI über 30 liegt. Generell unterscheiden Experten drei Grade der Adipositas:

  • BMI 30-34,9 kg/m²: Adipositas Grad I
  • BMI 35-39,9 kg/m²: Adipositas Grad II
  • BMI > 40 kg/m²: Adipositas Grad III 

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland übergewichtig, fast ein Viertel ist adipös.

Eine der Folgen von Adipositas ist die enorme Belastung der Knochen.

Eine der Folgen von Adipositas ist die enorme Belastung der Knochen.

Sie können Ihren Body-Mass-Index (BMI) mit folgender Formel berechnen:

 

Körpergewicht (in Kilogramm) : Körpergröße (in Metern)2

 

Beispiel: Sie sind 1,80 groß und wiegen 90 Kilogramm. Sie rechnen 1,80 x 1,80 = 3,24. Dann 90 : 3,24= BMI 27,7.

Der BMI ist die Methode, um den Ernährungszustand zu bewerten und hat sich in Expertenkreisen durchgesetzt. Er ist allerdings nur eine grobe Orientierung, da er nicht das Verhältnis von Körperfett- und Muskelmasse berücksichtigt. Auch die Verteilung des Körperfetts und das Alter sind nicht berücksichtigt.

Bauchfett zeigt Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen an

Da aber vor allem Bauchfett (viszerales Fett) und Fett an den inneren Organen als gesundheitskritisch gilt, wird zusätzlich dem Bauchumfang große Beachtung geschenkt. Bei Frauen sollte der Wert für den Bauchumfang unter 80 Zentimetern und bei Männern unter 94 Zentimetern liegen.

Werte von über 88 Zentimetern bei Frauen und über 102 Zentimetern bei Männern gelten als gesundheitlich sehr bedenklich und gehen unter anderem mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkbeschwerden und Diabetes mellitus einher.

Geschlecht

Erhöhtes Risiko

Stark erhöhtes Risiko

Männer

94  - 102 cm

> 102 cm

Frauen

80  - 88 cm

> 88 cm

 

Inneres Bauchfett (Körperform Apfeltyp) beeinflusst den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel besonders ungünstig und fördert Entzündungsprozesse im Körper. Fettansammlungen an Hüfte, Po und Oberschenkeln (Körperform Birnentyp) hingegen gelten als risikoärmer.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkannte 1997 die Adipositas (Fettsucht) als eigenständige Krankheit an und bezeichnet Übergewicht und Fettsucht als die globale Epidemie des 21. Jahrhunderts. Auch die DGE bezeichnet das „zu viel“ auf der Waage als Volkskrankheit.

Adipositas: Ursachen von Fettleibigkeit

Die Fettansammlungen im Körper entstehen durch eine zu große Kalorienaufnahme. Bekommt der Körper mehr Energie zugeführt, als er verbraucht, speichert er das Energieplus in Form von Fett im Gewebe. Benötigt der Körper mehr Kalorien, als er bekommt, greift er zu den Fettreserven. Wir nehmen ab.

Es gibt viele Ursachen für Übergewicht:

  • übermäßige Kalorienzufuhr
  • ungesunde Ernährung (sehr fett-, zucker- und kohlenhydratreich)
  • Heißhungerattacken
  • fehlendes Sättigungsgefühl
  • Essen als „Tröster“ bei emotional schwierigen Themen
  • Essen als Stressbewältigung
  • unregelmäßige Mahlzeiten
  • häufiger Konsum von Fertig-Lebensmitteln und Fast Food
  • häufiges Naschen
  • Alkoholkonsum
  • zu wenig Bewegung
  • Erkrankungen wie beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen
  • genetische Veranlagung
  • Einnahme von Medikamenten wie Kortison, Psychopharmaka oder Hormone

Adipositas: Symptome der Fettleibigkeit

Starkes Übergewicht mit Fettansammlungen im Gewebe ist das Hauptsymptom von Adipositas. Betroffene essen zu viele Kalorien pro Tag in Form von hochkalorischen Lebensmitteln. Die Bewegungsfähigkeit ist bei starkem Übergewicht eingeschränkt. Betroffene sind körperlich in der Regel inaktiv. Viele schämen sich für ihr Übergewicht und ziehen sich sozial zurück.

