Bandscheibenvorfall: Therapie des schmerzhaften Rückenleidens
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Bandscheibenvorfall: Therapie des schmerzhaften Rückenleidens

Die Therapie bei einem Bandscheibenvorfall ist immer recht langwierig: Zunächst wird in fast allen Fällen versucht, ohne Operation auszukommen. Nur etwa einer von zehn Patienten muss schließlich doch operiert werden. In den meisten Fällen hilft die konservative Behandlung gegen den schmerzhaften Vorfall, allerdings müssen Sie dafür Geduld mitbringen und sich an die Anweisungen des Arztes halten.

Der Anfang der Behandlung

Beim Bandscheibenvorfall setzt sich die Therapie aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. In der ersten schmerzhaften Phase muss die Wirbelsäule im Bereich des Vorfalls ruhiggestellt werden. Das geschieht durch ein Stufenbett, wenn der Bereich der Lendenwirbelsäule betroffen ist, und durch eine Halskrause, wenn es die Halswirbelsäule getroffen hat. Gleichzeitig werden die Schmerzen auf unterschiedliche Weise gemildert.

Strategien gegen die Schmerzen

Der Arzt kann bei starken Schmerzen Medikamente verschreiben. Es ist für eine erfolgreiche Therapie beim Bandscheibenvorfall sehr wichtig, dass Sie diese genau nach Vorschrift einnehmen und nicht nur dann, wenn es gerade akut wehtut: Der Körper soll aus der Spirale aus Schmerzen ausbrechen, damit die Heilung voranschreiten kann. Außerdem ist es wichtig, dass Ihr Arzt genau über Ihre Medikation Bescheid weiß, damit er die Mittel im geeigneten Moment absetzen kann.

Die Muskeln rings um den Vorfall ziehen sich reflexartig zusammen – eigentlich um die Wirbelsäule zu stützen. Leider aber verstärken sie die Rückenschmerzen dadurch. Entsprechend gehört es beim Bandscheibenvorfall zur Therapie, diese Muskeln zu entspannen. Das gelingt etwa durch bestimmte Übungen, die der Physiotherapeut Ihnen zeigt, durch Massagen oder durch Wärmebehandlungen. Dafür können Sie Rotlichtbestrahlungen, Moorpackungen oder einfach Wärmflaschen benutzen.

Nicht zu sehr schonen

Sie dürfen in den ersten Wochen keine schweren Gegenstände heben und sollten sich nicht bücken, wenn nach Ihrem Bandscheibenvorfall die Therapie Erfolg haben soll. Allerdings wäre es falsch, komplett auf Bewegung und Sport zu verzichten. Gegenteilig sieht die Behandlung vor, dass Sie unter Anleitung eines Physiotherapeuten sehr schnell die passenden Bewegungen wieder aufnehmen: Sie sollten vor allem Sportarten ausüben, die dabei helfen, Ihre Rückenmuskulatur zu entwickeln. Diese stützt dann die Wirbelsäule und sorgt dafür, dass Sie keinen weiteren Bandscheibenvorfall bekommen. Adressen von Physiotherapeuten in Ihrer Umgebung finden Sie unter diesem Text gelistet.

Operation als Therapie beim Bandscheibenvorfall

In den meisten Fällen wird beim Bandscheibenvorfall eine konservative Therapie angewendet. Das vorgefallene Gewebe trocknet nämlich zumeist ein wenig aus und verliert an Umfang, sodass die Schmerzen weniger werden und die neu aufgebauten Muskeln die Wirbelsäule selbst aufrecht und beweglich halten. Nur, wenn sich nach neun bis zwölf Wochen abzeichnet, dass die Schmerzen nicht besser werden, führen die Ärzte eine Operation durch.

In einigen wenigen Fällen wird dies auch direkt zu Beginn gemacht, allerdings muss es sich dann um schwere Fälle handeln. Das sind etwa solche, in denen Lähmungserscheinungen auftreten und in denen sich früh abzeichnet, dass wichtige Nerven abgedrückt werden. Bei einem Vorfall in der Lendenwirbelsäule etwa kann es sein, dass die sogenannte Reithosenanästhesie auftritt: Der Betroffene leidet unter einem Taubheitsgefühl im Anal- und Genitalbereich, und häufig fehlt die Kontrolle über Blase und Darm. Um diese Beeinträchtigung schnellstmöglich zu beheben, wird sofort operiert.

Verschiedene Arten von Operation sind möglich

Bleibt beim Bandscheibenvorfall als Therapie nur die Operation, kann sich der behandelnde Arzt je nach Art des Vorfalls für unterschiedliche Operationsmethoden entscheiden. In einigen Fällen kann der Eingriff sogar unter örtlicher Betäubung und ambulant vorgenommen werden. Dabei handelt es sich um die sogenannte endoskopische Diskektomie. Sie belastet den Körper nur sehr wenig, allerdings ist sie nicht immer anwendbar. Sie kann nicht vorgenommen werden, wenn der Vorfall im Übergang zwischen Lendenwirbelsäule und Kreuzbein liegt oder wenn abgelöste Teile der Bandscheibe im Wirbelkanal verrutscht sind.

Die offene Diskektomie, die beim Bandscheibenvorfall als Therapie lange Zeit das erste Mittel der Wahl war, wird heutzutage nur noch bei Wirbelsäulenfehlstellungen angewendet. Am weitesten verbreitet ist inzwischen die mikrochirurgische Diskektomie. Dafür bekommt der Patient eine Vollnarkose. Der Schnitt ist hier jedoch sehr viel kleiner als bei der offenen Diskektomie. Der Arzt entfernt das vorgefallene Gewebe und überprüft, inwieweit der Spinalnerv noch unter Druck steht. Mit dieser Methode sind alle Bandscheibenvorfälle behandelbar, und Defekte am Faserring können genäht werden.

Am Abend des Operationstages kann der Patient in den meisten Fällen schon wieder aufstehen, und am nächsten Tag beginnt bereits die Krankengymnastik. Nach wenigen Tagen verlässt der Patient das Krankenhaus. Zur Sicherheit wird nach sechs bis zwölf Monaten das Ergebnis der Operation noch einmal mittels bildgebender Verfahren überprüft.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

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Autor/-in
Gisèle Schneider
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