Diagnose Diabetes – und jetzt?

Seltene Formen: Was ist Diabetes Typ 3?

Die Formen 1 und 2 der Zuckerkrankheit sind weithin bekannt, doch von Diabetes Typ 3 haben nur die wenigsten Menschen etwas gehört. Das liegt vor allem daran, dass es sich nicht um ein einheitliches Krankheitsbild handelt, sondern um die Zusammenfassung mehrerer verschiedener Auslöser für die Diabetes-Erkrankung.

Diabetes Typ 3 ist extrem selten

Die bei Weitem am häufigsten auftretende Diabetes-Art ist der Typ 2, also ein Wirkungsverlust des Insulins. An ihm leiden etwa 90 Prozent aller von der Zuckerkrankheit betroffenen Patienten. Diabetes Typ 1, also ein Insulinmangel, kommt nur in rund fünf Prozent aller Fälle vor, und manche Ärzte bezeichnen Schwangerschaftsdiabetes auch als Typ 4. Es bleiben also nur sehr wenige Fälle übrig, in denen Diabetes Typ 3 überhaupt diagnostiziert werden kann. Häufig werden die entsprechenden Erkrankungen aber auch fälschlich einem anderen Typ zugeordnet.

MODY-Diabetes und weitere genetische Erkrankungen

Unter dem sogenannten MODY-Diabetes, der zu Diabetes Typ 3 zählt, versteht man einen genetischen Defekt der Betazellen in der Bauchspeicheldrüse, der dafür sorgt, dass sie nicht richtig arbeiten können. MODY steht für “Maturity Onset Diabetes of the Young”, also etwa “Altersdiabetes bei jungen Menschen”. Dieser Auslöser ist nur durch einen Gentest festzustellen. Oft genug wird dieser Diabetes fälschlich als Typ 1 diagnostiziert, da er häufig schon in einem sehr jungen Alter festgestellt wird.

Aber auch andere genetische Syndrome stehen im Verdacht, mitursächlich für die Zuckerkrankheit zu sein, etwa das Down-Syndrom. Die Zusammenhänge sind bislang noch nicht genau geklärt. Es wurde lediglich beobachtet, dass bei Menschen mit Trisomie 21 der Diabetes häufiger auftritt als im Durchschnitt. Außerdem gibt es noch weitere, sehr seltene genetische Erkrankungen, die Diabetes Typ 3 begünstigen. Sie sorgen dafür, dass der Körper das Insulin nicht richtig verwerten kann, also eine Resistenz besteht. So kommt es zu sehr hohen Blutzuckerspiegeln. Zu diesen Erkrankungen gehören der Lipatrophische Diabetes und das Insulinresistenz-Typ-A-Syndrom.

Erkrankungen verschiedener Art

Wird die Bauchspeicheldrüse durch Krankheiten beeinträchtigt, kann sie oft ebenfalls nicht mehr genug Insulin produzieren. Vor allem Krebs, aber auch Entzündungen können so Auslöser für Diabetes Typ 3 werden. Letztere kommen zum Beispiel durch Infektionskrankheiten wie die angeborene Rötelninfektion oder die Zytomegalievirus-Infektion zustande. Bei der Eisenspeicherkrankheit wird zu viel Eisen vom Körper absorbiert und schließlich in den Organen abgelagert – auch in der Bauchspeicheldrüse, die dadurch in ihrer Funktion eingeschränkt wird.

Es wurde außerdem ein Zusammenhang zwischen Diabetes Typ 3 und dem Wolfram Syndrom beobachtet. Bei dem Syndrom handelt es sich um eine extrem selten auftretende neurodegenerative Erkrankung. Auch die Akromegalie begünstigt den Ausbruch der Zuckerkrankheit: Das hier laufend ausgeschüttete Wachstumshormon sorgt für einen stets leicht erhöhten Blutzuckerspiegel, was die Insulinproduktion anregt, und gleichzeitig für eine wachsende Insulinresistenz der Körperzellen. Gefährlich ist auch eine Infektion durch Coxsackie-Viren: Das Immunsystem bildet Antikörper dagegen, die allerdings einem Enzym der Betazellen in der Bauchspeicheldrüse recht ähnlich sind. Entsprechend verwechseln die Antikörper das Virus unter Umständen mit den Betazellen und gehen gegen diese vor.

Störungen im Stoffwechsel

Eine der Stoffwechselstörungen, die Diabetes Typ 3 mit auslösen können, ist eine Schilddrüsenüberfunktion. Sind die Werte zu hoch, steigt die Wahrscheinlichkeit für die Erkrankung. Auch das Cushing-Syndrom, bei dem der Körper zu viel Kortison produziert, kann ein Auslöser dafür sein: Kortison sorgt als Stresshormon dafür, dass laufend Energie freigesetzt wird. Der Blutzuckerspiegel ist immer leicht erhöht und die Insulinproduktion läuft stets auf Hochtouren. Die Körperzellen stumpfen schließlich ab und können das Insulin weniger gut aufnehmen.

Im Rahmen einer Mukoviszidose werden die Sekrete im Körper zähflüssig. Das gilt auch für die Verdauungsenzyme, die in der Bauchspeicheldrüse produziert werden und sie im zähflüssigen Zustand verkleben können. Eine chronische Entzündung kann die Folge sein, die die Produktion von Insulin beeinträchtigt und so zur Krankheit führt.

Diabetes Typ 3 durch Autoimmunerkrankungen

Der sogenannte LADA-Diabetes ist dem Diabetes Typ 1 nicht unähnlich, allerdings tritt er nicht bei Kindern und Jugendlichen, sondern erst später im Erwachsenenalter auf. LADA steht für “Late Autoimmune Diabetes with Adult onset”. Auch bei dieser Form werden die Betazellen, die Insulin produzieren, vom Immunsystem angegriffen, was zu einem absoluten Insulinmangel führt. Auch das Stiff-Man-Syndrom gehört zu den Autoimmunkrankheiten, die Diabetes Typ 3 auslösen können. Die Diagnose dieser seltenen Formen der Zuckerkrankheit ist auch deshalb nicht einfach, weil es häufig mehrere Auslöser gibt, die gleichzeitig wirksam werden.

Sollte bei Ihnen der Verdacht auf Diabetes bestehen, wenden Sie sich an einen Spezialisten. Ansprechpartner in Ihrer Nähe finden Sie direkt unter diesem Artikel.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Svenja Hauke
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