Die gesundheitlichen Folgen von Übergewicht

Eine langfristige Adipositas hat Auswirkungen auf die Gesundheit. Übergewicht fördert die Entstehung verschiedener Stoffwechselerkrankungen. Mediziner sprechen vom sogenannten Metabolischen Syndrom, auch „Tödliches Quartett“.

Beim metabolischen Syndrom sind

  • der Blutdruck erhöht,
  • die Blutzuckerwerte erhöht,
  • der Fettstoffwechsel gestört,
  • Fettansammlungen im Gewebe.

Das begünstigt Erkrankungen. Zu den metabolischen Erkrankungen zählen:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall
  • die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus
  • Arteriosklerose (Ablagerungen in den Gefäßen)

Nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Internisten e.V. (BDI) leiden in Deutschland etwa 30 bis 35 Prozent der Bevölkerung am Metabolischen Syndrom.

Weitere Folgen von Übergewicht sind eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit, Gelenkprobleme und Atembeschwerden. Zudem erhöht starkes Übergewicht das Risiko für Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit und fördert so die Entwicklung von Demenzerkrankungen wie Alzheimer.

Adipositas: Starkes Übergewicht behandeln

Übergewicht behandeln lässt sich am besten mit einer Ernährungsumstellung in Kombination mit mehr Bewegung. Spielen Erkrankungen bei der Entstehung des Übergewichts eine Rolle, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion, sollten diese behandelt werden. Eine psychologische Beratung ist dann sinnvoll, wenn Essen zur Bewältigung negativer Gefühle oder als Belohnungsfaktor dient. Über operative Maßnahmen wie etwa die Verkleinerung des Magens kann in extremen Fällen von Adipositas angedacht werden.

Wer zu schnell abnimmt, nimmt schnell wieder zu

Von einseitigen und extremen Diäten (Crash-Diäten) raten Ernährungsexperten ab, da diese nur schwer durchzuhalten sind, Heißhungerattacken begünstigen und zum Jo-Jo-Effekt führen. Vom Jo-Jo-Effekt sprechen Experten, wenn die durch eine Diät verlorenen Kilos nach kurzer Zeit wieder auf den Hüften landen – und meist sogar noch zusätzliche Kilos folgen. Der Grund: Während einer Reduktionsdiät nehmen viele zu wenige Kalorien auf. Für den Körper ist das Stress. Er vermutet eine Hungersnot.

In Folge fährt er den Stoffwechsel herunter und läuft auf Sparflamme. Wir nehmen schwerer ab. Essen wir wieder normal, beginnt der Körper zu speichern – für die nächste Hungerphase. Und schon sind die Kilos wieder drauf. Zudem kehren viele wieder zu den alten Essgewohnheiten zurück – was die Gewichtszunahme zusätzlich fördert.

Wer seine Ernährung dauerhaft umstellt und langsam abnimmt, kann den Jo-Jo-Effekt umgehen. Experten raten, pro Tag nicht mehr als 500 Kilokalorien unter dem täglichen Bedarf zu liegen. Zur Orientierung: Bei einer gesunden Diät verliert man pro Woche ein halbes Kilogramm. Wer zudem regelmäßig Sport treibt, baut Muskelmasse auf, puscht seinen Stoffwechsel und verbrennt Kalorien.

Übergewicht vorbeugen

Besser als Übergewicht zu bekämpfen, ist es, Übergewicht zu vermeiden. Wer im Alltag einige Regeln beachtet, kann eine zu hohe Kalorienzufuhr vermeiden. Übergewicht vorbeugen lässt sich durch:

  • gesunde und ausgewogene Ernährung
  • regelmäßige Bewegung im Alltag
  • sportliche Aktivität
  • aktive Lebensgestaltung
  • Essen nicht als Belohnung betrachten
  • selbst kochen
  • regelmäßige Mahlzeiten einnehmen
  • gesunde Zwischensnacks essen
  • fett- und zuckerreiches Naschwerk reduzieren

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Ann-Kathrin Landzettel
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