Ratgeber: Depressionen

Depression: Behandlung der psychischen Erkrankung

Was tun gegen Depressionen? Bei einer Depression wird die Behandlung in der Regel individuell auf den Patienten abgestimmt. Dabei werden mehrere Methoden und Mittel kombiniert, um dem Betroffenen bestmöglich zu helfen. Welche Therapien und Ansätze dabei zum Einsatz kommen können, lesen Sie hier.

Behandlung von Depressionen: Die zwei Säulen der Therapie

Depressionen können verschiedenste Ursachen und Ausprägungen haben. Dementsprechend muss die Behandlung der Krankheit auf die persönliche Situation des jeweiligen Patienten abgestimmt werden. Dafür stehen zwei Hauptsäulen der Behandlung von Depressionen zur Verfügung: die Therapie mit Medikamenten, sogenannten Antidepressiva, und die Psychotherapie in Form von Gesprächen mit einem entsprechend ausgebildeten Therapeuten.

Darüber hinaus gibt es ein Spektrum von ergänzenden Methoden wie zum Beispiel verschiedene Bewegungstherapie, Lichttherapie oder Maßnahmen zur Selbsthilfe, die in Kombination mit Psychotherapie oder Medikamentengabe zum Einsatz kommen können.

Bei schweren Depressionen kann es sein, dass eine ambulante Behandlung mit Medikamenten oder einer Gesprächstherapie nicht ausreicht. Dann kann eine stationäre Behandlung nötig sein – in der Regel findet diese in einer Klinik für Psychotherapie, Psychiatrie oder Psychosomatik statt

 Akute suizidale Gedanken

Auch akute suizidale Gedanken können Symptom einer Depression sein. Wenn Sie unter entsprechenden Gedanken leiden oder diese bei einem Angehörigen beobachten, sollten Sie dies unbedingt ernst nehmen. Erste Hilfe für suizidgefährdete Personen bieten der Notruf (112) oder die Telefonseelsorge (0  800 1110111 oder 0 800 111 0 222).

Behandlung von Depressionen mit Medikamenten

Bei mittelschweren oder schweren Depressionen kann es sein, dass es den Betroffenen nicht möglich ist, die depressiven Gedanken und schädlichen Verhaltensweisen ohne Medikamente zu überwinden.

Das liegt daran, dass der Stoffwechsel im Gehirn bei schwer Depressiven aus dem Gleichgewicht geraten ist. Antidepressiva wirken, indem sie den Stoffwechsel im Gehirn wieder normalisieren.

Die Medikamente wirken auf die Botenstoffe, die Reize im Gehirn weiterleiten und dadurch die Stimmung des Patienten beeinflussen. In der Regel werden Antidepressiva in Kombination mit psychotherapeutischen Maßnahmen angewendet.

Zu den häufig verschriebenen Arten von Antidepressiva gehören:

  • TZA und TeZA (trizyklische bzw. tetrazyklische Antidepressiva)
  • SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer)

So wirkt Psychotherapie gegen Depressionen

In regelmäßigen Gesprächen mit einem Therapeuten arbeiten Menschen mit Depressionen daran, ihre negativen Gedankenmuster abzubauen und zu verändern. Die Sitzungen können im Einzelgespräch oder in der Gruppe erfolgen und finden in der Regel ein bis zwei Mal in der Woche statt.

Es gibt verschiedene Ansätze der Psychotherapie, die sich in zwei Grundschemata gliedern:

  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Tiefenpsychologie Therapie

Mit kognitiver Verhaltenstherapie negative Denkmuster behandeln

Ziel der kognitiven Verhaltenstherapie ist, die starken Selbstzweifel, Schuldgefühle und Angstzustände bei einer Depression zu behandeln. Dabei versucht der Arzt gemeinsam mit dem Patienten, negative Denkmuster und schädliche Verhaltensweisen aufzudecken.

Anschließend hilft der Therapeut dem Patienten dabei, diese negativen Denkmuster zu durchbrechen. Auf diese Weise kann es gelingen, dass Betroffene wieder ein Gespür für schöne Erlebnisse bekommen und diese entsprechend positiv wahrnehmen. Dies kann dabei helfen, das Gefühl innerer Leere und Antriebslosigkeit zu reduzieren.

Zudem unterstützt der Arzt den Betroffenen dabei, die ungesunden Verhaltensweisen abzulegen und sich Gewohnheiten anzueignen, die die Depressionssymptome lindern. In leichteren Fällen genügt diese Form der Therapie oft schon. In schwereren Fällen empfiehlt es sich, die kognitive Verhaltenstherapie mit Medikamenten zu kombinieren.

In der kognitiven Verhaltenstherapie erarbeiten Therapeut und Patient gemeinsam Lösungsmöglichkeiten.

In der kognitiven Verhaltenstherapie erarbeiten Therapeut und Patient gemeinsam Lösungsmöglichkeiten.

Depressionen Behandeln: iefenpsychologische Therapie geht der Depression auf den Grund

Neben der kognitiven Verhaltenstherapie gibt es tiefenpsychologische Therapiekonzepte, die Menschen mit Depressionen helfen können. Entwickelt haben sich diese Ansätze aus der Psychoanalyse heraus, deren Begründer Sigmund Freud war.

