Ein permanentes Gefühl der Anspannung und Sorge quält Menschen, die an einer generalisierten Angststörung leiden. Welche Symptome die psychische Erkrankung kennzeichnen und wie sie sich behandeln lässt, lesen Sie im Folgenden.
Ratgeber: Angststörungen

Generalisierte Angststörung: Symptome, Ursachen und Behandlung

Ein permanentes Gefühl der Anspannung und Sorge quält Menschen, die an einer generalisierten Angststörung leiden. Welche Symptome die psychische Erkrankung kennzeichnen und wie sie sich behandeln lässt, lesen Sie im Folgenden.

Psychische Anzeichen für eine generalisierte Angststörung

Gelegentlich Angst vor der Zukunft zu haben oder sich mal Sorgen zu machen, wenn es bei der Arbeit oder in der Familie nicht so gut läuft, ist ganz normal. Bei einer generalisierten Angststörung können die Betroffenen diese Ängste und Sorgen aber nicht mehr kontrollieren.

Sie haben ständig Angst vor Unfällen, Krankheiten oder Verletzungen und sorgen sich stark um ihre Nächsten und Liebsten. Laufend haben sie Bedenken, dass sie bei der Arbeit versagen, sich blamieren, zu spät kommen oder einen Schaden verursachen könnten. Oft treten Sorgen um die soziale und finanzielle Sicherheit auf.

Bei einer fortschreitenden generalisierten Angststörung kommen noch sogenannte Meta-Sorgen hinzu: Die Betroffenen wissen, dass sie sich zu viele Gedanken machen, und fürchten, deswegen krank oder verrückt zu werden.

Einige Betroffene greifen zu Vermeidungsstrategien: Sie rufen sehr oft ihre Verwandten an, um sich über deren Befinden zu erkundigen, oder meiden die Nachrichten, um sich nicht aufzuregen. Dieses Verhalten kann sich mit der Zeit immer weiter ausbreiten, bis es immer schwerer fällt, den Alltag zu bewältigen.

Körperliche Symptome einer generalisierten Angststörung

Dauernde Angst sorgt für eine anhaltende Ausschüttung von Stresshormonen. Dies führt neben den oben genannten psychischen Symptomen in Form verschiedenster Ängste auch zu körperlichen Symptomen wie:

  • Schlaflosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Zittern
  • Herzrasen
  • Schwindel
  • Schweißausbrüche
  • Muskelverspannungen
  • Atembeschwerden
  • Trockener Mund oder ein Gefühl von einem „Kloß im Hals“ (Globusgefühl)
  • Beklemmungsgefühle oder Schmerzen im Brustkorb
  • Übelkeit bis hin zu Erbrechen
  • Flaues Gefühl in der Magengegend bis hin zu Verdauungsbeschwerden

Oft ist es den Betroffenen gar nicht bewusst, dass ihre körperlichen Beschwerden auf eine generalisierte Angststörung zurückzuführen sind, weil sie sich an ihren Zustand bereits gewöhnt haben. In der Folge kann eine längere Zeit vergehen, bevor sich die Betroffenen Hilfe suchen und einen Arzt konsultieren.

Verschiedene Ursachen spielen bei der Entstehung eine Rolle

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft gibt es mehrere mögliche Ursachen für den Ausbruch einer generalisierten Angststörung. Wie sie genau zusammenspielen, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Es wird unter anderem vermutet, dass der Stoffwechsel im Gehirn betroffener Menschen gestört ist. Die Botenstoffe, die für Entspannung sorgen, sind möglicherweise in zu geringen Mengen vorhanden oder ihre Wirkung ist beeinträchtigt.

Wahrscheinlich gibt es außerdem bestimmte genetische Voraussetzungen für eine Angststörung – das Risiko für die Erkrankung ist höher, wenn sie auch ein naher Verwandter hat. Allerdings bedeutet eine genetische Veranlagung zu einer Angststörung noch nicht, dass diese auch tatsächlich ausbricht. Hierzu bedarf es noch verschiedener Auslöser, zum Beispiel:

  • Stress bei der Arbeit, Angst um den Arbeitsplatz oder Arbeitslosigkeit
  • Verlust des Partners oder eine Trennung
  • Tod eines nahen Angehörigen
  • Längere Krankheit

Darüber hinaus spielen bei der Entstehung einer Angststörung mutmaßlich auch psychosoziale Faktoren in der Kindheit eine Rolle. Eine unsichere Bindung zu Bezugspersonen, Vernachlässigung, Gewalt und frühe Verluste in der Kindheit können demnach eine genetische Veranlagung verstärken. Doch auch das Gegenteil – Überbehütung und eine übertriebene Ängstlichkeit der Eltern – kann dazu beitragen, dass jemand sich im späteren Leben selbst übermäßig viele Sorgen macht.

