Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls richtet sich nach der Ausprägung der Symptome.
Bandscheibenvorfall: Ursachen und Behandlungswege •

So wird ein Bandscheibenvorfall behandelt

Wie bei anderen Erkrankungen auch richtet sich beim Bandscheibenvorfall die Behandlung nach der Ausprägung der Symptome. Die gute Nachricht ist: Nur ein sehr geringer Anteil der Bandscheibenvorfälle, etwa 2 %, muss operativ versorgt werden. Die überwiegende Mehrzahl der Betroffenen kann auch mit konservativen Maßnahmen ihre Beschwerden deutlich reduzieren oder sogar komplett beschwerdefrei werden.

Behandlung eines Bandscheibenvorfall: Wann muss operiert werden?

Lähmungserscheinungen oder der Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle machen eine Einweisung ins Krankenhaus und eine zügige Operation notwendig. Auch bei einer plötzlichen scheinbar positiven Veränderung des Beschwerdebildes kann eine OP angezeigt sein: Wenn schlagartig keine Schmerzen mehr auftreten, sondern ein Taubheitsgefühl auftritt, zeigt dies möglicherweise an, dass Nervenbahnen kurz vor einer irreversiblen Schädigung stehen. Hier muss innerhalb von Stunden das Prolapsmaterial, das die Nervenbahnen quetscht, entfernt werden, um den sogenannten "Wurzeltod", das komplette Absterben einer Nervenwurzel, zu verhindern. Relativ "frische" und unkomplizierte Bandscheibenvorfälle können meist mit minimalinvasiven Verfahren ("Schlüssellochchirurgie") versorgt werden. Je älter und/oder komplizierter der Vorfall ist, desto wahrscheinlicher wird eine große offene Bandscheiben-OP. Dabei kann eine operative Versteifung des betroffenen Segments (Spondylodese) oder der Einsatz einer künstlichen Bandscheibe (meist bei Patienten, die jünger als 60 Jahre sind) erfolgen, um das Beschwerdebild zu verbessern.

Wie sieht eine konservative Behandlung eines Bandscheibenvorfalls aus?

Die konservative (d.h. nicht-operative) Therapie eines Bandscheibenvorfalls kann - je nach Schwere und individueller Ausprägung der Symptome - ganz unterschiedliche Therapiebausteine umfassen:

- medikamentöse Therapie (Schmerzmittel, entzündungshemmende und abschwellende Medikamente, eventuell muskelentspannende Medikamente);

- Aufklärung über das Krankheitsbild, über Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten, über eigenverantwortliche Maßnahmen, die der Patient selbst durchführen kann;

- Bewegungstherapie (Krankengymnastik als Einzel- oder Gruppengymnastik, Rückenschule, Bewegungsschulung, Haltungskorrektur, Ausdauersport, Tai Chi, Qi Gong, Anleitung zu eigenem Übungsprogramm für zuhause),

- physikalische Therapie (Elektrotherapie, Hochfrequenztherapie, Wärmetherapie, Massagen, manuelle Therapie),

- Ergonomieberatung (Einsatz von Stehhilfen, ergonomische Sitzgelegenheiten zuhause und am Arbeitsplatz, Optimierung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsabläufe),

- gegebenenfalls Schmerztherapie, unter Umständen kombiniert mit Entspannungsverfahren (Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung) oder unterstützenden psychotherapeutischen Angeboten,

- gegebenenfalls Ernährungsumstellung/Gewichtsreduzierung.

Bettruhe ist in der Regel nur für kurze Zeit zur Schmerzlinderung vorgesehen. Danach sollen die Betroffenen so schnell wie möglich wieder mobilisiert werden. Gerade für Bandscheibenpatienten ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben! Hierbei spielt die Physiotherapie eine wichtige Rolle, um das Bewegungsverhalten und die Bewegungsgewohnheiten der Patienten positiv zu beeinflussen, die Wirbelsäule muskulär zu stabilisieren und für möglichst optimale Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit zu sorgen.

Die Therapie richtet sich nach dem Beschwerdebild

Ziel jeder Bandscheibenvorfall-Behandlung ist es, den Patienten wieder für Alltag und Beruf fit zu machen und eine weitere Degeneration von Bandscheiben oder Wirbelkörpern zu vermeiden. Welche Therapiemaßnahmen im Einzelfall kombiniert werden, hängt nicht nur vom individuellen Beschwerdebild ab, sondern auch von den Lebensgewohnheiten des Patienten. Da Bewegungsmangel und Übergewicht in der Vorgeschichte vieler Bandscheibenvorfälle eine Rolle spielen, kann durchaus auch eine Veränderung der Essgewohnheiten und des Bewegungsverhaltens helfen, das Beschwerdebild deutlich zu verbessern. Nach der Behandlung soll der Patient in der Lage sein,

- sich rückengerecht zu bewegen, zu bücken, zu heben etc.

- ein eigenes Bewegungs-/Übungsprogramm selbstständig durchzuführen,-

selbstständig schmerzlindernde Maßnahmen einzusetzen (lokale Wärmeanwendungen, schmerzfreie Lagerung, schmerzlindernde Übungen etc.),

- sein Arbeitsumfeld und sein Zuhause rückengerecht zu gestalten.

So kann auch langfristig eine Verschlechterung des Beschwerdebildes vermieden oder zumindest lange hinausgeschoben werden.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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