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Corona-Krise: Wann darf ich noch zum Arzt – und worauf muss ich achten?
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Corona-Krise: Wann darf ich noch zum Arzt – und worauf muss ich achten?

Einen Mund-Nasen-Schutz tragen, Kontakte möglichst meiden und mindestens 1,5 Meter Abstand halten: So lauten drei wichtige Empfehlungen, um das Corona-Ansteckungsrisiko zu senken. Doch spätestens beim Arztbesuch funktioniert das meist nicht mehr.

Darf ich während der Corona-Krise zum Zahnarzt?

Abstand halten von 1,5 bis 2 Metern – beim Zahnarzt ist das nicht möglich. Viele sind daher verunsichert und fragen sich, ob sie während der Corona-Krise zum Zahnarzt gehen können und ob die neuen Lockerungen auch in Zahnarztpraxen greifen. Nach Angaben der Bundeszahnärztekammer sind seit Mitte Mai wieder Behandlungen und Zahnreinigungen in vollem Umfang möglich

Zahnärzte haben ihren Praxisbetrieb auf die aktuelle Situation angepasst, um die Infektionsschutzregeln einhalten zu können: Im Wartezimmer stehen die StĂĽhle weit auseinander. Nur wenige Patienten warten zeitgleich. Vor oder nach Betreten der Praxis mĂĽssen Hände gewaschen und desinfiziert werden. Zahnärzte und zahnmedizinische Fachangestellte tragen einen Mund-Nasen- oder einen Gesichtsschutz. 

Rat: Sind Sie unsicher oder haben Sie Angst vor einer Ansteckung, können Sie reine Kontrolluntersuchungen und Vorsorgetermine weiterhin verschieben. Sagen Sie bestehende Termine frĂĽhzeitig ab. Haben Sie akute Zahnschmerzen, fragen Sie bei Ihrem Zahnarzt nach, worauf Sie beim Besuch der Praxis achten mĂĽssen. Haben Sie bereits Symptome einer akuten Atemwegserkrankung wie Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Fieber, SchĂĽttelfrost oder Kopf- und Gliederschmerzen, sollten Sie erst nach Abklingen der Erkrankung zum Zahnarzt gehen.

Ich habe akute Zahnschmerzen und Covid-19-Symptome: Was soll ich tun?

Haben Sie akute Zahnschmerzen und Symptome einer Atemwegserkrankung, rufen Sie bei Ihrem Zahnarzt an und fragen Sie nach, wie Ihnen geholfen werden kann. FĂĽr akute zahnärztliche Notfälle bei Covid-19-Patienten haben die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen 170 Schwerpunktpraxen in den Bundesländern eingerichtet. Ihr Zahnarzt kann Ihnen eine solche Schwerpunktpraxis nennen. Diese Praxen sind ausschlieĂźlich fĂĽr die akute Notfallbehandlung von Zahnschmerz-Patienten geöffnet, die mit dem Coronavirus infiziert sind oder bei denen ein entsprechender Verdacht besteht.

Corona-Krise: Kann ich zum Augenarzt gehen?

Nicht nur Zahnärzte, auch Augenärzte kommen ihren Patienten nahe. Daher gilt auch hier: Termine wie Check-ups und Vorsorgeuntersuchungen können weiterhin verschoben werden. Notfälle wie eine Augenverletzung oder eine plötzlich eintretende Sehverschlechterung werden von Augenärzten versorgt.

Rat: Haben Sie einen Kontroll- oder Vorsorgetermin beim Augenarzt, fragen Sie nach, ob Sie diesen zu einem späteren Zeitpunkt wahrnehmen können. Ist der Besuch beim Augenarzt therapeutisch notwendig, fragen Sie nach, was Sie beachten müssen, damit die Hygieneschutzregeln eingehalten werden. Wenn möglich sollten Sie alleine die Praxis aufsuchen.

Wichtig: Haben Sie bereits Symptome einer akuten Atemwegserkrankung, sollten Sie - wenn kein akuter Notfall oder dringlicher Termin vorliegt - erst nach Abklingen der Erkrankung zum Augenarzt gehen. Sagen Sie bestehende Termine, die Sie nicht wahrnehmen können oder möchten, frĂĽhzeitig ab. Haben Sie akute Augenbeschwerden und Symptome einer Atemwegserkrankung, rufen Sie bei Ihrem Augenarzt an und fragen Sie nach, wie Ihnen geholfen werden kann.