So wird die generalisierte Angststörung diagnostiziert

Stellen Sie fest, dass Sie Ihre Sorgen nicht kontrollieren können und Ihr Alltag anfängt, unter Ihren Ängsten zu leiden, ist es Zeit, einen Arzt aufzusuchen. Erzählen Sie ihm sowohl von Ihren körperlichen als auch von Ihren psychischen Symptomen. So kann Ihr Arzt bereits erste Hinweise darauf sammeln, was mit Ihnen los ist.

Bevor Ihr Arzt die Diagnose „generalisierte Angststörung“ stellt, wird er Sie vermutlich körperlich untersuchen. So lässt sich überprüfen, ob vielleicht eine organische Ursache für Ihre innere Unruhe und Angespanntheit verantwortlich ist. So kann zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ähnliche Symptome wie eine Angststörung zur Folge haben.

Hat der Arzt körperliche Ursachen ausgeschlossen, kann er Sie an einen Psychotherapeuten weiterverweisen. Dieser erkundigt sich ebenfalls nach Ihren Symptomen und wie lange Sie schon darunter leiden. Von einer generalisierten Angststörung ist dann die Rede, wenn die anhaltende, unbegründete oder übertriebene Angst sowie körperliche Angstsymptome bereits seit mindestens sechs Monaten vorliegen.

Behandlung der generalisierten Angststörung durch Verhaltenstherapie

Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als langfristig besonders wirksam zur Behandlung von Angststörungen. Die generalisierte Angststörung ist zwar nicht vollständig heilbar, kann mithilfe einer Therapie aber so weit gelindert werden, dass sie den Betroffenen nicht mehr in seinem Alltag einschränkt.

Bei dieser psychotherapeutischen Methode analysieren Betroffene gemeinsam mit dem Therapeuten ihre schädlichen Gedankenmuster und angstbestimmten Verhaltensweisen. Die Patienten setzen sich mit ihrer eigenen Angst auseinander und lernen ihre Erkrankung besser kennen.

Der Therapeut führt den Patienten behutsam auf Konfrontationskurs mit seinen Sorgen, um ihn an die negativen Vorstellungen zu gewöhnen. So verlieren die Befürchtungen allmählich ihren Schrecken.

Psychodynamische Therapie als alternative Behandlungsmethode

Hat die kognitive Verhaltenstherapie keine Wirkung gezeigt oder fühlt sich der Patient mit dieser Methode sehr unwohl, kommt auch eine psychodynamische Therapie infrage. Sie folgt dem Ansatz, dass die Angststörung durch unverarbeitete Konflikte der Vergangenheit ausgelöst wird.

Der Therapeut arbeitet gemeinsam mit dem Patienten bei diesem Verfahren alles auf, was dieser verdrängt haben mag. Die Behandlung verläuft ambulant und kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Medikamente als Ergänzung zur Psychotherapie

Medikamente allein können keine Angststörung heilen, aber sie können in schweren Fällen helfen, die Wirksamkeit der Psychotherapie zu verbessern.

Vor allem Antidepressiva haben sich bewährt. Sie helfen, den Stoffwechsel im Gehirn wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Stimmung zu normalisieren. Sie entfalten diese Wirkung jedoch erst nach mehreren Wochen der regelmäßigen Einnahme.

Nur bei akuten, sehr schweren Angstattacken oder bei Suizidgedanken kommen vereinzelt angstlösende Beruhigungsmittel, sogenannte Benzodiazepine, zum Einsatz. Denn diese Mittel haben starke Nebenwirkungen, sorgen für extreme Müdigkeit und machen schnell abhängig.

Selbsthilfe bei generalisierter Angststörung

Leider bekommen Betroffene nicht immer zeitnah einen Therapieplatz. In der Zwischenzeit und begleitend zur psychotherapeutischen Behandlung sind daher Maßnahmen zur Selbsthilfe sinnvoll. Suchen Sie sich zum Beispiel eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe. Manchmal hilft es bereits, zu wissen, dass man mit seinen Ängsten nicht allein ist.

Außerdem können Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Achtsamkeitsmeditation manchen Betroffenen helfen, ihre Sorgen und Ängste besser auszuhalten.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Svenja Hauke
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