Adipositas behandeln: Therapie von Fettleibigkeit
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Adipositas behandeln: Therapie von Fettleibigkeit

Ernährungsumstellung, Bewegungsprogramm und Verhaltensanalyse sind die drei Hauptsäulen der Adipositas-Behandlung. Um Übergewicht abzubauen, braucht es zudem viel Disziplin. Kleine Erfolge erleichtern es, durchzuhalten. Übergewicht behandeln: So purzeln die Pfunde.

Übergewicht behandeln: Ernährungsumstellung bringt erste Erfolge

Eine der wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen die überflüssigen Pfunde ist eine Ernährungsumstellung. Wer weniger Kilokalorien aufnimmt, als er verbraucht, nimmt ab. Eine Ernährungsumstellung hilft, die Kalorienzufuhr dauerhaft zu senken. 

Ein Ernährungstagebuch hilft, die Ernährung umzustellen und das eigene Essverhalten im Blick zu behalten.
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Ein Ernährungstagebuch hilft, die Ernährung umzustellen und das eigene Essverhalten im Blick zu behalten.

Eine Herausforderung hierbei ist nicht nur die Gewichtsabnahme, sondern auch das Gewicht zu halten. Viele fallen wieder in alte Ernährungsmuster zurück. Eine Ernährungsberatung hilft, vorzubeugen. Es geht darum, ein gesundes Verhältnis zum Essen aufzubauen.

Der Fokus liegt nicht auf dem Verzicht, sondern auf der Erstellung eines Ernährungsplans,

  • der gut umzusetzen ist,
  • in den Alltag passt,
  • lecker schmeckt
  • und gut sättigt.

Das Gewicht sollte langsam purzeln, um den Jo-Jo-Effekt zu verhindern. Ein halbes Kilogramm in der Woche ist ein gesundes und realistisches Ziel. Oder anders: Die aufgenommene tägliche Kalorienmenge sollte den für das jeweilige Körpergewicht typischen Tagesbedarf um nicht mehr als 500 Kilokalorien unterschreiten. 

Sport regt den Stoffwechsel an

So wichtig wie die Ernährungsumstellung ist ein Plus an Bewegung. Bewegung regt die Stoffwechseltätigkeit an, stärkt das Herz-Kreislauf-System, verbrennt Kalorien und baut Muskelmasse auf. Je mehr Muskeln der Körper hat, desto mehr Energie verbrennt er im Ruhezustand. Bewegung hilft beim Gewichtsabbau und dabei, das Gewicht zu halten. Zudem stützen die Muskeln die Gelenke.

Sport aktiviert den Stoffwechsel.
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Sport aktiviert den Stoffwechsel.

Auch für die Psyche ist Sport gut: Wer aktiv ist, baut Stresshormone ab und ist ausgeglichener. Das beugt Frustessen und Heißhungerattacken vor - zumal sich Sport auch auf das Sättigungsgefühl positiv auswirken kann. Sportexperten empfehlen eine Mischung aus Ausdauer- und Kraftsport. Zu den gelenkschonenden Ausdauersportarten gehören Walken, Radfahren und Schwimmen.

Tipp: Wer im Alltag mehr Bewegung einbaut, unterstützt die Gewichtsabnahme zusätzlich:

  • Treppen steigen statt Aufzug fahren.
  • Zum Kollegen gehen statt anzurufen.
  • Mit dem Rad zur Arbeit fahren statt mit dem Auto.
  • Eine Haltestelle früher aussteigen.
  • Nach dem Mittagessen eine Runde um die Firma spazieren.
Wann mit Übergewicht zum Arzt?

So erfolgreich eine Gewichtsreduktion in Eigenregie sein kann: Experten raten, ab einem BMI von 30 den Hausarzt aufzusuchen und gegebenenfalls medizinische Therapieangebote wahrzunehmen. Das gilt auch bei bereits bestehenden Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gelenkbeschwerden. Auch wer mit Sport neu beginnt, sollte zuvor einen Gesundheitscheck beim Arzt machen lassen. Achtung: Bei übergewichtigen Kindern ist grundsätzlich der Kinderarzt einzubeziehen.

Verhaltenstherapie hilft, am Ball zu bleiben

Es dauert, bis alte Gewohnheiten abgelegt und neue verinnerlicht sind. Eine Verhaltenstherapie hilft bei der Umstellung des Lebensstils – und dabei, dauerhaft am Ball zu bleiben. Im Rahmen der Therapie können auch Essfallen entlarvt werden: Wann esse ich besonders viel? Wenn ich gestresst bin? Wenn ich traurig bin? Wenn ich mich alleine fühle? Die Verhaltenstherapie unterstützt die Eigenkontrolle, hilft bei der Umsetzung neuer Abnehm-Strategien und unterstützt die Stressbewältigung. Auch Misserfolge beim Abnehmen und Rückfälle kann die Verhaltenstherapie auffangen und die Motivation wieder stärken.