Videosprechstunden beim Arzt während der Corona-Pandemie

Was bei Zahnärzten und Augenärzten nicht funktioniert, hat bei anderen Arztgruppen gute Chancen: Videosprechstunden. Diese werden immer öfter genutzt. Videosprechstunden können sowohl bei Ă„rzten als auch bei Psychotherapeuten und Hebammmen eine Alternative zum Praxisbesuch sein. Diese Videosprechstunden können unbegrenzt und flexibel fĂĽr alle Fälle genutzt werden, in denen es therapeutisch sinnvoll ist. Videosprechstunden sind zunächst auf das 2. Quartal 2020 befristet. Schmerztherapeutische Gespräche können kĂĽnftig dauerhaft per Videosprechstunde erfolgen. Da Videotelefonie technisch nicht immer möglich ist, können Sprechstunden auch per Telefon wahrgenommen werden. Videosprechstunden sind vor allem dann denkbar, wenn körperliche Untersuchungen nicht zwingend notwendig sind, es Ihnen schlecht geht oder Sie aus SicherheitsgrĂĽnden nicht in die Praxis gehen möchten.

Rat
Möchten Sie einen Termin nicht absagen und alternativ eine Videosprechstunde wahrnehmen, rufen Sie bei Ihrem behandelnden Arzt an und fragen Sie nach, ob das möglich ist.

Wie bekomme ich ein Rezept fĂĽr Medikamente?

Um an ein Rezept für Medikamente in der Corona-Krise zu kommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Sie gehen nach der telefonischen Bestellung in die Arztpraxis und holen es ab. 
  2. Sie bitten eine bevollmächtigte Person, das Rezept beim Arzt abzuholen. 
  3. Sie fragen bei Ihrem Arzt nach, ob er Ihnen das Rezept ausstellt und an Ihre Apotheke faxt.

Viele Ă„rzte sind dazu ĂĽbergegangen, Rezepte per Fax an die Stammapotheke der Patienten zu senden. Dort können die Medikamente dann abgeholt werden. So kann die Anzahl der nicht notwendigen Kontakte zu Ă„rzten und Arzthelferinnen und -helfern reduziert werden. Manche Apotheken bieten auĂźerdem Botendienste an. Dann werden die Medikamente direkt nach Hause geliefert. So können Kontakte auch in Apotheken verringert werden. Patienten zahlen dafĂĽr in der Regel eine ServicegebĂĽhr. 

Rat: Rufen Sie bei Ihrem Arzt und in Ihrer Apotheke an und fragen Sie nach, wie diese das handhaben. 

Braucht mein Arzt meine Gesundheitskarte?

Zwar hat mit dem 1. April ein neues Quartal begonnen, doch wer als gesetzlicher Kassenpatient ein neues Rezept für ein dringend benötigtes Medikament braucht – oder eine Überweisung zu einem Facharzt oder eine Folgeverordnung – muss laut dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen dafür keine Gesundheitskarte beim Arzt vorlegen. Die Regelung gilt vorerst bis zum 30. Juni 2020. Außerdem können Überweisungen und Folgeverordnungen per Post an die Patienten verschickt werden. Hierfür können Portokosten für die Patienten anfallen.

Verdacht auf Corona-Infektion: Was tun?

Hatten Sie persönlichen Kontakt zu einer Person, die positiv auf SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde? Haben Sie sich in einem vom Robert Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebiet aufgehalten? Oder zeigen Sie die Hauptsymptome von Corona (Fieber ĂĽber 38 Grad, trockener Husten, Abgeschlagenheit)? Dann sollten Sie sich unverzĂĽglich mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung setzen, Ihren Hausarzt anrufen oder die 116117 fĂĽr den ärztlichen Bereitschaftsdienst wählen und erfragen, wie Sie sich verhalten sollen.

Achtung: Auf keinen Fall sollten Sie ohne AnkĂĽndigung eine Arztpraxis aufsuchen. Leiden Sie unter akuten Atembeschwerden, sollten Sie den Notruf unter 112 kontaktieren.

Symptomlos: Ăśbernehmen Krankenkassen die Kosten fĂĽr den Corona-Test?

Am 27. Mai 2020 ging die neue Testverordnung in die Abstimmung Diese regelt, dass die gesetzlichen Krankenkassen in klar definierten Fällen auch die Tests auf das Coronavirus fĂĽr Personen bezahlen mĂĽssen, die keine Symptome aufweisen. Angeordnet werden mĂĽssen die Tests durch den öffentlichen Gesundheitsdienst. 

"Auch Menschen ohne Symptome können das SARS-CoV2-Virus ĂĽbertragen. Deswegen ist es sinnvoll, möglichst das gesamte, enge Umfeld zu testen, wenn Infektionen festgestellt werden. Besonders Patienten, Bewohner und Angestellte in Pflegeheimen und Krankenhäusern können wir so besser schĂĽtzen. Testen bringt Klarheit. Je frĂĽher wir das Virus erkennen, desto besser können wir es bekämpfen", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Muss ich fĂĽr eine Krankschreibung zum Arzt?

