Erkältung vorbeugen: "Nasenspülungen sind sehr zu empfehlen"
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Erkältung vorbeugen: "Nasenspülungen sind sehr zu empfehlen"

Draußen nass und kalt, drinnen trockene Heizungsluft: Im Herbst und Winter steigt das Erkältungsrisiko. Doch wer die richtigen Vorsorgemaßnahmen trifft, kann sich bis zu einem gewissen Grad vor Ansteckung schützen. Klaus Schäfer, praktizierender Hausarzt und Vizepräsident der Ärztekammer Hamburg, weiß, wie sich Erkältungsfallen im Alltag ganz einfach vermeiden lassen. Der Experte für Allgemeinmedizin beschäftigt sich seit vielen Jahren unter anderem mit grippalen Infekten und deren Behandlung.

Gelbe Seiten:Jetzt schnupft und schnieft es wieder überall. Was kann ich tun, um mich nicht anzustecken?

Klaus Schäfer: In den kalten Monaten kommt es darauf an, dass man sich sowohl aktiv als auch passiv schützt. Regelmäßiges Händewaschen ist unerlässlich: nach dem Toilettengang, vor dem Essen und auch zwischendurch immer wieder mal. Das muss nicht mit Desinfektionsmittel geschehen, aber mit Seife und es sollte gründlich sein. Gerade die Daumen werden gerne vergessen oder die Zwischenräume. Und vorbeugend ist es sehr zu empfehlen, zweimal täglich eine Nasenspülung mit einer 0,9-prozentigen Salzlösung vorzunehmen. Am besten mit einer Nasendusche aus der Apotheke. Dazu mischt man neun Gramm Kochsalz mit einem Liter gut abgekochtem Wasser. Mit Salzwasser zu gurgeln, kann ebenfalls nicht schaden.

Gelbe Seiten: Immer wieder raten Mediziner, unbedingt ausreichend zu trinken. Ist das wirklich so wichtig?

Schäfer: Ja, denn Trinken regt die Schleimproduktion an. Und der Schleim ist wichtig, um Erkältungen zu verhindern. Das darf auch gerne zwischendurch mal ein süßes Getränk sein, da der Zucker die Schleimproduktion besonders fördert. Besonders gut wirkt hier unbehandelter Imkerhonig, der zusätzliche Abwehrstoffe mit sich bringt. Der Honig sollte dann aber erst in den trinkfertigen Tee gegeben werden, kochendes Wasser würde die Stoffe zerstören.

Gelbe Seiten: Und was kann ich tun, um mich passiv zu schützen?

Schäfer: Sie sollten sehen, dass Sie typische Erkältungsfallen vermeiden. Es ist heutzutage ja nicht mehr zwingend notwendig, jemandem die Hand zu geben. Das kann schon helfen, um einer möglichen Infektion aus dem Weg zu gehen. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, ist im Nachteil. Solche Menschenansammlungen sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Zudem sollten Sie zusehen, sich nicht ins Gesicht zu fassen und schon gar nicht die Augen zu reiben. Dann gelangt ein Virus schnell über den Tränenkanal in die Atemwege.

Gelbe Seiten: Welche Rolle spielt die Ernährung, um sich vor Erkältungen zu schützen?

Schäfer: Gesundes Essen ist immer zu empfehlen. Viel Gemüse und Zitrusfrüchte sind jedoch vor allem im Winter essenziell, um Erkältungen vorzubeugen. Und auch die berühmte, frisch gekochte Hühnerbrühe ist ein sinnvolles Hausmittel – auch wenn man nicht genau weiß, wie und warum sie eigentlich gegen Erkältungen wirkt.

Gelbe Seiten: Viele Menschen schwören auf Zusatzpräparate wie Zink und Vitamin C ...

Schäfer: Wer unbedingt will, kann so etwas zusätzlich einnehmen. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist es aber eigentlich überflüssig. Und man muss aufpassen, denn überdosiert haben diese Stoffe auch Nebenwirkungen. Generell ist es besser, sich die Vitamine und Spurenelemente über die Nahrung zuzuführen.

Gelbe Seiten: Wie sieht es mit Saunagängen zur Vorbeugung aus?

Schäfer: Saunagänge empfehle ich nur Menschen, die das ganze Jahr über in die Sauna gehen. Und die sollten dann auch die kalte Dusche im Anschluss nicht auslassen, da erst der Wechsel von warm auf kalt das Immunsystem trainiert. Wer mit Saunagängen jedoch erst in der Erkältungszeit anfängt, setzt seinen Körper zusätzlichem Stress aus. Besser sind da warme Wannenbäder. Sowohl zur Vorbeugung als auch therapeutisch – denn diese können die Körpertemperatur sowohl nach oben als auch nach unten korrigieren.

Gelbe Seiten: Und wie sollte ich mich verhalten, wenn es mich doch erwischt hat? Wie werde ich eine Erkältung schnell wieder los?

Schäfer: Dann sollten Sie die Nasenschleimhaut mit einer Salbe pflegen, die den Wirkstoff Dexpanthenol enthält. In diesem Schutzfilm fühlen sich Viren äußerst unwohl. Hochziehen ist zudem besser als Ausschnäuzen. Bei Ersterem holen wir den Schleim mit Unterdruck aus Nasengängen und Nebenhöhlen, bei Letzterem arbeiten wir mit Druckluft und pressen den Schleim zurück in die Höhlen. Und auch die alte Regel, die Hand beim Niesen vor die Nase zu halten, ist falsch. Erkältete Menschen sollten in den Unterarm niesen, damit die Ansteckungsgefahr über den Händedruck oder die Türklinke nicht so groß ist.

Gelbe Seiten: Und wann ist der Griff zu einem Antibiotikum nötig?

Schäfer: Eine Erkältung ist in den meisten Fällen ein Virusinfekt. Dagegen hilft kein Antibiotikum, es zögert den Heilungsverlauf oft sogar hinaus. Erst, wenn zusätzlich Bakterien beteiligt sind, macht es Sinn, über eine Antibiotikatherapie nachzudenken.

Gelbe Seiten: Haben Sie sonst noch einen Tipp, wie ich Ansteckungen vermeiden kann?

Schäfer: Achten Sie darauf, dass Sie ausreichend Schlaf bekommen. Ihr Immunsystem wird es Ihnen danken.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Profilbild von Dr. Klaus Schäfer
Experte/-in
Dr. Klaus Schäfer

Hausarzt Klaus Schäfer praktiziert bereits seit 38 Jahren und hat in seiner Praxis regelmäßig mit erkälteten Menschen zu tun.

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