Die Ursache für die psychische Erkrankung wird dabei in unbewussten, inneren Konflikten gesehen, die durch schlechte Erfahrungen in Kindheit und Jugend entstanden sind. In der Therapie versuchen Arzt und Patient gemeinsam, diese Konflikte zu erkennen, sie sich bewusst zu machen und sie schließlich aufzulösen.

Im Wesentlichen werden zwei Konzepte unterschieden: die „klassische“ Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.

  • Die Psychoanalyse beschäftigt sich vor allem mit vergangenen Konflikten und zielt darauf ab, diese aufzuarbeiten, damit der Patient Konflikte der Gegenwart und Zukunft besser bewältigen kann.
  • Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie konzentriert sich mehr auf die Gegenwart und auf die zwischenmenschlichen Beziehungen des Patienten. Belastende Erfahrungen in Beziehungen werden als Hauptursache für die psychische Erkrankung betrachtet. Um diese Erfahrungen zu bewältigen, wird die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie teilweise mit der kognitiven Verhaltenstherapie kombiniert.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen

In machen Fällen werden neben Medikamenten und Psychotherapie noch andere Methoden eingesetzt, um Depressionen zu behandeln. Dazu zählen:

  • Wachtherapie (Therapeutischer Schlafentzug): Die Wachtherapie findet stationär statt. Unter ärztlicher Aufsicht werden die Patienten entweder eine ganze oder eine halbe Nacht wachgehalten, und das zwei- bis dreimal pro Woche. Dies kann gegen Schlafstörungen und starke Morgentiefs bei Depressionen helfen.
  • Elektrokrampftherapie (EKT): Die Elektrokrampftherapie wird in manchen Fällen bei chronischen oder sehr starken Depressionen eingesetzt. Unter Narkose wird das Gehirn des Patienten mit Strom gereizt und ein epileptischer Anfall ausgelöst. Warum diese Methode tatsächlich gegen Depressionen helfen kann, ist noch nicht komplett erforscht.
  • Rehabilitationssport: Generell ist es bei einer Depression hilfreich, sich zu bewegen. Der Rehabilitationssport ist jedoch speziell auf die Bedürfnisse von Depressionskranken abgestimmt und wird von Ärzten und Therapeuten begleitet. Eine stationäre Behandlung bietet oft auch Rehabilitationssport direkt in der Klinik.

Entspannungstechniken als unterstützende Maßnahme zur Behandlung von Depressionen

Verschiedene Entspannungstechniken können Menschen mit Depressionen helfen, besser mit Selbstzweifeln, Schuldgefühlen und Grübeleien umzugehen. Dazu zählen:

  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
  • Autogenes Training
  • Biofeedback
  • Meditation und Achtsamkeitstraining gegen Depressionen

Die Entspannungstechniken können nicht nur die laufende Behandlung einer Depression unterstützen, sie können auch vor Rückfällen schützen beziehungsweise das Risiko erneuter Schübe reduzieren. Bei schweren Depressionen sollten Sie jedoch vorher mit Ihrem Arzt sprechen, ob die Entspannungstechniken für Sie geeignet sind.

Weitere Tipps zur Selbsthilfe gegen Depressionen finden Sie hier.

Entspannungstechniken können bei leichten Depressionen oder bei der Vorbeugung gegen erneute Schübe helfen.

Entspannungstechniken können bei leichten Depressionen oder bei der Vorbeugung gegen erneute Schübe helfen.

Depression-App als begleitende Maßnahme zur Therapie

In einigen Fällen kann auch eine App Betroffenen helfen, besser mit ihrer psychischen Erkrankung umzugehen oder Anzeichen für einen depressiven Schub frühzeitig zu erkennen. Manche Apps stellen dem Nutzer Fragen zu seinem Wohlbefinden und sammeln die Antworten. Anhand der Ergebnisse wird dann der psychische Zustand eingeschätzt. Kündigt sich ein depressiver Schub an, kann man dann mithilfe der App einen Therapeuten in der Nähe finden oder einen Psychologen anrufen.

Andere Apps bieten die Möglichkeit, ein Stimmungsprotokoll oder ein Depressionstagebuch zu führen. So können die Betroffenen beispielsweise ermitteln, welche Aktivitäten ihnen guttun und was ihnen eher schadet.

Schließlich gibt es auch Apps, die an Medikamente erinnern, Gesundheitsdaten speichern und somit für chronisch Kranke allgemein sinnvoll sind und nicht nur für Depressionskranke.

Bestimmte Apps können Depressionskranke bei ihrer Therapie unterstützen.

Bestimmte Apps können Depressionskranke bei ihrer Therapie unterstützen.

Um Abzocke und unseriöse Anbieter zu vermeiden, ist es wichtig auf die folgenden Kriterien zu achten, die eine seriöse App kennzeichnen:

  • Ist das Impressum schnell zu finden?
  • Sind Finanzierungsquellen und Werbepolitik verständlich und klar?
  • Sind die Datenschutzrichtlinien in Ordnung?
  • Sind die App-Autoren kompetent im Bereich Depressionen?
  • Werden Datenquellen angegeben und sind diese seriös und aktuell?
  • Gibt es einen Ansprechpartner für Fragen zur App?

Wenn Sie diese Fragen mit “Ja” beantworten können, sind Sie auf der sicheren Seite. Sind Sie bereits in Behandlung, kann Ihnen Ihr Therapeut außerdem mit Rat und Tat beistehen und sich die App Ihrer Wahl einmal anschauen – oder Ihnen eine empfehlen.

 

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Sascha Müller
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