Ein stressiger Alltag kann ein Auslöser für das Reizdarm-Syndrom sein.
Reizdarm •

Reizdarm: Das sind die Ursachen

Die Ursachen des Reizdarms sind bis heute nicht vollständig geklärt. Früher sah man ihn gehäuft mit somatoformen und psychischen Störungen assoziiert, sodass er vielfach nicht als echte Krankheit eingestuft wurde. Das hat sich grundlegend geändert: Mittlerweile weiß man, dass Stress und andere psychische Faktoren die Erkrankung triggern und eine veränderte Darmmotilität und Mikroflora dahinterstecken.

Reizdarm als Ausschlussdiagnose

Durchfälle, Verstopfung, Blähungen und Bauchschmerzen - die für einen Reizdarm typische Symptomatik tritt in ähnlicher Form bei einer Vielzahl von Erkrankungen auf. Schon früh stellte man einen Zusammenhang mit psychischem Stress fest. Fanden die Ärzte bei ihren Routineuntersuchungen keine definierte organische Ursache, nannte man die Erkrankung Reizdarm und stellte sie als psychisch bedingt dar. Viele Reizdarmpatienten mussten eine wahre Ärzte-Odyssee erdulden, bei der sich die Mediziner mit einer passenden Diagnose schwertaten.Heute weiß man, dass es sich keinesfalls um eine eingebildete Krankheit handelt. Schuld an den massiven Beeinträchtigungen der Darmmotilität sind Mikroentzündungen und Veränderungen in der Darmflora.

Von Muskeln, Nerven, Immunzellen und Bakterien

Die Peristaltik des Darmes ist wichtig für Durchmischung und Weitertransport des Nahrungsbreis. Sie sorgt dafür, dass Verdauungsenzyme überall hingelangen und die Nährstoffe optimal aufschließen. Diese werden zudem nur bei unmittelbarem Kontakt mit der Darmschleimhaut in die Blutbahn aufgenommen. Für seine Beweglichkeit verfügt der Darm über eigene Nervenfasern, die über das vegetative Nervensystem angesteuert werden.Wichtig für den Nahrungsaufschluss ist die Darmflora, welche die Aktivität der Verdauungsenyzme kräftig unterstützt. Diesen bei jedem Menschen unterschiedlich gearteten Mikrokosmos bezeichnet man als Mikrobiom.Außerhalb des Darmlumens haben die Bakterien nichts in unserem Körper zu suchen. Daher sitzt ein wesentlicher Teil der Immunabwehr im Darm und stellt sicher, dass nichts die Schleimhautbarriere überwindet. Ihre Immunzellen wandern ständig im Scheimhautgewebe umher und sind auf der Suche nach unliebsamen Gästen. Sobald sie welche antreffen, schütten sie Botenstoffe aus, die weitere Immunzellen anlocken und kleine Entzündungsreaktionen auslösen.Eine simple aber effektive Methode zur Abwehr von Bakterien und Viren sind Durchfälle - öffnet der Darm die Schleusen, werden Krankheitserreger herausgespült, bevor sie Schaden anrichten können. Am Ende des Verdauungstraktes nimmt der Dickdarm den größten Teil der Flüssigkeit aus dem Kot auf, der so eindickt und eine feste Konsistenz erlangt. Beim Reizdarm funktioniert das in die eine oder andere Richtung nicht.

Die Ursachen des Reizdarmsyndroms

Beim Reizdarm ist die gastrointestinale Motilität gestört, die Sekretion der Schleimhaut verändert und das Schmerzempfinden beeinflusst. Damit einhergehende Veränderungen betreffen immer nur einen Teil der Patienten. Zudem beeinflussen sich kausale und sekundäre Veränderungen wechselseitig, sodass Ursache und Wirkung kaum zu unterscheiden sind.

Bakterielle Darmerkrankung 

Eine Reihe von Faktoren spielt bei der Pathogenese eine wesentliche Rolle. Am klarsten ist dies beim postinfektiösen Reizdarmsyndrom, das nach einer bakteriellen Darmerkrankung auftritt. Der Infekt verändert die Darmflora, oft unterstützt durch die Anwendung von Antibiotika, welche die gestörte Lebensgemeinschaft weiter durcheinanderbringen.

Genetische Veranlagung und Verhaltensmuster spielen eine Rolle

Ebenso spielen genetische Veranlagung sowie erlernte Verhaltensmuster beim Reizdarmsyndrom eine Rolle. Hinzu kommen psychische Faktoren, die als Trigger den Ausbruch der Erkrankung beschleunigen und ihren Schweregrad beeinflussen. Hierzu zählen neben Stress, Depressionen und Angststörungen auch traumatische Ereignisse wie Unfälle und Missbrauch oder Krankheiten. Sie beeinflussen das vegetative Nervensystem - es wird mehr Magensaft ausgeschüttet, die Darmbeweglichkeit steigt, die Immunabwehr im Darm zeigt sich alarmiert.

Veränderungen beim Reizdarm

Stress und psychische Beeinträchtigungen beeinflussen vegetatives Nervensystem und Immunabwehr. Bei entsprechender Prädisposition nimmt die Darmbeweglichkeit zu oder ab und verursacht Durchfälle oder Verstopfungen.Ist die Schleimhautbarriere beeinträchtigt, gelangen Bakterien und Schadstoffe leichter in das umliegende Gewebe. Fatal ist das bei unzuträglichen Bakterienstämmen im Darm. Bifidobakterien sind beispielsweise typisch für eine gesunde Darmflora, wohingegen sporenbildende Clostridien nicht überhandnehmen sollten. Daher spielt das Mikrobiom eine herausragende Rolle bei Entstehung und Verlauf eines Reizdarmes.Die alarmierten Immunzellen sorgen für Entzündungsreaktionen, in deren Verlauf sich das Schmerzempfinden durch Störungen des Serotoninstoffwechsels verändert. Ein verminderter Gastransport verlängert die Verweildauer der Darmgase und verursacht Blähungen, welche die Schmerzen durch die Dehnung des Darms weiter verschlimmern.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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