Blutwerte verstehen: Was die 4 wichtigsten Abkürzungen bedeuten
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Blutwerte verstehen: Was die 4 wichtigsten Abkürzungen bedeuten

Wer die Ergebnisse seiner Blutuntersuchung anschaut, möchte natürlich gern seine Blutwerte verstehen. Allerdings ist das bei den Fachbegriffen und Abkürzungen, die dort zu lesen sind, gar nicht so einfach. Hier finden Sie einige der wichtigsten Werte und ihre Bedeutung.

1. HDL- und LDL-Cholesterinwerte verstehen

Der Cholesterinwert wird in HDL- und LDL-Cholesterin unterteilt. Die Abkürzung HDL steht für “High-Density-Lipoprotein” und bezeichnet Fettmoleküle mit hoher Dichte, die sich im Blut befinden. LDL bedeutet “Low-Density-Lipoprotein” und bezeichnet Fettmoleküle mit niedriger Dichte. Hohe LDL-Werte bedeuten ein vergrößertes Risiko für Arteriosklerose, also eine Gefäßverkalkung, da sich dadurch vermehrt Fettmoleküle an den Gefäßen ablagern. Arteriosklerose wiederum erhöht die Gefahr für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt.

Hohe HDL-Werte hingegen mindern das Risiko für Gefäßerkrankungen, da dieses Cholesterin die Fettmoleküle von den Körperzellen wegtransportiert, sodass sich nichts in den Blutgefäßen ablagern kann. HDL-Cholesterin schützt also die Blutgefäße.

2. Ist der Blutzuckerspiegel normal?

Mit dem Begriff “Glukose” ist der Blutzucker gemeint. Eine gewisse Menge Zucker braucht der Körper als Energie – ansonsten macht er schlapp. Normalerweise wird der Blutzuckerspiegel stabil gehalten, indem mithilfe des Hormons Insulin kontinuierlich Zucker über das Blut zu den Körperzellen transportiert und dort abgegeben wird.

Produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder kein Insulin, können die Körperzellen den Zucker nicht aus dem Blut aufnehmen; der Blutzuckerspiegel steigt und die Glukosewerte sind erhöht. Normalerweise wird der Blutzucker beim Arzt zunächst im nüchternen Zustand gemessen. Weitere Untersuchungen beinhalten die Messung des Blutzuckers nach dem Essen.

Der sogenannte HbA1c-Wert misst die Höhe des mittleren Blutzuckerspiegels. Das bedeutet, der Blutzucker wird über einen Zeitraum von zwei Monaten regelmäßig gemessen und daraus der Mittelwert berechnet. Die Abkürzung “Hb” dieser Blutwerte steht für den roten Blutfarbstoff “Hämoglobin”, “A1c” bedeutet, dass sich Glukose daran gebunden hat. Ein hoher HbA1c-Wert zeigt einen konstant erhöhten Blutzuckerspiegel an. Dies kann auf Diabetes oder die Vorstufe dazu (Prädiabetes) hindeuten.

2.1. Blutzuckerwerte: Weitere Abkürzungen

Im Rahmen einer Diabetes-Früherkennung oder -Behandlung werden Ihnen möglicherweise noch die Abkürzungen “OGTT” und “CGM” in Verbindung mit Ihrem Blutzucker begegnen. “OGTT” steht für “Oraler Glukosetoleranztest” und vergleicht den Nüchternblutzzucker mit dem Blutwert, nachdem Sie eine Zuckerlösung getrunken haben. So testet der Arzt, ob Ihr Körper die Glukose normal verarbeiten kann oder nicht.

“CGM” ist die Abkürzung für “continuous glucose monitoring”, was auf Englisch “kontinuierliche Zuckermessung” heißt. Dieser Wert wird aber erst wichtig, wenn ein Diabetes als gesichert gilt, dann braucht der Arzt diese Zahl zur Langzeitregulierung des Blutzuckerspiegels.

 Die Blutabnahme und das kleine Blutbild sind für Kassenpatienten normalerweise kostenlos.
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Die Blutabnahme und das kleine Blutbild sind für Kassenpatienten normalerweise kostenlos.

3. Blutwerte verstehen: Was sind Erythrozyten?

Erythrozyten ist der Fachbegriff für rote Blutkörperchen. Die Abkürzung hierfür nennt sich “ERY-Wert”. Alles, was von der Norm abweicht – ein zu niedriger oder zu hoher Wert – bedarf einer medizinischen Abklärung. Eine geringe Anzahl roter Blutkörperchen deutet zum Beispiel auf Blutarmut (Anämie) sowie einen Eisenmangel hin, kann aber auch infolge vermehrter Blutungsneigung auftreten. Die wiederum ist ein Symptom für weitere Krankheiten.

Zu hohe Blutwerte bei den Erythrozyten können etwa ein Hinweis auf Sauerstoffmangel sein. Dem können beispielsweise folgende Erkrankungen zugrunde liegen:

  • Lungenerkrankungen
  • Herzprobleme
  • Leberinsuffizienzen
  • Zystennieren.
  • Fettleibigkeit (Adipositas)

3.1. Eisenwerte bestimmen und Eisenmangel erkennen

Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin hängt nicht nur mit dem Blutzuckerspiegel zusammen, er kann auch dabei helfen, einen Eisenmangel bei der Blutuntersuchung festzustellen. Ein niedriger Hämoglobinwert (Hb-Wert) ist Zeichen eines Eisenmangels. Dabei gelten folgende Werte als normal:

  • Für Frauen: 12 bis 16 Gramm Hämoglobin pro Deziliter Blut
  • Für Männer: 14 bis 18 Gramm Hämoglobin pro Deziliter Blut

4. Was sind Leukozyten?

Der Fachbegriff für weiße Blutkörperchen lautet Leukozyten. Sie sind für das Immunsystem wichtig, da sie Krankheitserreger abwehren. Viruserkrankungen wie Masern oder Röteln können zu niedrigen Werten bei den weißen Blutkörperchen führen. Erhöhte Leukozytenwerte treten hingegen bei Folgendem auf:

  • Bakterielle Infektionen
  • Verbrennungen
  • Starker Stress
  • Rheuma
  • Stoffwechselerkrankungen

Blutwerte bestimmen: Unterschied zwischen kleinem und großem Blutbild

Das kleine Blutbild gibt Aufschluss darüber, wie hoch die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen sowie die Anzahl der Blutplättchen ist. Zudem wird der Hämoglobinwert bestimmt. Der prozentuale Anteil sämtlicher Blutzellen im Gesamtvolumen des Blutes, der sogenannten Hämatokritwert, ist ebenfalls Bestandteil des kleinen Blutbilds. Die Kosten für das kleine Blutbild werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Das große Blutbild geht noch weiter ins Detail und analysiert insbesondere die weißen Blutkörperchen detailliert in ihrer Zusammenstellung.

Die Messung des Blutzuckers und des Cholesterins zählt nicht zum Blutbild, kann aber auch im Rahmen einer Blutuntersuchung beim Check-up 35 erfolgen. Dabei handelt es sich um eine Kassenleistung für Menschen ab 35 Jahre, bei der verschiedene Vorsorgetests durchgeführt werden. Während des Bluttests beim Check-up 35 wird darüber hinaus noch die Harnsäure gemessen. Erhöhte Blutwerte in diesem Bereich deuten auf ein Risiko für Gicht und Nierensteine. Wenn Sie sich unsicher sind, wie Ihre Blutwerte zu verstehen sind, fragen Sie Ihren Arzt um Rat.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

SM
Autor/-in
Sascha Müller
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