Bei etwa zweieinhalb Prozent aller Schwangerschaften tritt ein Schwangerschaftsdiabetes auf. In vielen Fällen bleibt der erhöhte Blutzuckerspiegel während der Schwangerschaft jedoch unbemerkt, da diese Form von Diabetes wenig typische Symptome aufweist. Da die Folgen für das Kind allerdings gravierend sein können, zeigen wir Ihnen, auf welche Anzeichen Sie achten müssen.
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Schwangerschaftsdiabetes: Anzeichen und Ursachen

Bei etwa zweieinhalb Prozent aller Schwangerschaften tritt ein Schwangerschaftsdiabetes auf. In vielen Fällen bleibt der erhöhte Blutzuckerspiegel während der Schwangerschaft jedoch unbemerkt, da diese Form von Diabetes wenig typische Symptome aufweist. Da die Folgen für das Kind allerdings gravierend sein können, zeigen wir Ihnen, auf welche Anzeichen Sie achten müssen.

Ursachen für Schwangerschaftsdiabetes

Es gibt nicht viele konkrete Risikofaktoren, die das Auftreten eines Schwangerschaftsdiabetes wahrscheinlich machen. Zu den wenigen und sehr unspezifischen Faktoren zählen jedoch, ähnlich wie bei Diabetes mellitus Typ 2, starkes Übergewicht, eine falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Es wird jedoch vermutet, dass auch eine genetische Veranlagung zur Zuckerkrankheit hinzukommen muss, da zahlreiche Frauen trotz gegebener Risikofaktoren während der Schwangerschaft nicht an Schwangerschaftsdiabetes erkranken.

Bei Schwangeren in einem Alter von über 30 Jahren und bei Müttern, die bereits ein Baby mit einem Geburtsgewicht von mehr als 4000 Gramm auf die Welt gebracht haben, besteht ein größeres Risiko, dass es zu einem Schwangerschaftsdiabetes kommt. Auch, wenn die Zuckerstoffwechselstörung schon bei einer früheren Schwangerschaft aufgetreten ist, steigt das Risiko einer erneuten Erkrankung. Betroffene sollten sich streng an die Ernährungsempfehlungen des Arztes halten und in regelmäßigen Abständen ihren Blutzuckerspiegel überprüfen lassen.

Wechselwirkungen von Schwangerschaftshormonen und Insulin

Die Schwangerschaftshormone Östrogen und Progesteron und die Plazentahormone HCG und HPL verändern den Körper stark. Unter anderem erhöhen sie den Blutzuckerspiegel, da sie dafür sorgen, dass dem Körper mehr Energie in Form von Glukose (Zucker) zu Verfügung gestellt wird. Frauen benötigen daher während der Schwangerschaft mehr Insulin als sonst. Im Normalfall reagiert der Organismus auf diesen gesteigerten Bedarf, indem die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin ausschüttet. Ist die Bauchspeicheldrüse während der Schwangerschaft jedoch nicht in der Lage, mehr Insulin herzustellen, bleibt der Blutzuckerspiegel bei den Betroffenen anhaltend auf einem hohen Level. Es entwickelt sich der Schwangerschaftsdiabetes.

Zu den weiteren Ursachen für die Stoffwechselstörung zählt, dass bei einigen Frauen die Körperzellen nicht ausreichend auf das Insulin reagieren. Gelangt nun die zusätzliche Glukose ins Blut, muss sie eigentlich vom Insulin zur Verarbeitung in die Zellen transportiert werden. Reagieren die Zellen aber weniger gut auf das Insulin, verbleibt der Zucker in der Blutbahn. Das Ergebnis ist dasselbe wie bei einer zu geringen Insulinausschüttung: Der Blutzuckerspiegel ist über einen langen Zeitraum hinweg zu hoch.

Da nach der Schwangerschaft wieder weniger Insulin benötigt und auch weniger Glukose freigesetzt wird, verschwindet die Krankheit in den meisten Fällen nach der Geburt von allein wieder. Trotzdem muss sie während der Schwangerschaft dringend behandelt werden.

Schwangerschaftsdiabetes: Diese Symptome ernst nehmen

Der Schwangerschaftsdiabetes wird bei vielen Frauen deshalb nicht diagnostiziert, weil es nicht immer eindeutige Anzeichen dafür gibt. Geht zum Beispiel der Diabetes mellitus Typ 2 mit starkem Durst und häufigem Wasserlassen einher, treten diese Symptome bei der Stoffwechselstörung während der Schwangerschaft nicht auf. Ein Anzeichen kann allerdings sehr häufiges Erbrechen (Hyperemesis gravidarum) in den ersten Schwangerschaftsmonaten sein. Auch wächst das Risiko für Harnwegsinfektionen bei der Schwangeren. Schwangere sollten gegebenenfalls ihren Arzt auf das Thema ansprechen. Bei Bedarf stellt er die Höhe des Blutzuckerspiegels fest und führt einen Glukosetoleranztest durch.

Heftige Kopfschmerzen in der Schwangerschaft ernst nehmen

Ein unentdeckter Schwangerschaftsdiabetes kann für Mutter und Kind gefährlich werden. Zu den Symptomen eines Schwangerschaftsdiabetes zählen unter anderem:

  • Bluthochdruck
  • Eiweißausscheidungen
  • Wassereinlagerungen
  • Krampfanfällen

 

Auch bei alarmierenden Anzeichen wie heftigen Kopfschmerzen, starken Schmerzen im rechten Oberbauch sowie Sehstörungen sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Dieser untersucht neben diesen akuten Symptomen auch den Blutzuckerspiegel.

Schwangerschaftsdiabetes: Risiko für Mutter und Kind

Durch den Schwangerschaftsdiabetes wird die Plazenta weniger gut durchblutet, wodurch die Ernährung des Fötus erschwert wird. Häufig bildet sich mehr Fruchtwasser als sonst, was bei der Mutter zu Spannungsschmerzen führt. Auch kann für sie die Atmung schwieriger und die Essensaufnahme problematisch werden, da die Gebärmutter noch mehr Platz im Körper beansprucht. Stellen werdende Mütter derartige Anzeichen bei sich fest, sollten sie schnell handeln: Ein Kind, dessen Mutter an einem unentdeckten Schwangerschaftsdiabetes leidet, wächst zwar meist sehr stark und kommt mit einem hohen Geburtsgewicht auf die Welt, doch leidet es häufig an deutlichen Entwicklungsstörungen. Diese betreffen vor allem die Lunge und führen oft zum Atemnotsyndrom, das zu den häufigsten Todesursachen bei Neugeborenen zählt.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Sascha Müller
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