Einzel- und Gruppentherapien sind häufig kombiniert. Persönliche Themen, die bewegen, können in Einzelsitzungen besprochen werden. Gruppentherapien stärken die Motivation dahingehend, dass die Betroffenen merken: Ich bin nicht alleine mit meinem Problem. Andere kämpfen auch mit Übergewicht. Wenn sie das schaffen, kann ich das auch packen.

Adipositas-Therapie: Behandlung mit Medikamenten

Medikamente finden bei der Behandlung von Adipositas dann Anwendung, wenn Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltensmaßnahmen nicht den gewünschten Erfolg zeigen. Auch bei vorliegenden Begleiterkrankungen entscheiden sich die Ärzte oftmals für die medikamentöse Unterstützung. Es gibt Präparate, die auf das Hunger- und Sättigungsgefühl wirken. Andere Medikamente verringern die Fettaufnahme im Darm. Da alle Medikamente Nebenwirkungen haben können, ist es wichtig, mit dem Arzt über Vor- und mögliche Nachteile einer medikamentösen Behandlung zu sprechen.

Medikamente können die Adipositas-Therapie unterstützen. Eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung können sie aber nicht ersetzen. Ein langfristiger Abnehmerfolg lässt sich nur dann erreichen, wenn die Ess- und Bewegungsgewohnheiten dauerhaft umgestellt werden.

Adipositas behandeln: operativer Eingriff

Operative Eingriffe zur Adipositas-Behandlung kommen nur bei extrem übergewichtigen Erwachsenen in Betracht. Mediziner erwägen einen chirurgischen Eingriff bei:

  • Adipositas Grad III, also einem BMI von über 40.
  • Adipositas Grad II, wenn schwerwiegende Begleiterkrankungen vorliegen.

Operative Eingriffe zur Behandlung von Übergewicht haben vor allem ein Ziel: Das Magenvolumen soll verkleinert oder die Aufnahme von Nährstoffen im Dünndarm verringert werden. Hierfür gibt es verschiedene Verfahren. Am häufigsten durchgeführt sind:

  • Schlauchmagen: Ein Teil des Magens wird entfernt und das Fassungsvermögen reduziert. Der Patient ist schneller satt.
  • Magenband: Ein Silikonband schnürt vom Magen einen kleinen Vormagen ab. Der Patient ist schneller satt.
  • Magenbypass: Der Magen wird verkleinert und mit einer tiefer liegenden Dünndarmschlinge verbunden. So werden Nahrungsaufnahme und Nährstoffaufnahme reduziert.
  • Magenschrittmacher: Verlangsamt über elektrische Impulse die Magenentleerung. Der Betroffene ist länger satt.
  • Magenballon: Im Magen eingesetzt, sorgt er für ein frühes Sättigungsgefühl.

Adipositas behandeln mit Fettabsaugung?

Die Fettabsaugung ist bei Adipositas nicht geeignet. Sie kann nur lokale Fettmengen wie an den Oberschenkeln entfernen. Sie ist ein kosmetisches Verfahren und wirkt sich nicht gesundheitsfördernd aus. Auch an das kritische innere Fett, dass sich um die Organe legt, kommt die Fettabsaugung nicht dran.

Eine gute Nachbetreuung und eine Anpassung des Lebensstils ist auch nach einer Operation wichtig. Arbeitet der Patient nicht mit, kann er den Abnehmerfolg, der durch die operative Maßnahme erreicht wurde, wieder zunichtemachen.

Operation bei Adipositas: Zahlt die Krankenkasse?

Oftmals übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Adipositas-Therapie. Verpflichtet sind sie aber nicht. Am besten besprechen Betroffene die Möglichkeiten mit ihrem Hausarzt und wenden sich – bei vorliegender medizinischer Notwendigkeit – anschließend mit der Bitte um eine Kostenübernahme an ihre Krankenkasse.

Möglich ist auch, dass die Krankenkasse die Therapie bezuschusst. So muss der Betroffene die Kosten nicht alleine tragen. Ob und inwieweit die Krankenkassen die Adipositas-Therapie bezuschussen, ist abhängig von Grad des Übergewichts, der gesundheitlichen Gesamtsituation, der Lebenssituation des Betroffenen sowie von den angefragten Behandlungsmaßnahmen. Viele Krankenkassen bieten zudem eine Vielzahl verschiedener Gesundheitskurse für ihre Versicherten an.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Profilbild von Ann-Kathrin Landzettel
Autor/-in
Ann-Kathrin Landzettel

Ann-Kathrin Landzettel M. A. ist Gesundheitsjournalistin aus Leidenschaft. Vor allem zwei Fragen treiben die geprüfte Gesundheits- und Präventionsberaterin an: Wie können wir lange gesund bleiben – und wie im Krankheitsfall wieder gesund werden? Antworten findet sie unter anderem im intensiven Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie in persönlichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Seit fast zehn Jahren gibt sie dieses Wissen rund um Gesundheit, Medizin, Ernährung und Fitness an ihre Leserinnen und Leser weiter.

 

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