Zittern, Atemnot, Herzrasen – so fühlt sich eine Panikattacke an. Von einer Panikstörung ist die Rede, wenn die Angstanfälle regelmäßig auftreten. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Wie sie genau zusammenspielen, ist aber noch nicht abschließend geklärt. Erfahren Sie hier mehr dazu.
Ratgeber: Angststörungen

Panikstörung: Ursachen & Auslöser der Angstattacken

Zittern, Atemnot, Herzrasen – so fühlt sich eine Panikattacke an. Von einer Panikstörung ist die Rede, wenn die Angstanfälle regelmäßig auftreten. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Wie sie genau zusammenspielen, ist aber noch nicht abschließend geklärt. Erfahren Sie hier mehr dazu.

Was sind Panikattacken und wodurch entstehen sie?

Panikattacken sind Anfälle massiver Angst, die die Betroffenen scheinbar aus heiterem Himmel überkommen. Betroffene fürchten, die Kontrolle oder ihren Verstand zu verlieren, teilweise steigert sich das Angstgefühl auch bis zur Todesangst. All das kann nur ein paar Minuten dauern, manchmal aber auch einige Stunden.

Wodurch einzelne Panikattacken entstehen, lässt sich nicht immer eindeutig sagen. Die Auslöser sind individuell unterschiedlich und nicht immer leicht zu erkennen. Vereinzelte Panikattacken können zu einer Panikstörung werden, wenn Betroffene eine Angst vor der Angst, also vor weiteren Anfällen, entwickeln. Damit sorgen sie für eine Aufrechterhaltung ihrer Ängste.

Wie kann es zu einer erhöhten Anfälligkeit für Panikattacken kommen?

Einige Menschen sind offenbar anfälliger für Panikattacken als andere. Noch ist allerdings nicht zweifelsfrei geklärt, was die Ursachen für diese Anfälligkeit sind. Als sicher gilt inzwischen nur, dass eine genetische Veranlagung dabei zum Tragen kommt.

Außerdem ist bei Betroffenen oft das Zusammenspiel verschiedener Botenstoffe im Gehirn gestört, sodass auch ohne Vorliegen einer Gefahrensituation vermehrt die Stresshormone Adrenalin und Kortisol ausgeschüttet werden. Die Anfälligkeit für Panikattacken hat also offenbar auch biologische Ursachen.

Welche Persönlichkeitsstrukturen können eine Panikstörung begünstigen?

Darüber hinaus scheinen bestimmte Persönlichkeitsstrukturen einige Menschen anfällig für Panikattacken und das Entwickeln einer Panikstörung zu machen. Betroffene neigen beispielsweise häufig zu Perfektionismus oder übertriebenem Pflichtgefühl und Verantwortungsbewusstsein, sind generell eher ängstlich und vorsichtig. Ihnen fällt es schwer, ihre eigenen Grenzen aufzuzeigen und Ärger oder andere unangenehme Gefühle auszudrücken.

Eine solche Persönlichkeitsstruktur kann durch Traumata in der Kindheit entstehen oder verstärkt werden, zum Beispiel:

  • Vernachlässigung
  • Sexueller Missbrauch
  • Suchterkrankung der Mutter und/oder des Vaters (beispielsweise Alkoholismus)
  • Verlust eines Elternteils
  • Physische oder psychische Gewalt in der Familie
Eine traumatische Kindheit kann später die Basis für wiederholte Panikattacken bilden.

Eine traumatische Kindheit kann später die Basis für wiederholte Panikattacken bilden.

Welche Auslöser können Angst und Panikattacken provozieren?

Die Auslöser einer Panikattacke sind zwar von Mensch zu Mensch unterschiedlich, meistens handelt es sich dabei jedoch um eine Situation, die den Betroffenen großem Stress aussetzt. Das kann eine Lebenskrise sein, beispielsweise bei Arbeitslosigkeit, nach einem Unfall, einer Trennung oder dem Tod eines geliebten Menschen.

Es kann aber auch eine akute Situation sein wie zum Beispiel eine überfüllte Bahn oder ein bevorstehendes wichtiges Vorstellungsgespräch. Und in manchen Fällen kommt die Panikattacke auch so überraschend, dass sich kein offensichtlicher Grund ausmachen lässt.

Manche Substanzen oder Medikamente lösen Symptome aus, die einer Panikattacke ähneln: Herzrasen oder starke innere Unruhe. Dazu gehören Alkohol, Nikotin und Koffein, aber auch Schilddrüsenmedikamente, die noch nicht richtig eingestellt sind. Sie können bei entsprechender Veranlagung ebenfalls eine Panikattacke auslösen.

Wie kommt es zu einer Aufrechterhaltung der Angst und zu einer Panikstörung?

Die eine oder andere Panikattacke erlebt fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens einmal. Wer dann anfängt, vermeintlich Angst auslösende Situationen zu meiden, und sich immer weiter zurückzieht, riskiert, dass die Angst chronisch wird, also eine Panikstörung entsteht. Die Betroffenen haben dann solche Angst vor der nächsten Attacke, dass sie diese selbst begünstigen. Dann kann es mehrmals im Monat, teilweise sogar mehrmals am Tag zu Panikattacken kommen.

Welche Begleiterkrankungen können bei einer Panikstörung auftreten?

Eine Panikstörung tritt häufig in Verbindung mit anderen Angsterkrankungen auf, vor allem zusammen mit einer Agoraphobie (Platzangst). Betroffene haben hierbei Angst, wenn sie sich an Orten oder in Situationen befinden, die sie nicht ohne Weiteres bei Bedarf verlassen oder im Notfall Hilfe holen könnten. Dies betrifft zum Beispiel größere Menschenansammlungen, öffentliche Verkehrsmittel, Kinos oder Theater. Eine Panikstörung kann aber auch mit weiteren Erkrankungen einhergehen, zum Beispiel Depressionen.

Versuchen Betroffene, ihre Angstzustände selbst zu behandeln, indem sie sich mit Alkohol betäuben oder mit Beruhigungsmitteln selbst medikamentieren, kann es zu einer Suchterkrankung kommen. Für den Erfolg einer Behandlung ist es wichtig, nicht nur die Begleiterkrankung zu therapieren, sondern auch die Panikstörung selbst.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Svenja Hauke
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