Ab dem 1. Juni sind wieder körperliche Untersuchungen beim Arzt fĂĽr eine Krankschreibung notwendig. Steigen die Infektionszahlen erneut, sind neue Sonderregelungen zur Krankschreibung denkbar. Aufgrund möglicher kurzfristiger Ă„nderungen sollten Sie sich bei Fragen immer an Ihre behandelnde Arztpraxis wenden und nachfragen, wie diese Ihr Anliegen handhabt - etwa die Ausstellung von Rezepten und Ăśberweisungen. Möglicherweise bietet Ihr Arzt sogar Videosprechstunden an. 

Wichtig: Haben Sie Atemwegsbeschwerden und den Verdacht, an Covid-19 erkrankt zu sein, melden Sie sich immer zuerst telefonisch bei Ihrem Arzt und besprechen Sie das weitere Vorgehen. 

Ich habe einen Termin für eine Operation – wird diese wegen Corona verschoben?

Seit Mai nutzen die Krankenhäuser in Deutschland wieder einen Teil der Krankenhauskapazitäten für planbare Operationen genutzt werden. Laut Bundesgesundheitsministeriums sollen die freizuhaltenden Intensivkapazitäten für Covid-19-Patienten 25 Prozent betragen. "Wir wollen weiter vorbereitet sein, gleichzeitig planbare Operationen wieder ermöglichen“, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Rat: Haben Sie einen Termin für eine Operation oder einen Eingriff, rufen Sie in der Klinik an und fragen Sie nach dem weiteren Vorgehen. Die Entscheidung, ob ein Eingriff verschoben wird, prüft der Arzt im Einzelfall. Eine Operation kann verschoben werden, wenn der Arzt zu der Einschätzung kommt, dass der Patient in den kommenden 2 Monaten ohne diese Versorgung auskommen kann.

Mammographie-Screenings: Was Frauen wissen mĂĽssen

Von den Vorsichtsmaßnahmen der Corona-Krise waren auch die Mammographie-Screenings betroffen: Ab dem 4. Mai sollen wieder Mammographie-Einladungen verschickt werden. Damit nehmen die Screening-Einheiten wieder ihren regulären Betrieb auf und führen Mammographie-Untersuchungen unter Einhaltung der Infektionsschutzregeln durch.

FĂĽr wen ist eine Pneumokokken-Impfung sinnvoll?

Es steht noch kein Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus zur VerfĂĽgung. Forscher weltweit arbeiten intensiv an einem solchen Impfstoff. Wann eine Impfung gegen COVID-19 verfĂĽgbar sein wird, ist derzeit noch unklar. Allerdings empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Pneumokokken-Impfung fĂĽr:

  • Säuglinge und Kleinkinder bis zum Alter von 2 Jahren mit Prevenar 13 oder Synflorix
  • Personen mit Immundefizienz
  • Senioren ab 70 Jahren
  • Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen (z.B. Asthma oder COPD) mit Pneumovax 23

Zwar schĂĽtzt die Pneumokokken-Impfung nicht vor COVID-19. "Allerdings können Pneumokokken-Infektionen zu schweren LungenentzĂĽndungen und Sepsis fĂĽhren und die Versorgung der Patienten auf einer Intensivstation ggf. mit Beatmung erfordern. Dies gilt es gerade bei einem ohnehin schon ĂĽber die MaĂźen belasteten Gesundheitssystem zu vermeiden. (...) Es ist zudem plausibel, dass die Pneumokokken-Impfung eine bakterielle Superinfektion durch Pneumokokken bei Patienten mit COVID-19 verhindern kann. Bei Influenza-Erkrankungen sind bakterielle Superinfektionen durch Pneumokokken eine bekannte Komplikation", so das Robert Koch-Institut.

Brauche ich Desinfektionsmittel zuhause?

Das Bundesinstitut fĂĽr Risikobewertung (BfR) sieht fĂĽr gesunde Menschen derzeit keine Notwendigkeit, im Alltag Desinfektionsmittel zu verwenden. Normale, haushaltsĂĽbliche Reinigungsmittel sind den Experten zufolge in einem Haushalt ohne Corona-Infizierte ausreichend. Generell seit es in einem Haushalt mit gesunden Personen aber sinnvoll, die Stellen, die häufig von allen angefasst werden - etwa TĂĽrgriffe und Lichtschalter - häufiger mit Allzweckeiniger, Seife oder SpĂĽlmittel und Wasser zu reinigen.

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Ann-Kathrin Landzettel
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.
Ann-Kathrin Landzettel
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