Der Tag beginnt mit mir

Der Hamburger Hafen ist noch stockdunkel, wenn ich zur Arbeit komme. Doch viel Zeit zum Wachwerden hab' ich nicht. Es muss schnell gehen: Brötchen belegen, Eier braten, Kaffee kochen. Um drei Uhr morgens. Das muss sein.

Denn für meine Kunden ist meine Kaffeeklappe nicht nur ein Frühstücksladen, sondern ein festes Morgenritual. Eine zweite Familie. Hier bekommen sie mehr als nur Brötchen in allerlei Variationen und frischen Kaffee. Sie tauschen sich aus, über den Hafen, die Arbeit, Privates. Egal ob Hafenarbeiter, Kranfahrer oder Manager: hier trifft man sich und startet gemeinsam in den Tag.

Mein eigener Start hingegen war alles andere als leicht. Direkt nachdem ich den Laden 2001 aufgemacht hatte, schlug die Finanzkrise mit voller Wucht zu. Die Laufkundschaft blieb weg. Also musste ich zu den Kunden , die Betriebe beliefern. Und das funktionierte. Dadurch bin ich noch fester mit dem Hafen verbunden. Jeder hier erkennt meine Mütze schon von Weitem und winkt mich durch. Denn alle im Hafen brauchen was Ordentliches zu futtern. Und ich brauche den Hafen. Wir halten hier zusammen. Klar packt mich beim Anblick der Schiffe auch mal die Sehnsucht. Aber selbst wenn ich mitfahren würde, ich würde irgendwann wiederkommen – in meinen Heimathafen.

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